Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 96 (9.12.1889)
- Date
- 1889-12-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1668 rigen Ereignisse kam, das mich in früher Jugend zur Wittwe machte. Ich war fest entschlossen, meimen verstorbenen Gatten zu betrauern bis an das Ende meines Lebens. Er war so gut, so brav, so fromm! Mein Vater jedoch redete mir zu, einen neuen Ehebund einzugehen. Er ist so besorgt um das Glück seiner Tochter! Noch ein anderer Umstand veranlaßte mich, auf meinem Entschlüsse nicht zu beharren. Meine Mutter ist todt, und mein Vater wird wohl wieder heirathen. Wenn ich ledig bleiben würde, so könnte man nicht wissen, wie sich mein Verhältniß zu der Stiefmutter gestalten würde. Da habe ich es vorgezogen, als sich mir die gute Gelegenheit bot, mich mit meinem jetzigen Bräutigam zu verloben."" „Der Umstand," sagte Perl, „den Vögelchen soeben erwähnt hat, sollte auch Dich beeinflussen, liebe Mirel. Auch Dein Vater wird eine Frau in sein Haus einführen wollen, ja müssen. Ein Mann, wie er, weiß, was geschrieben steht, auch die Gemeinde verlangt es. Wer weiß, wie unangenehm Dir dann der Aufenthalt im Vaterhause werden würde." „„Ich werde meine künftige Stiefmutter lieben und ehren, wie es einer guten Tochter geziemt"", sagte Mirel. „Das ist alles recht schön," sagte Minkele, „und von Dir, liebe Mirel, ist es ja nicht anders zu erwarten, als daß Du solche gute Vorsätze hast. Allein, Du bist jung und unerfahren. Wer weiß, wie Dich die künftige Frau Deines Vaters behandeln wird, und ob es Dir überhaupt möglich sein wird, in Frieden mit ihr zu leben. Da gibt es Zank und Streit im Hause, und Deinem Vater wird das Leben verbittert. Er wird im Thoralernen gestört, und Dein Eigensinn wird das verschulden." Mirel lächelte, zum ersten Male nach langer Zeit. „„Kennt Ihr schon,"" fragte sie, „„die künftige Frau meines Vaters, daß Ihr deren böse Eigenschaften so lebhaft schildert? Mein Vater hat noch gar keine Wahl getroffen, und wenn er sie trifft, so wird Gott ihm beistehen, daß er ein edles Weib bekömmt, und mit einem solchen werde ich mich gut vertragen. Sollte jedoch, was Gott verhüten wolle, das nicht der Fall sein, so wäre es ja dann noch Zeit, mich zu verheirathen."" „Aber," rief Perl eifrig, „nicht immer trifft sich eine so gute Gelegenheit für Dich, wie eben jetzt. Mein Cousin Feiwel . . . ." ,,„AH,"" rief Mirel, „„läuft es dahinaus?"" „Was hast Du gegen meinen Cousin Feiwel? Ist er nicht in jeder Beziehung ein musterhafter Jüngling, eine ausgezeichnete Partie? Froh und glücklich solltest Du sein, daß . . . ." „„Ich bitte Dich, liebe Perl,"" unterbrach sie Mirel, „„mich künftig mit Deinen Einladungen zu verschonen! O, wenn Ihr wüßtet,"" — Thränen entstürzten ihren Augen — „„wie Ihr mich armes Weib quält! Zu dem Schmerze um meinen unglücklichen Gatten gesellt sich auch noch diese Qual. Jedes Eurer, vielleicht wohlgemeinten Worte greift wie mit eisernen Krallen in mein armes Herz, um es zu zerfleischen!"" Sie hielt die Hände vor das Gesicht und weinte laut. „Beruhige Dich," sagte Perl, „wir haben Dir nicht wehe thun wollen. Magst Du ledig bleiben! Mein Cousin Feiwel wird schon eine Frau finden." „„Ich wünsche ihm,"" sprach Mirel, ihre Thränen trocknend, „„eine bessere als ich bin; ich hätte ihn doch nicht glücklich machen können."" (Fortsetzung folgt.) „Israelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Boge- PreiS des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 ReichS-Mark, für's Ausland 16 ReichS-Mark. Man abonnirt gani jährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel zu beziehen bei G. F. Kleinarbrr, Leipzig, Roßplatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Direete Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark ober 8 fl. osterr., für's Ausland 16 Reichs-Mark an die Expeditton franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Synagogale Reformen. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: 2ml Karlsruhe. Berlin. Leipzig. — Italien: Turin. — Rumänien: Bukarest. — Frankreich: 2mal Paris. — Amerika. Asien: Bagdad. — Feuilleton: Mirel. — Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. München. Ufsheim. Berlin. — Oest.-Ung. Monarchie: Wien. — Feuilleton: Neiseerinnerungen aus Rußland. — Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" und „Jefchurun" Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchbruckerei (OScar Lehmann) in Mainz. Hierzu eine Beilage.