Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 98 (16.12.1889)
- Date
- 1889-12-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1702 Eifer hat jedoch die nur Wahrheit und Recht suchende Commission bei Erbringung der Beweise für die Behauptung, daß die Mitglieder der einzelnen Rabbinerfamilien kein Gewicht auf die Organisation der Kultusgemeinde legen, verwendet, und es ist ihr durch viele Forschungen und rastlose Arbeiten anch gelungen, in den Stand gesetzt zu werden, ein großes Feld mit noch größeren — Unrichtigkeiten und Verdrehungen zu besäen. Schreiber selbst könnte aus persönlicher Ueberzeugung, einige Fälle anführen, wo Rabbiner oder deren Söhne und Schwiegersöhne orth. Richtung aufgefordert wurden, ehrenhafte und einträgliche Stellen in Gemeinden, die das orth'. Organisationsstatut nicht anerkenuen, anzunehmen und dieselben haben nur aus diesem Grunde die Wahl entschieden abgelehnt, obwohl die Gemeinden nur der „Ltatuo guv ante- und nicht der Kongreßpartei angehörten. Die gebrachten Beweise sind zwar, weil im Großen und Ganzen einigermaßen der Wahrheit entsprechend, geeignet, den ganz Uneingeweihten ein wenig erstaunt zu machen; das jedoch nur oberflächlich betrachtet. Denn, jedes Angeführte besser in's Auge gefaßt, zerfällt das ganze, wie die verglimmte Kohle in unbedeutende Theilchen. Von dem angeführten Oberrabbiner zu Wallendorf, Herrn P. Singer weiß man nur zu gut, daß er seinen früheren Rabbinatssitz Kirchdrauf nur darum mit dem unbedeutenden Städtchen seines früheren großen Bezirkes vertauscht, weil sich Kirchdrauf nicht als „orthodox" konstituirt hatte. Einem ehrw. Rabbiner, der solch ein Opfer für die „Orthodoxie" zu bringen im Stande war, imputiren zu wollen, daß er mit der Annahme von Aemtern in nichtorthodoxen Gemeinden, was seine zwei Söhne wirklich thaten, einverstanden gewesen wäre, dazu gehört schon etwas mehr, wie Kühnheit, und verräth schon ein kleinwenig — Bosheit. Daß I. Ehrwürden die Herren Oberrabbiner von Verbo und Eisenstadt je einen in einer Kongreßgemeinde als Rabbiner amtirenden Bruder haben, beweist noch Nichts; lautet doch ein biblisches Gebot: „m man iror vb“ „Es darf der Vater nicht verurtheilt werden, wegen der Schuld seines Sohnes u. s. w.," um wie wie viel weniger also ein Bruder für die That eines Andern! Auch wissen wir von denselben, daß sie jeden Verkehr mit ihren nicht orth. Brüdern abgebrochen haben. Die gewiß kühne Behauptung, daß der strenggläubige Rabbiner von Baan in einer Kongreßgemeinde wirkte, hat sich laut einer telegraphischen Erklärung desselben als eine aus der Luft gegriffene Lüge herausgestelll. (Fortsetzung folgt.) Asien. Bagdad. Die Amerikaner, welche eine Exdition nach Babylon ausgesendet haben, um dort die Ausgrabungen festzustellen, haben allen Grund, sich zu dem Erfolge ihrer ersten archäologischen Campagne zu beglückwünschen. Sie haben in Nipper, dem alten Nipur, einem Mittelpunkte der frühchaldäischen Eultur, den Spaten eingesetzt und den großen Baal-Tempel dort bloßgelegt. Während man früher annahm, daß dieser gegen 3000 (?) vor der gewöhnlichen Zeitrechnung von Ur - Vau, König von Ur, erbaut worden sei, stellt sich jetzt heraus, daß dieser König den Tempel nur wieder hergestellt hatte; vorhandene Ziegel-Jnschrtften führten bis auf Naram-Sin, den Sohn von Sargon I., um 3750 vor der gewöhnlichen Zeitrechnung (?) zurück. Im Laufe der Ausgrabung stieß man auf die große Tempel-Bibliothek in Ur. Mehr als 2000 ' Thontafeln wu,r&en gefunden, leider waren viele in zerbrochenem Zustande; diese Inschriften gehen von 2000 der gewöhnlichen Zeitrechnung bis zu Artaxerxes Longimanns hinab. Unter diesen Thon- Inschriften befinden sich religiöse Hymnen, Zauberformeln, astronomische Schriften, Gesellschaftsverträge, Königslisten, historische Berichte, grammatische und lexikalische Werke. VII. In dem Hause Rabbi Ahron Taubener's wurde dem Kranken die sorgfältigste Pflege zu Theil, so daß sein Zustand sich bald wesentlich besserte. Das Fieber verließ ihn, und nach einigen Tagen schon konnte er aufstehen und im Zimmer umhergehen. Jetzt erst gestattete sich der Hausherr, seinen Gast nach Herkunft und Namen zu fragen. „Ich heiße Jakob," antwortete der Gefragte, „und stamme aus Wilna. Ich bin mit den Meinigen vor den Kosaken entflohen, habe meine Verwandten unterwegs verloren, und da ich glaubte, daß sie sich nach Mähren gewandt hätten, habe auch