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Der Israelit · 1889-12-16 · Heft 98 (16.12.1889) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 98 (16.12.1889)
Date
1889-12-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1703 ich dieses Land aufgesucht. Unter unsäglichen Mühen und Gefahren ist es mir gelungen, bis hierherzukommen; aber hier verließen mich die Kräfte. Ich sank auf der Straße wie todt nieder. Mitleidige Leute brachten mich in das Hekdesch." „„Ihr heißt Jakob,"" fragte der Hausherr, „„und seid aus Wilna? Habt Ihr vielleicht einen Familiennamen?"" *) „Man nennt unsere Familie mit dem Namen Aschkenasi." „„Ist jener Jakob aus der Familie Aschkenasi, welcher der Schwiegersohn des Rabbi Ephrajim Kohen aus Wilna gewesen ist, vielleicht ein Verwandter von Euch?"" „Der bin ich selber." „„Wie, Ihr seid der Schwiegersohn des Rabbi Ephrajim? So haben die Zeugen gelogen, welche vor dem Beth Din aussagten, daß sie zugesehen, wie Ihr Euren Kopf auf einen Stein habt legen müssen und wie der Kosak sein Schwert geschwungen und . . . ."" „Nein," unterbrach ihn Rabbi Jakob, „die Zeugen haben nicht gelogen. So war es, wie Ihr da sagt." „„Ist vielleicht der Prophet Elijahu gekommen und hat Euch den abgehauenen Kopf wieder aufgesetzt?"" Rabbi Jakob lächelte. „Nein," sagte er, „aber durch ein großes Wunder hat mich Gott vom Tode errettet. Ich fühlte das Eisen an meinem Halse, aber der Kosak hatte mich nur mit dem Rücken seines Schwertes geschlagen. Betäubt lag ich da, und als ich ans meiner Betäubung erwachte, spürte ich einen heftigen Schmerz am Halse. Es war nur eine Schwellung, keine Wunde. Ich dankte Gott in meinem Herzen für meine Rettung und blieb wie leblos liegen, um nicht aufs Neue mein Leben zu gefährden. Es waren schreckliche, schauerliche Stunden, die ich hier verbrachte. Rings um mich lagen Leichen oder mit dem Tod ringende schwerverwundete Menschen. Die Kosaken hatten Fässer mit Branntewein aus der Kretschme herbeigeholt und tranken und sangen und jubelirten, endlich bestiegen sie ihre Pferde wieder und ritten davon. Erst als das Getrappel ihrer Pferde in der Ferne verhallt war, wagte ich es, mich zu regen und mich umzuschauen. Es war ein schrecklicher Anblick, der sich mir bot. Das ganze Gefilde war mit Leichen bedeckt: Männer, Frauen, Kinder und Säuglinge. Waren auch mein Schwie¬ *) Zu jener Zeit waren die Familiennamen nur wenig in Gebrauch. gervater, meine Gattin darunter? Ich suchte ihre Leichen und fand sie nicht. Da stieg die Hoffnung auf in meinem Herzen, daß sie dem Tode entronnen seien. Mein Schwiegervater hatte die Absicht gehabt, sich nach Mähren zu begeben; daher machte ich mich auf den Weg, dieses Land zu erreichen. Es war eine mühselige, harte Wanderung. Ohne Geld, ohne genügende Kleidung und Wäsche wandelte ich von Ort zu Ort, das Mitleid der Menschen in Anspruch zu nehmen gezwungen, dabei stets fürchtend, den Kosaken in die Hände zu fallen. Ach, die mitleidigen Glanbensgenosfen, die ich antraf, waren selbst durch den schrecklichen Krieg in die äußerste Armuth und Roth gerathen und konnten mir nur geringe Hilfe angedeihen lassen. Gequält von Hunger, Durst und Kälte konnte ich nur langsam meine Wanderung fortsetzen. Wochenlang lag ich krank in kleinen Ortschaften darnieder. Dabei quälten niich Sorge und Angst um mein junges Weib. Wo mag sie jetzt weilen?" „„Das kann ich Euch sagen. Sie wohnt bei ihrem Vater, der seit ungefähr einem halben Jahre Rabbiner in Trebitsch ist. Gott hat Euch noch ein anderes, vielleicht noch größeres Wunder gethan. Das Beth Din des großen Rabbi Josua Hcschel von Krakau hat nach den Aussagen jener Zeugen, die ich vorhin erwähnte, die Tochter des Rabbi Ephrajim Kohen für frei erklärt und ihr gestattet, sich wieder zu verheirathen. Mein eigener Sohn, ein Schüler des Rabbi Ephrajim, hat um sie geworben. Allein, alles Zureden half nicht; das junge Weib weigerte sich standhaft, ihren ersten Mann zu vergessen und einen neuen Ehebund einzugehen."" „Gesegnet sei sie darob vom ewigen Gotte!" „„Ja, gesegnet sei sie. Durch ihre Standhaftigkeit ist auch meinem Hause ein großes Elend erspart worden. O, ich mag nicht daran denken, wenn mein Sohn Euer Weib geheirathet hätte und Ihr dann zurückgekehrt wäret."" „Preisen wir Gott für das Walten Seiner unendlichen Gnade! Und nun will ich eilen und nach Trebitsch gehen, um mein geliebtes Weib ihrer Trauer um mich zu entreißen." „„Ihr dürft nicht; Ihr seid noch zu schwach. Aber, ich will nach Trebitsch fahren, um Eurem Schwiegervater und Eurer Frau die Freudenbotschaft zu überbringen. Dann mögen sie mit mir hierher zu Euch kommen."" Rabbi Ahron ließ sofort anspannen und fuhr nach Trebitsch. Rabbi Ephrajim empfing ihn mit trauriger Miene. Nachdem er seinen Gast begrüßt hatte, sagte er:

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