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Der Israelit · 1889-12-12 · Heft 97 (12.12.1889) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 97 (12.12.1889)
Date
1889-12-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1682 Mittellosigkeit versagt worden war. Dieselben wurden in Hamburg vom jüdischen Unterstützungsverein nach ihrer Heimath weiterbefördert. Altona, 8. Dezember. Es ist eine allbekannte Thatsache, daß Beispiele zur Nachahmung aneifern, und aus Grund dieses Erfahrungssätzes erlaube ich mir, geehrter Herr Redacteur, die Spalten Ihres gesch. Blattes zu einer Notiz in Anspruch zu nehmen, die an und füc sich wohl nicht mehr als ein lokales Interesse erwecken dürste. Wenn nun aus diesen Zeilen ein belehrender Schluß gezogen werden soll, so könnte ich, nach der talmudischen Regel msp Tn nio^n n« din rav* d^>, mich auf die Mittheilung beschränken, daß vorige Woche im hiesigen «man na ein di»d auf niwo stattfand. Um aber diese Thatsache voll würdigen zu können, dürfte es nicht uninteressant sein, zu erfahren', daß an den a»->"iD nvw nicht weniger als sieben Jahre, alltäglich zwischen nmo und snyo, gelernt wurde, woraus der denkende Leser schließen kann, mit welcher Gründlichkeit hierbei verfahren wurde. Die beiden Klausrabbiner ps P und pyio '-i, an denen sich im vollsten Sinne des Wortes der Spruch bewahrheitet, bi D’Dsn n^n Dirty n2N'v onyn wp'm pi, verstehen es in der That, durch einen scharfsinnigen, klaren Vortrag die mmn tid»^ ron« zu erwecken und aufmerksame Zuhörer heranzuziehen. Die msas miyD, die sich dem w'v auschloß, zeigte so recht, wie man hier die min zu schätzen weiß, und die stattliche Anzahl von Theilnehmern, die die Höhe von vierzig überstieg, konnte als Maßftab dafür gelten, daß hier ein ziemlich großer Prozentsatz von Gemeindemitgliedern pup mmV crn’y ist. Wenn nun auch nicht alle Theilnehmer an dem schönen Feste den täglichen ny»» nwo besuchen, so kommen doch die meisten derselben wöchentlich einige Male zu einem trt nvwü oder n*)dj in die geheiligten Räume des ttninn na, wo die Klausrabbiner fast den ganzen Tag über zu treffen und mit größter Bereitwilligkeit den Durst nach nmpn umn zu stillen bemüht sind. Die miyo selbst verlief, wie cs bei der umsichtigen Leitung des Klausvorstandes nicht anders zu erwarten war, zur größten Zufriedenheit aller Anwesenden, die neben den vorzüglichen Leistungen der Küche über manche geistvolle und gemüthserhebende Tischrede zu quittiren hatten. Daß aber auch im Kreise der Versammelten dem Grundsatz p« Ti Dy min ne» Rechnung getragen wird, das bewies schon das von einem Theilnehmer verfaßte, humoristische Tafellied, dessen Schluß gewissermaßen die Quintessenz aller ausgesprochenen guten Wünsche enthält, die in dem Satze gipfeln: m-wi mm 'n. Straßburg i. E., 4. Dezember. Nach einer auf amtlichen Erhebungen beruhenden Statistik befinden sich gegenwärtig in Elsaß-Lothringen 35 höhere Schulen mit einer Schülerzahl von 8967. Davon sind 4097 Katholiken, 3972 Protestanten, und 898 Israeliten. Vor 5 Jahren, am 1. November. 1884, waren es im Ganzen 8499 und zwar 3718 Katholiken, 3942 Protestanten und 839 Israeliten gewesen. Es haben also in diesen 5 Jahren die Katholiken um 397, die Protestanten nur UM 30 und die Israeliten um 59 zugenommen, und während damals die protestantischen Schüler der höheren Schulen 234 mehr als die Katholiken gewesen waren, haben die letzteren gegenwärtig um 125 die Mehrzahl. Leipzig. Der jüngst in Zwickau veranstalteten antisemitischen Versammlung, wohnte auch Johannes Guttzeit, der wohlbekannte und verdiente Schriftsteller bei. Guttzeit schreibt mir über diese Versammlung: „Es hat mich empört, was ich zu hören bekam. Bei der Discussion meldete ich mich zum Worte; Liebermann von Sonnenberg meinte, man wolle keine komische Aufführungen geben *) und das Einschreiten der Polizei verhindern. Ich rief ihm zu: Ihr habt ja eine komische Aufführuug gegeben!" Eure feige Furcht, eine andere Ansicht zu hören, stempelt ja Eure ganze Sache zur Pöbelhaftigkeit! Und wahrlich, wenn überhaupt irgendwo die Polizei einschreiten sollte, so wäre hier Gelegenheit dazu, wo man gegen eine mit bürgerlichen Ehrenrechten betraute große Klasse der Staatsangehörigen auf so gemeine Weise hetzt.1 2) Ein Arbeiter rief in die Versammlung „Schandbataillon!" Die Redner hatten über zwei Stunden gesprochen, so daß es mir in Gemeinschaft der Ausführungen und des Tabaksqualmes ganz übel wurde. Die meisten Anwesenden, Gegner der Antisemiten, hätten gern gesehen, daß ich zum Worte kam. Beim Hoch, welches man auf den Kaiser ausbrachte, blieben die Sozialisten sitzen, ich gleichfalls, weil ich den Kaiser achte und mein Deutschland liebe, aber auf andere Weise als diese Leute. Fritsch ist hier also als Candidat aufgestellt, aber das Händeklatschen von 100 Personen kann seine Candidatur noch nicht durchbringen-" — 1) Guttzeit kleidet sich sehr eigenthümlich und ist Leiter der Zeitschrift „Der Bruder", ein Organ für volle Menschlichkeit. 2) Das hat die Polizei noch nie gethan, wenn gegen die Juden gehetzt wurde.

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