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Der Israelit · 1889-12-09 · Heft 96 (9.12.1889) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 96 (9.12.1889)
Date
1889-12-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1670 Berti«, 10. Dezember. Ich habe Ihnen von hier eine recht erfreuliche Mittheilung zu machen, die wegen des allgemeinen Interesses, welche sie in den echt orthodoxen Kreisen finden dürfte, wohl der Beachtung Werth ist. — Die seit ca. 100 Jahren existirende altehrwürdige Lippmann-Tauß-Synagoge, unter der bewährten Leitung des rühmlichst bekannten Rabbiners, Herrn Dr. Oscar Lipschütz, erwarb seit Anfang November cr. eine für ihre Andacht- und Lehrzwecke ganz vorzügliche, große Räumlichkeit. Aeltere, wie jüngere Kräfte nahmen die Interessen der Synagoge in die Hände und gewannen in wenigen Tagen eine Anzahl von leistungsfähigen Mitgliedern, die mit voller Lust und Liebe bereit waren, reiche Spenden nx ins1? 'n n'2 herzugeben. — Durch diese herzerfreuende Opferwilligkeit ist es nun ermöglicht, ein hochelegantes echt jüdisches Gotteshaus mit den Emblemen der mmi>, 2 Hände und Buch als Versinnbildlichung, von n":n .Tray min in dem östlichen Theile unserer Stadt erstehen zu lasten, welches * den Ansprüchen unserer '"ja irnx nach bv ym m p"nn auf's Beste Rechnung trägt. Es wurde nun auf den Wunsch der Mitglieder in der vorwöchigen Mittwochsitzung beschlossen, zu Gunsten des SynagogenEinrichtung-Fonds, auf den 3. De> zember cr. eine Soiröe im großen Festsaale des Hotels König von Portugal, Burgstr. Nr. 13 zu veranstalten, welche auch gestern Abend unter reichhaltigem Programm glänzend verlief. — Nächst den pekuniären Vortheilen, welche dieses festliche Beisammensein in recht ergiebiger Weise ergab, übte das Amüsement, namentlich die effektvolle und formvollendete Festrede des Herrn Rabbiners Dr. Lipschütz, welche alle Gemüther sür's Heilige und Schöne erwärmte, einen solchen Reiz aus das zahlreich aus den besten Ständen erschienene Publikum aus, daß man sich erst kurz vor Tagesanbruch von der Stätte der Freude und des Wohlbehagens müD bv nnow "jinD schwer trennte. Die Versicherung sämmtlicher Festtheilnehmer, recht bald wieder zu ähnlicher Veranlassung sich zahlreich einzufinden, gibt Zeugniß von den angenehmen Eindrücken, welche die fröhlichen Gäste vom Orte des Frohsinnes Mitnahmen, und mit der Bitte, Herr Rabbiner Dr. Lipschütz möchte die von ihm gehaltene Festrede im Drucke veröffentlichen, ging man festlich gehoben von dannen. Ich schließe meine Zeilen mit dem Wunsche, daß sich das schöne Wort der heiligen Schrift für diese wahrhaft herrliche Gottesstätte bewahrheite unei 'n amn nry »a pxa. C. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 3. Dezember. Eine Deputation der böhnlischen Landesjudenschaft und Vertreter der israel. Cultusgemeinden Böhmens, bestehend aus den Herren Dr. L i ch t e n st e r n, Dr. Kraus und Leopold- Haller begaben sich heute zum Präsidenten des Abgeordnetenhauses, um zu erwirken, daß der Gesetzentwurf zur Regelung der Verhältnisse der israel. Cultusgemeinden ehemöglichst auf der Tagesordnung erscheine. Der Präsident Dr. Sm o lka versicherte, daß der Gesetzentwurf noch im Januar zur Erledigung gelange. Die Deputation begab sich dann zum Unterrichtsminister v. Gautsch, der sie wohlwollend empfing und die Erklärung gab, daß er besondern Werth auf die baldigste Erledigung dieses Gesetzentwurfs lege. Feuilleton. Weiseerinnerungen aus Wußkand. W. Eine schwüle Sommernacht war es, in der mich der Eilzug der russischen Grenze entgegentrug. Dunkle Wolken verdeckten pes Himmels leuchtende Sterne und tiefes Finster lag über den Gefilden meines Vaterlandes, als sollte mir der Abschied von der Heimath leichter gemacht, der Schmerz der Trennung von alledem, was mir lieb nnd'theuer, gelindert werden. Und womit sollte ich alles dies vertauschen? Mein Reiseziel war das Land des weißen Väterchens, das Land, dessen bloßer Name schon in manchen deutschen Gauen ein gelindes Grausen hervorruft. Durch die stille Gegend brauste das Dampfroß, in das Rollen der Räder klangen mir aus weiter Ferne nochmals die Abschiedsgrüße meiner Lieben, rauschten noch einmal wie im Traume die wechselnden Bilder der letzten Tage an mir vorüber, und mein Herz schlug in wehmüthiger Erinnerung. Doch gerade diese wollte ich bannen, und nachdem ich meine Gedanken vergeblich durch leichte Lektüre abzulenken versucht, begann ich meine Neisegenossen, einen älteren Herrn und eine junge Dame, mit denen ich schon von Königsberg aus zusammenfuhr, ohne jedoch bis jetzt ein Wort mit ihnen gewechselt zu haben, näher in's Auge zu fassen. Es waren augenscheinlich Vater und Tochter, und ihr Aussehen zeigte den rein germanischen Typus. Nach einigen allgemeinen Bemerkungen meinerseits, die mit kühler Höflichkeit erwidert wurden, stellte ich mich vor, und sei es nun, daß meine Reisebegleiter sich ähn-

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