Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 96 (9.12.1889)
- Date
- 1889-12-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXX. Jahrgang. Erste SeilllgeM^g6ües„IsrllM"L,,Aeschurim". Zeitungsnachrichten uttb Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 9. Dezember. Wir waren so glücklich, eine zweite Sendung im Betrage von M. 500 für die von der epidemischen Krankheit Betroffenen in Jerusalem abzuscnden und hoffen durch den Edelmuth unserer großmüthtgen Brüder und Schwestern bald wieder in den Stand gesetzt zu werden, eine dritte Sendung in ähnlichem oder höherem Betrage abgehen zu lassen. Das Verzeichniß der Spenden befindet sich im Jnseratentheil. München, 1. Dezember. Herr Ignaz Freund, Kaufmann, 64 Jahre alt, ein in allen Kreisen hochgeachteter Mitbürger, bekannt als Wohlthäter und Ehrenmann weit über die Grenzen seines Wohnortes, ist gestorben. Als jüdischer Privatgelehrter (Talmudist) hatte er einen großen Ruf Uffheim, 1. Dezember. Bezüglich des Art. Mülhausen in Nr. 93 Ihres geschätzten Blattes sei mir gestattet einiges beizufügen, bezw. zu berichtigen. Da ich an der des hochseligen Rabbiners n"y von Anfang bis zu Ende theilgenommen und nebst diesem mit ihm selbst während der Dauer seiner Amtsverwaltung in Sierenz (zu dessen Sprengel auch die beiden Gemeinden Uffheim und Kembs gehören), sehr oft in freundschaftlichen Beziehungen gestanden, halte ich dieses für eine Pflicht. Nicht nur die Gemeinde Sierentz, sondern auch die ganze iSr. Gemeinde Uffheim, sowie der Vorstand von Kembs waren gegenwärtig. Die Trauerreden der drei genannten Rabbinen währten bis Mittag, wo alsdan die bis zu Ende des Ortes statt hatte, worauf die Leiche nach dem 2*/z Stunden entfernten D”ruyj)yn p"pn pofy rva geführt wurde. Fast sämmtltche isr. Sierenzer Gemeindemitglieder, sowie die Mitglieder des isr. Vorstandes von Uffheim begleiteten den theuren Verblichenen nach seiner letzten Ruhestätte. Von seinen beiden Söhnen »V war es nur dem Erstgeborenen vergönnt, seinem geliebten Vater die letzte Ehre erweisen zu können, da der jüngere zur Zeit in dem weit entfernten heiligen Lande weilt. So wie Ihr Berichterstatter schreibt, hielten die drei Rabbiner von Bollweiler, Basel und Winzenheim ergreifende Ansprachen, wobei jedoch anzumerken, daß auch der Rabbiner Dr. Aschkenasi daselbst auf dem Friedhof gesprochen. Besonders hervorgehoben zu werden verdienen die Worte des Rabbiners Dr. Cohn, Basel, der die traurigen Zustände des religiösen Verfalls im Allgemeinen berührte, besonders aber versuchte er den tief ergreifenden Kontrast von früher und jetzt zu schildern, als in unserem Elsaß ehemals noch viele rnnw und speziell in Sierenz eine bestanden, wo Tag und Nacht gelernt und gelehrt worden, welches jetzt leider Alles aufgehört hat. Schließlich rief er der Gemeinde Sierenz zu, ihr Mögliches anzuwenden, daß der dortige Rabbinatssitz baldigst wieder würdig besetzt werde, nicht aber den vielen Gemeinden nachzuahmen, die in Elsaß einer bedauernwürdigen Lässigkeit in dieser Hinsicht sich schuldig machen. Möchten die Worte dieses würdiges Seelsorgers . nicht in unfruchtbarem Boden gesäet worden sein V'rsN. — Die rvrop war erst um 4 Uhr Nachmittags beendigt. Der verewigte Rabbiner Marcel Hirsch!?"m, geboren im Januar 1797, machte sein talmudisches Studium in Frankfurt a. M. Er wurde zuerst in Dieuze in Lothringen als Rabbiner ausgenommen. Als 1849 der Rabbinatssitz in Sierenz mir den Gemeinden Uffheim und Kembs vacant geworden, wurde er als Nachfolger des am p’j ü P'e6 i"“in daselbst verewigten -v-nno '2 jntn;r -mno y«: bnwi 1212 zum 's mio erwählt. Geboren war er zu Hagenau (Unter-Elsaß), 40 Jahre also versah er das Rabbineramt in Sierenz. Er war ein tiefgelehrter Talmudist, der sich auch profane Kenntnisse anzueignen gewußt; bei einer mxo rniyv war er stets ein sehr angenehmer Gesellschafter, welches Talent er sich bis zum spätesten Greisenalter bewahrte; sein Gang war niemals der eines Hochbetagten, man glaubte immer einen jungen Mann vor sich zu sehen. Er hinterließ zwei Söhne. Beide sind wissenschaftlich gebildete Männer; Emil, der ältere hatte das Seminar Jsraelite in Paris frequentirt, und der jüngere Samuel, verwaltet das Amt des Direktors der isr. Ackerbauschule zu Jaffa (Palästina.) Auch hinterließ er vier verheirathete Töchter nuw, von welchen zwei leider seit einigen Jahren nuobt* sind; seine Frau ist ihm vor 18 Jahren schon ins Jenseits voraus gegangen. Möge der Allgütige dieser trauernden Familie in ihrer tiefen Betrübniß seinen heiligen Trost nicht versagen. r,"23jn.