Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 97 (12.12.1889)
- Date
- 1889-12-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1680 betrug — 15841 M. 63 Pf. Die Summe aller nusgaben war: 14958 M. 12 Pf., worunter: Unterstützungen 4360 M-, ausgeliehene Kapitalien 9278 M. 33 Pf. Das Vermögen betrug am 31. März 1889 — 35216 M. 66 Pf. und hat in dieser Rechnungsperiode (86/89) um 5176 M. 84 Pf. zugenommen. Möge der Verein noch weiter blühen und gedeihen. Berlin, 1. Dezember. An den jüngsten Gemeindewahlen betheiligten sich 2928 Personen. Man müßte demnach annehmen, daß ungefähr 8000 Steuerzahler den Gemeindeangelegenheiten gleichgtltig gegenüberstehen, doch dieses harte Urtheil wäre nicht ganz zutreffend. Allerdings war die Freude über den Niedergang des Berliner Antisemitismus so groß, daß man die inneren Angelegenheiten weniger beachten zu müssen glaubte, jedoch dieser Mitwirkung allein ist die schwache Wahlbetheiligung nicht zuzuschreiben. Vielmehr trägt das unpraktische Wahlsystem die Hauptschuld an dieser traurigen Unterlassungssünde. Während man bei den politischen Wahlen in der Regel den Mann kennt, dem man sein Vertrauen schenkt, sich auch mit den Zielen der Partei vertraut machen kann, deren Bestrebungen man für die richtigen hält, gehört dies Alles bei den hiesigen Gemeindewahlen zu den Dingen der Unmöglichkeit. Wie sollen die 11000 Wählern die 25 Candidaten kennen lernen, die ihnen angepriesen werdend Es ist kein Forum vorhanden, auf welchem sich dieselben präsentiren könnten, keine Gelegenheit, bei welcher Wähler und Candidaten einander näher treten könnten. Die zwei Wahlversammlungen , die in der Wahlwoche abgehalten wurden, beschränkten sich auf einen und denselben Stadttheil, und gewährten nur einem winzigen Bruchtheil Gelegenheit Ansichten zu hören und zu äußern. Man denke sich nun die Verlegenheit eines Wählers, der etwas mehr als eine bloße Stimmmaschine sein will. Vor ihm liegt der große Wahlzelle!, neben ihm die beiden Ausrufe, die ihre Bannerträger anpreisen. Da trifft sein Blick den augenfälligen johannis beerfarbenen Zettel. Das Unterzeichnete Comits besteht wohl aus ganz unbekannten Herren, doch das wäre ein verzeihlicher Fehler, man kann in der Weltstadt nicht so leicht eine Berühmtheit werden. Dagegen ist wohl bekannt, daß einige Spitzen der „rothen" Partei vollends mit dem Judenthum gebrochen haben und ihre Zukunft schon in der Umarmung eines andern Bekenntnisses ruht. Doch das Aushängeschild, das obenan und am Fuße prangt, das müßte doch seine Zauberkraft üben; es ist doch die liberale Partei, von welcher die rothgefärbte Empfehlung ausgeht. So laßt uns diesen „Liberalismus" näher besehen. In der Versammlung der „Liberalen" — erlaubt sich ein schlichter — nicht mit Hunderttausenden gesegneter — Wähler eine Bemerkung, flicht in die bescheiden gehaltene Jnterpellirung eines Candidaten eine Kritik der bisherigen Verwaltung. Da erhebt sich der rechtskundige Vorsitzende, unterbricht den Redner und gibt dem Meuterer, der gegen die Vorstandsautorität gröblich verstößt?, folgende Belehrung: „Mein Herr! Zu unserer Versammlung sind nur liberale Wähler eingeladen." — Der Redner wagt den Zwischenruf: „Auch ich zähle mich zu den Liberalen." — „Um aber die Vieldeutigkeit dieses Begriffes auszuschließen und um der bequemen Handhabung der Geschäftsordnung willen, und um unnöthige Aufregungen wegen solch kleinlicher Dinge zu vermeiden, und um Mißverstandenes klar zu präcisiren und um der blöden nichtjuristisch geschärften Welt das Muster einer klaren und treffenden Präcisirung zu gewähren, erklären wir hiermit, daß wir nur denjenigen „liberal" nennen, welcher ander bisherigen Gemeindeverwaltung gar keine Krilik zu üben wagt." Diese geistreiche Wortdeutung machte hier die Runde und erklärt den Verruf, in welchen die „Rothen" durch diese geschmacklose Spitzfindigkeit gerathen sind. — Aber auch dem Central-Vorstand des „Wahlvereins" ist nicht gelungen eine Lifte aufzustellen, welche 25 in der Stadt ziemlich bekannte Namen enthält. Ich wünsche demselben, daß er wenigstens einige Candidaten durchsetze. Viel Zeit und viele Mühe hat derselbe der guten Sache gewidmet. Wenn sein Streben der Erhaltung der väterlichen Religion galt, so kann ihm der endliche Sieg nicht fehlen. Was diese Wahl nicht bringt, das möge man von der nächsten, an welche man besser gerüstet herantreten möge, erhoffen. (Fortsetzung folgt.) Berlin, 2. Dezember. In der Synagogen- Gemeinde „Adaß-Jisroel" sind gestern die Gemeindewahlen vollzogen worden. Gestatten Sie mir mit dürren Worten, ohne jeden Redeschmuck darüber zu referiren, damit nicht Gegner wieder über Selbstverherrlichuug klagen. In den Vorstand wurden drei Herren gewählt, der eine ist ein Enkelsohn des sel. Oberrabbiners von London u. Großbritannien s. A., der zweite ist ein Sohn von R. Joske Spiro s. A., der dritte ist ein Sohn des sel. Oberrath Altmann. In die Repräsentantenversammlung wurden unter