Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 96 (9.12.1889)
- Date
- 1889-12-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1666 das für gut befindet, was jene 19 Herren vollbringen, ans der richtigen Empfindung, daß doch kein Anderer gegenüber der geschlossenen Freundschaftskette aufzukommen im Stande sei. Karl Wiesent hal. Italien. Turin. Das Condolenzschreiben Sr. Majestät des Königs an die Wittwe des jüd. Gelehrten Jsaiah Ghiron hat folgenden Wortlaut: „Hochgeehrte Frau! Se. Majestät der König hat mit Bedauern von dem schmerzlichen Ereigniß Kenntniß genommen, welches Sie durch den Tod Ihres Gatten betroffen hat. Se. erhabene Majestät, überzeugt, wie tief ergeben der Verstorbene dem Vaterlande und dem Throne war, beauftragt mich, Sie Seiner aufrichtigsten Theilnahme zu versichern und wünscht, daß das ehrenvolle Andenken an Ihren Gatten, das allgemeine Bewußtsein des Verlustes und das von dem Verstorbenen hinterlaffene Beispiel uneruiüdlicher Thätigkeit Ihnen Trost in den bitteren Stunden des Schmerzes gewähren mögen. Wollen Sie auch Ihre Angehörigen von diesen theilnehmenden Gefühlen Sr. Majestät unterrichten und mir, dem langjährigen Freunde des armen Jsaiah, gestatten, den Schmerz Ihrer Familie zu Heilen. Ihr aufrichtigster Urbano Rattazzi." — Herr Dr. Simon Levy von hier, Verfasser des großen siebeubändigen Werkes „Das hieroglyphische Wörterbuch" ist zum Ritter der italienischen Krane ernannt worden. Rumänien. Bukarest. Der neue Minister des Innern, General Mono hat strenge Befehle ertheilt, den Juden den Wohnsitz in den Dörfern zu verwehren. Ebenso läßt der neue Handelsminister, Pauoesco, das Hausirgesetz mit aller Strenge durchführen. Die Behörden kommen diesen Befehlen prompt nach und verjagen die Juden trotz aller Kälte aus. Haus und Wohnung von Dorf zur Stadt und von Stadt zu Stadt. Das vorige Ministerium hatte bekanntlich hierin Erleichterung eintreten lassen. Frankreich. Paris. Ein angesehenes hiesiges Blatt bespricht in einem überaus gehaltvollen Artikel die Verhältnisse der französischen Akademie und gelangt dabei zu dem Schluß, daß unzweifelhaft die bedeutendsten Mitglieder dieses literarischen Instituts Israeliten sind. Unter dem Namen jener Erlauchten, die sich durch ihre Leistungen auf dem Gebiete der Kunst und Wissenschaft um das Vaterland besonders verdient gemacht haben, stehen jüdische Gelehrte und Künstler obenan. Mehr als 200 Juden wurden von der Akademie seit Beginn dieses r Jahres durch Diplome und Medaillen ausgezeichnet, I nicht zu reden von den jüdischen Capacitäten ersten Ranges, welche seit langen Jahren ordentliche Mitglieder sind. Paris. Unlängst war in der Tages-Presse von einer russischen Jüdin die Rede, welche in Paris Medizin studirt und als Aerztin bereits ihre Prüfung mit Auszeichnung abgelegt hat, und zwar wurde lobend auf die Thatsache hingewiesen, daß sie während ihrer Studienzeit als Wäscherin mühsam ihren Unterhalt erworben hätte. Wie nunmehr bekannt wird, verdienen fast alle russische Jüdinnen, die in Paris an der Hochschule studiren, in ähnlicher Weise ihr tägliches Brod. - Ihre Zahl übersteigt 180, wovon die meisten Medizin studiren. Diese studirenden Mädchen gehören zu den fleißigsten Hörern der Vorlesungen. Amerika. Amerika. „Jew. World" schreibt: In der Geschichte der Entdeckung Amerikas spielen die Juden eine hervorragende Rolle. Die Pläne und Berechnungen für die Expedition waren zum größten Theil das Werk zweier jüdischer Astronomen und Mathematiker. Ebenso hatte Columbus zwei jüdische Dolmetscher, von welchen einer, Loaris de Torres, der erste Europäer war, welcher den Boden der neuen Welt betrat. Als Columbus die Insel San Salvador erblickte, glaubte er sich der asiatischen Küste zu nähern und und sandte Torres, welcher der arabischen Sprache mächtig war, ans Ufer, um Erkundigungen über die Eingeborenen einzuziehen. Dieser Torres war wahrscheinlich der Madrider Jude, welchem Columbus in feinem Testamente eine Vst Mark Silber vermachte. Asien. Bagdad. Wir meldeten vor einiger Zeit von den blutigen Raufereien, welche anläßlich des Leichenbegräbnisses des Rabbiners in Bagdad zwischen Juden und Türken ausgebrochen waren, und daß zahlreiche jüdische Persönlichkeiten vom Gouverneur in den Kerker geworfen worden sind. Die Juden riefen die Hilfe der türkischen Regierung in Konstantinopel an; wie nun berichtet wird, hat der Minister des Innern sogleich telegraphisch an den Gouverneur den Befehl abgehen lassen, die Urheber dieser Raufereien zu verhaften, mit aller Strenge des Gesetzes zu bestrafen und dafür Sorge zu tragen, daß die lebenden Juden, sowie der todte Rabbiner Ruhe haben. Der Rabbiner bleibt in seinem Grabe. Die Türken gaben, da sie die Energie der Regierung sahen, nach, und damit ist die Bagdad-Hetze beendigt.