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Der Israelit · 1889-12-12 · Heft 97 (12.12.1889) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 97 (12.12.1889)
Date
1889-12-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1678 ten Jesaias entspricht den Vorstellungen, die man von der Hölle hat, und daher ist es leicht erklärlich, daß man den Namen des Ortes der grauenhaften Kinderverbrennung als Bezeichnung sür die Hölle wählte. Aber nicht den angeführte Vers aus Jesaias verkündet der Ort des Schreckens, sondern einen ander-n '"usspruch der heiligen Schrift, der auf die Hölle 'einen Bezug zu haben scheint. „Denn Er hm geiutttgt die schmachtende Seele, und die hungerige Seele hat er gefüllt mit Gutem." In dem Lobgesang des Gehinnom wird uns ^MLder schönsten und herrlichsten Grundsätze un- Religion offenbart. — Mißverstandene der heiligen Schrift haben die Bekenner ^^^^Meligionen veranlaßt, die heilige Lehre, die in Seiner Gnade gegeben, als eine Reliäußersten Strenge, der starren Vergeltung, ^^^Mrmungslosen Rache zu verschreien. Mit ^^^WUnrechte; denn unsere heilige Lehre ist eine ^^^^^der erbarmungsvollen Versöhnung, der WDWrchen Liebe. Wieso das in dem Lobgesange des Gehinnom enthalten, wollen wir jetzt darzulegen uns bemühen. Der 107. Psalm, dem der in Rede stehende Vers entnommen, schildert uns die großen Gefahren, welchen der Mensch im Leben ausgesetzt werden kann, und die liebevolle Wallung Gottes bei der Rettung aus allen diesen Gefahren. Zuerst wird eine Wanderung durch die Wüste beschrieben. Im unbewohnten, öden Lande irren die Menschen umher, von Hunger und Durst dem Tode nahe gebracht, bis sie zu Gott flehen in ihrer Roth, der aus ihren Drangsalen sie errettet. — Andere schmachten im Kerker; gefesselt in Elend und Eisen, sehen sie sich einem gewaltsamen Tode preisgegeben, bis sich ihr Herz in innigem Flehen zu Gott wendet, der aus ihren Drangsalen ihnen hilft und zum Leben und zur Freiheit sie zurückführt. — Wieder Andere werden von einer schrecklichen Krankheit ergriffen, welche sie bis an die Pforten des Todes führt; die Kunst der Aerzte vermag nichts auszurichten; aber das tiefinnige Gebet zu Gott erwirkt die Rettung. Gott sendet ihnen Heilung und rettet sie vom Verderben. — Der vierte Theil des Psalms schildert uns die Gefahren einer Seereise. Ein Sturm erhebt sich. Himmelhoch steigen die Wellen, um abgrundtief zu sinken. Sie reißen das Schiff in die Höhe, werfen es in die Tiefe, und jeden Augenblick droht das Schiff zu zerschellen und seine Jnsaffen in's Grab der Wellen zu schleudern. Es erlahmt die Kunst des Steuermanns, und der Schiffshauptmann gibt das Fahrzeug verloren. Da wenden sich die Seefahrer an Gottes Barmherzigkeit, und Er führt sie aus ihren Drangsalen heraus. Es schweigt der Sturm, es sänftigen sich die wüthenden Wogen. — Diese Vier sind es, welche die Pflicht haben, nach überstandener Gefahr dem Allgütigen öffentlich zu danken. Der Lobgesang des Gehinnom ist der Schlußvers nach der Rettung von den Gefahren einer Wüstenwanderung. „Und Er führt sie (die vor Hunger und Durst fast Umgekommenen) auf geraden Weg, daß sie eine bewohnte Stadt erreichen. Sie werden danken dem Ewigen Seine Gnade, und Seine Wunder werden sie verkünden den Menschenkindern. Denn Er hat gesättigt die schmachtende Seele, und die hungerige Seele hat Er gefüllt mit Gutem." (Fortsetzung folgt.) Das Maulesiare- College in MwMle. Es ist bekannt, daß Sir Moses Montef i o r e vor etwa 24 Jahren eine Anstalt in's Leben gerufen hat, welche dazu bestimmt war, dem Studium der Thora und der jüdischen Literatur eine Heimstätte zu werden. Es dürfte indessen leicht zu verstehen sein, daß das, was damaligen Zeitverhältnissen entsprochen haben mochte, den gegenwärtigen Anforderungen an die Methode nicht mehr angemessen ist, und es kann nur den Beifall aller Freunde einer fruchtbaren Pflege der jüdischen Wissenschaften finden, wenn das genannte Institut mit Erweiterung des Lehrstoffes eine Umgestaltung in academischem Sinne erfahren hat. Es dürfte allerdings die Frage sich aufdrängen, wie weit ein jüdisch wissenschaftliches Institut für England Bedürfniß ist und ob dasselbe wirkliche Existenzberechtigung besitzt. Wer einen Blick auf die wissenschaftlichen Zustände innerhalb der englischen Judenheit wirft, wird leicht dazu kommen, diese Frage zu verneinen. Es dürfte müßig sein, die Frage zu untersuchen, warum die englichen Juden nicht nur in der Liebe, sondern auch in der Würdigung wiffenschaftlicher Leistungen hinter ihren Brüdern auf dem Eontinente zurückstehen. Es ist eine Thatsache, die ziemlich augenfällig ist. Mit dieser im Zusammenhänge ist aber die eigenthümliche Stellung der meisten englischen Rabbiner, welche in der Mitte zwischen Rabbiner und Eantor stehen. Die Folge davon ist, daß ihre Unabhängigkeit nicht immer diejenige ist, welche für das geistliche Oberhaupt der Gemeinde notwendig erscheint. Die Ursache dieser letzten Erscheinung liegt aber auf alle Fälle in der ziemlich begrenzten wissenschaftlichen Ausbildung,

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