Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 96 (9.12.1889)
- Date
- 1889-12-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1667 Feuilleton. Mlieel. V. Perl, das Weib des Pferdehändlers Marum, war eine junge, lebhafte Person von hübschem Aeussern. Eines Tages erhielt Mirel eine Einladung von ihr. Frau Perl ließ Frau Mirel bitten, den Nachmittag bei ihr zuzubringen; sie habe noch einige junge Freundinnen zu sich geladen. Mirel wollte die Einladung ablehnen, allein ihr Vater bestand darauf, daß sie derselben Folge leiste. Mit lebhafter Freude wurde sie im Hause Marum's von dessen Gattin begrüßt. „Schön, daß Du gekommen bist," rief ihr diese entgegen, „um mich in meiner Einsamkeit zu trösten. Mein Mann ist nämlich verreist. Er hat von der kaiserlichen Negierung einen Auftrag bekommen. Dreihundert Pferde soll er beschaffen. Da ist er mit seinen Knechten fortgereist, um sie einzukaufen. Es wird zwar ein schönes Stück Geld dabei verdient; aber cs ist unangenehm für eine junge Frau, viele Wochen lang den Mann entbehren zu müssen. Nun, setze Dich an den Tisch. Meine Freundinnen erwarten Dich schon. Diese da ist Veilchen, die Frau des Tuchhändlers Moses, eines der angesehensten Männer von Trebitsch, die neben ihr sitzt heißt Vögelchen, eine junge Wittwe, die, wie Du, ihren Mann in jungen Jahren verloren. Er wurde auf der Rückreise von der Leipziger Messe von Räubern überfallen und erschlagen. Glücklicherweise fand man seine Leiche und konnte fcststellen, daß es die des Vermißten war. Nun hat sich Vögelchen wieder verlobt und wird in wenigen Wochen heirathen. Ihr Bräutigam heißt Meier und ist aus Boskowitz. Die da ist meine gute Freundin Minkele, die Frau des Chason Rabbi Bunnem. Und nun setze Dich an den Tisch, Mirel; ich hoffe, wir werden uns gut unterhalten. Ich habe auch eine Ueberraschung für Euch, ganz etwas Neues, Kaffee." „„Kaffee,"" fragten fast einstimmig die anwesenden Frauen, „„was ist das?"" „Das will ich Euch erklären", sagte die Hausfrau mit wichtiger Miene. „Kaffee, das sind Bohnen." „„Bohnen?"" fragte Veilchen erstaunt, „„wir haben doch schon zu Mittag gegessen, wie sollen wir jetzt Bohnen essen!"" „Das sind auch keine Bohnen," entgegnete die Hausfrau mit überlegener Miene, „die gegessen werden; das find Bohnen, die getrunken werden." „„Wie kann man Bohnen trinken?"" fragte Vögelchen. „Die Bohnen kann man allerdings nicht trinken," entgegnete Perl, „aber die Brühe davon. Macht nur keine solche Gesichter, wie wenn Ihr sagen wolltet: Ein Nachaß, Bohnenbrühe zu trinken! Ich will Euch die Sache erklären. Diese Kaffeebohnen wachsen in den heißen Ländern auf Bäumen. Sie werden geröstet und dann gemahlen. Von dem Mehl derselben wird dann eine Brühe gekocht und derart abgegossen, daß von den Bohnen nichts drinne bleibt. Die Brühe wird mit Zucker und Milch! vermischt und dann getrunken. Es ist ein köstlicher! Trank, den, wie mir mein Mann erzählt hat, die! vornehmsten Leute ganz außerordentlich lieben.! Marum hat vor einigen Wochen für den Fürsten j Lobkowitz in Prag ein Leibroß besorgt. Er hat i ein schönes Stück Geld dabei verdient, und der I Fürst war ganz entzückt von dem schönen Pferde. Beim Abschiede sagte er zu Marum: Ich will Eurer Hausfrau eine Freude machen. Bringt ihr dieses Päckchen mit Kaffee heim. Und dann lehrte er ihn die Bereitung und erklärte ihm alles, was ich Euch vorhin mitgetheilt habe." Der Kaffee wurde aufgetragen nebst Milch, Zucker und Kuchen. Das Aroma des duftigen Getränkes erfüllte das Zimmer, und die Frauen sprachen: „„Er riecht sehr gut!"" „Und schmeckt noch besser", fügte Perl hinzu, kleineSchalen füllend und sie den Freundinnen reichend. Tiefe, feierliche Stille herrschte in dem Zimmer, als die Frauen den Trank schlürften, der ihnen vorzüglich mundete; doch bald lösten sich ihre Zungen zu einem lebhaften Gespräche. Das war die erste Kaffeegesellschaft, welche in der guten Stadt Trebitsch abgehalten wurde. „„Du bist doch glücklich zu preisen, Perl,"" sagte Minkele, „„daß Du einen solchen Mann Haft! Hochangesehen bei den vornehmsten Leuten, ja sogar bei der kaiserlichen Regierung!"" „Ist schon recht", entgegnete Perl, „wenn er nur nicht so lange vom Hause stets abwesend sein müßte. Wenn Du wieder heirathest, Mirel, so nimm nur keinen Pferdehändler." „„Die Tochter unseres großen ^Rabbiners,"" nahm Veilchen das Wort, „„wird jedenfalls nur einen großen Lamdon heirathen. Nicht wahr, Mirel?"" „Ich werde niemals wieder heirathen", sagte die Angeredete. „„So dachte ich auch,"" nahm Vögelchen das Wort, „„als die schreckliche Nachricht von dem trau-