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Der Israelit · 1889-12-16 · Heft 98 (16.12.1889) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 98 (16.12.1889)
Date
1889-12-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1698 nicht schrecken. Gott rettete sie aus der von Menschenhaß geschürten Flamme, so daß Nebukadnezar, der sich ja selbst für einen Gott hielt, ausrufen ließ: „Wer den Gott dieser Männer lästert, soll getödtet werden; denn es ist kein Gott, der zu retten vermag, außer diesem Gotte." Und als zur Zeit des Darius Daniel eine der höchsten Stellen einnahm, die Großen des Reiches ihn deßhalb beneideten und verderben wollten, da suchten sie ihn wegen seines Glaubens und seiner Gottesverehrung beim Könige zu verleumden. Sie erwirkten einen königlichen Befehl, daß Niemand innerhalb dreißig Tage von irgend Jemand anders, als vom Könige etwas erbitten solle. Jede Zuwiderhandlung solle mit dem Tode bestraft werden. Daniel aber fürchtete Gott und nicht die Menschen und verrichtete dreimal täglich sein Gebet in seinem Zimmer. Dafür wurde er zum Tode verurtheilt, aber von Gott gerettet. Hierauf richtete Darius an die Völker seines Reiches folgendes Schrein: „In der ganzen Herrschaft meines Reiches soll man zittern und bebenvordem Gotte Daniel's, denn Er ist der lebendige Gott, bestehend in Ewigkeit; Sein Reich wird nicht zerstörtund SeineHerrschaft dauert bis ans Ende. Erbefreit und rettet und thut Zeichen und Wunder im Himmel und auf der Erde." Eine größere Verherrlichung Gottes kann es wohl kaum geben, als wenn heidnische Könige, die sich selbst für Halbgötter hielten, eine solche Anerkennung Gottes aussprechen, veranlaßt durch die ihrem Gotte vertrauenden Männer, die kein Todesdrohen erschüttern konnte in ihrem Glauben und in ihrer Ueberzeugung. Wenn auch unser Volk unterjocht war, sein Land und Heiligthum verloren hatte, in fremdem Lande leben mußte und jeden Augenblick mit Vernichtung bedroht war, so hatte Gott es doch nicht verschmäht, als wenn Er seiner überdrüssig, weil es sich unwürdig gezeigt hatte. Denn, solange solche Männer in seiner Mitte leben, wie Daniel und seine Genossen, die eine solche, wenn auch nur momentane Anerkennung Gottes auch bei den heidnischen Eroberern hervorriefen, da läßt Gott unser Volk nicht sinken. „Ich habe sie nicht ausgestoßen, zur Zeit Haman's, denn Ich ließ ihnen erstehen den Mordechai und die Ester." Zur Zeit der Perserherrschaft hatte sich unser Volk hineingelebt und hineingefunden in die heidnischen Sitten. Es aß am Tische des Königs, machte alle Festlichkeiten mit, bückte sich vor Haman und seinem Götzeubilde. Unser Volk hätte eigentlich verdient, daß sein verwerfliches Benehmen auch die bolle Verwerfung von Gott nach sich gezogen hätte. Doch Mordechai und Ester retteten unser Volk, schützten es vor Untergang. Mordechai bückte sich nicht vor Haman, Ester, die Königin, erlaubte sich nicht, verbotene Speisen zu genießen. „Um sie zu vernichten, zur Zeit der Griechen, denn ich ließ ihnen erstehen Simon den Gerechten und d.c Chaschmonäer." Als Alexander der Große seinen Eroberungszug nach Asien antrat, da rettete Simon der Gerechte Jerusalem und sein Volk durch sein entschlossenes, kluges Auftreten vor dem anrückenden Feiude, der von den Samaritanern aufgestachelt wurde. Auch soll er das Volk zu inniger Gottesfurcht geleitet und ihm einen festen Halt geboten haben gegen die Lockungen, die von Außen herantratcn. Als daun später unser Volk unter der Herrschaft des griechisch-syrischen Reiches sich zu dem Opfercultus und den verwerflichen Sitten der Griechen hinneigte, welche ein heiteres, genußreiches Leben als das erstrebenswertheste Ziel hinstellten und Viele aus unseren! Volke selbst den König Antiochus aufforderten, gegen unser göttliches Gesetz vorzugehen, so daß dieser bei Todesstrafe verbot, irgend ein jüdisches Gesetz zu beobachten und dadurch unsagbares Unglück über unser Volk heraufbeschworen; da waren es Nachkommen von Simon dem Gerechten, die Priesterfamilie der Chaschmonäer, welche unser Volk retteten. „Zu brechen Meinen Bund mit ihnen, zur Zeit der Römer, denn Ich ließ ihnen erstehen Rabbi und die Weisen jener Zeit." Scheinbar war der Bund gelöst. Die Juden waren zerstreut, vertrieben aus ihrem Lande nach allen Richtungen der Erde. Wo war das Band, das sie umschlingen konnte?! Die Gefahr war sehr nahe, daß unser Gesetz und seine Erklärung vergessen würde und so Israel auf seiner Wanderung durch die Völker und Länder vollständig sich verlieren könnte. Rabbenu Hakodosch aber faßte unser Gesetz zusammen, in kurzer gedrängter Woise, leicht faßlich, in dem Werke, das wir „Mischnajoth" nennen. Mischna (rutpo), in der Umstellung des Wortes : Neschomoh (nottu), so andeutend, daß der Geist, die Seele unseres Gesetzes, darin liegt. Die Mischna galt für die Gelehrten aller Zeiten als unantastbar; an der Mischna wurde festgehalten und aus ihr die weitere Entwickelung gezogen.

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