Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 97 (12.12.1889)
- Date
- 1889-12-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1681 Andern ein königl. Professor der orient. Sprachen und einer der bedeutendsten Talmudisten unserer Zeit gewählt. 8. 8. Berlin. Der hiesige Kalender von 1782 vereichnet u. A. auch 23 Aerzte oder approbirte Neäiei xraetiei und 5 Aerzte jüdischer „Nation", 5 Hebammen-Metster und 50 Hebammensowie l Hebamme für die jüdische Nation. Im Jahre 1800 sind 45 Hebammen verzeichnet und außerdem je 1 für die böhmische Kolonie, die sächsische Kolonie und für die jüdische Nation, die Aerzte und approbirte Medici sind bis zum Jahre 1800 aus 40 vermehrt, die der jüdischen Nation auf 10. Berlin, 8. Dezember. Das Centrum hat seinen Antrag über die Wehrpflicht der Geistlichen, der bei den protestantischen Theologen auf Widerspruch gestoßen ist, abgeändert. Der Antrag, der nächsten Mittwoch zur Verhandlung kommen soll, lautet jetzt: Militärpflichtige, welche sich dem Studium der Theologie einer mit Korporationsrechteu innerhalb des Gebietes des deutschen Reiches bestehenden Kirche oder Reiigionsgesellschaft widmen, werden in Friedenszeiten auf ihren Antrag während der Dauer dieses Studiums bis zum 1. April des siebenten Militärpflichtjahres zurückgeftellt. Haben dieselben bis zu dem vorbezeichneten Zeitpunkte auf Grund bestandener Prüfung die Aufnahme unter die Zahl der zum geistlichen Amt berechtigten Kandidaten erlangt, beziehungsweise die Subdiaconatsweihe, so werden diese Militärpflichtigen auf ihren Antrag der Ersatzreserve überwiesen und weiter von Uebungen befreit. Frankfurt a. M., 10. Dezember. Es wird gewiß die Leser Ihrer Zeitschrift interessiren zu erfahren, daß der Obmann der Metzgerinnung, Herr C. Marx, welcher gestern die Ehre hatte, nach uraltem Brauche, Sr. Majestät, dem deutschen Kaiser, den Willkomms-Trank zu überreichen, ein Glaubensgenosse ist. — Zum Empfange am Bahnhofe hatte sich, ebenso wie die katholische und protestantische Geistlichkeit, auch die jüdische eingefunden. Abends im Palmgarten wurden Sr. Majestät auch mehrere Israeliten vom Herrn Oberbürgermeister Miguel vorgestellt, unter Andern Herr Rabbiner Dr. P l a u t h und die Herren Charles Hallgarten und Georg Scheyer. Mit den beiden Letztgenannten unterhielt sich der Kaiser in gnädigster und anerkennendster Weise über den von denselben projectirten Bau von Arbeiterwohnungen. Grotz-Strelitz, 3. Dezember. Am gestrigen Montag wurde hier ein echter und rechter Jehudi begraben, welcher sich in weitesten und höchsten gesellschaftlichen Kreiselt eines glänzenden Ansehens erfreuen durfte: Der königliche Commissionsrath, Kreistagsdeputirte und Rathsherr JonasGrätzer. Der im Alter von 66 Jahren Verstorbene hatte sich vom Bäckerlehrling zum Chef eines weithin angesehenen Hauses emporgeschwungen. Grätzer war erster Vorsteher der hiesigen jüdischen Gemeinde, Mitbegründer des israelitisch-oberschlestschen Gemeindebundcs und rühriges Mitglied in zahlreichen anderen Vereinen und Körperschaften. Sein Ansehen war groß, und trotz aller Ehren blieb er den Glaubenssatzungen streng getreu. Nie würde Grätzer Montags und Donnerstags verfehlt haben, die Synagoge zu besuchen, nie würde er es gewagt haben, an gräfliche Tafeln die Speisegesetze zu übertreten. Dabei war er von einer fast rührenden Anspruchslosigkeit. Am Freitag Abend starb er plötzlich, im Lehnstuhle sitzend, an einem Herzschlage; man ließ des Sabbats wegen die Leiche bis zum Ausgange des Ruhetages in dieser Stellung. Der Beisetzung wohnte eine überaus zahlreiche Menschenmenge bei; die Spitzen aller Behörden, der Landrath v. Alten, der Bürgermeister, alle Rathsherren, das Stadtverordnetencollegium, Graf Posadowsky, Graf v. Tschiersky: Renard und viele andere Persönlichkeiten von Rang waren anwesend. Im Trauerhause sprach namens der Hiuterbliebenen Rabbiner Dr. Wiener aus Oppeln mit Bezug auf den Bibelvers: „Besser ist ein guter Name, als köstliches Oel, und der Tag des Todes als der Tag der Geburt." In der Leichenhalle, welche , der Verblichene erst vor einigen Jahren hatte erbauen lassen, sprach im Namen der Gemeinde der von derselben hierher berufene Rabbiner Dr. Blumenthal aus Ratibor, anknüpfend an das Wort des Patriarchen im j letzten Wochenabschnitte: „Wenn ich einst in Frieden heimkehre in das Haus meines Vaters, und Gott mir zum Schutzherrn ist, so soll dieser Stein, den ich als Denkmal mir errichtet, ein Gotteshaus werden." Der Redner zeichnete das Lebensbild des Verstorbenen, welches der Jakobsleiter gleiche, die von der Erde sprossenweise hinan zum Himmel führten. Jonas Grätzer ist todt, sein Verlust ist unersetzlich, Gott tröste' die Trauernden! Hamburg. Mit dem englischen Dampfschiffe kamen am Sonnabend 20 jüdische Rückwanderer an, denen die Landung in New-Aork wegen ihrer