Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 96 (9.12.1889)
- Date
- 1889-12-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1665 verbindlicher Form ihre Zustimmung gegeben. Von diesen Biedermännern ist nichts anderes, als die Einlösung des gegebenen Versprechens zn erwarten. Herr Gustav Löwenberg ist zugleich Vorsteher des hiesigen streng conservativen Talmud-Vereins. Derselbe wird jetzt von warmen Anhängern unseres Judenthums unterstützt — um mit mehr Energie für die Erhaltung der reinen Gotteslehre eintreten zu können. Sanitätsrath Boas (2559) wird sich ohne Zweifel seiner Wirksamkeit innerhalb des „Wahlvereins" erinnern und denselben innerhalb des Repräsentantenkollegiums gewissenhaft vertreten. Stadtrath Borchard (2516), ein streng gerechter Charakter, der seiner Friedensliebe schon vielfach tatsächlichen Ausdruck verliehen hat, steht jeder religiösen Strömung innerhalb der Gemeinde höchst loyal gegenüber, hat an der Verfolgung der Strenggläubigen kein Wohlgefallen, hat ein warm fühlendes Herz für alle Menschen, die ihm Noth und Elend klagen, und wird auch dem Streben, die zerklüfteten Parteien mit einander zu versöhnen, gern die Hand reichen. Wir kennen keinen geeigneteren und mehr einflußreichen Mann, der dieser Aufgabe gewachsen wäre, als Herr Stadtrath Borchardt. Der gesummte „Wahlverein" schenkt ihm sein vollstes Vertrauen, die „Liberalen" fügen sich willig oder unwillig, da man diesem lauteren Ehrenmanne nicht gut widerstehen kann. — Herr Siegfried Leichtentritt (1507) ist Vorsitzender des „Wahlvereins", für ihn hat kein einziger „Liberaler" gestimmt, ihn hat der junge Verein allein auf sein Schild erhoben, an ihm seine Kraft erprobt. Das energische Wirken und die warme Begeisterung des Herrn L. für unseren väterlichen Glauben bietet uns hinreichende Gewähr, daß derselbe sich als Vertreter der Gesammtgemeinde fühlen und nicht zugeben wird, daß eine bedeutende Anzahl gottesfürchtiger Synagogenbesucher vornehm ignorirt wird. — Dem Princip wirklicher und wahrer Gleichberechtigung werden auch Sanitätsrath Dr. Kirstein (1453), ein Kenner und Verehrer unserer Glaubenslehre, und der Geh. Sanitätsrath Dr. Blumenthal (1416), der noch mit seinem ganzen Fühlen und Empfinden innerhalb des Judenthums steht, kräftigen Ausdruck verleihen. Die beiden höchst intelligenten Gelehrten sind von der „liberalen" Partei mit aller Schärfe bekämpft worden. Welche Motive dabei maßgebend waren, soll vorläufig unerörtert bleiben. Beide Herren erfreuen sich einer allgemeinen Beliebtheit und Hochachtung; ihre wissenschaftliche Qualifikation und ihre bewundernswerte Gewissenhaftigkeit in der Ausübung ihres schweren Berufes boten doch gewiß kein Hinderniß für ihre Wahl zu einem Ehrenamte in der Gemeinde. Sollte man es dem Einen als unverzeihliches Vergehen angerechnet haben, daß er auch in dem Hause eines sehr hervorragenden Führers der Conservativen seine hilfreiche Kunst ausübt? Das wollen wir von unseren „Liberalen" nicht glauben.-Vielleicht stimmt sie die nunmehr abgeschloffene Wahl etwas milder und freundlicher. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Führer derselben an seine und unsere Vorfahren, welche für den Glauben ihr Leben und Herzblut hingegeben haben, für den auch wir bis zu dem letzten Hauch unseres Lebens erglühen werden. Um Leipzig, 3. Dezember. Im Sitzungssaale der Synagoge fand am jüngsten MontagAbend eine Gemeindesitzung statt, die von 19 *) Personen besucht war. Schon diese Thatsache genügt, um zur Ueberzeugung gelangen zu können, daß die große Gesammtheit der steuerzahlenden Israeliten an öffentlichen Sitzungen kein Interesse hat und in Wahrheit die 19 Personen auch schon früher in jeder Hinsicht beschlußfähig waren. Herr Werthauer eröffnete die für 7 Uhr anberaumte Sitzung gegen 1I28 Uhr und machte der Versammlung bekannt, daß sich Herr Dr. Porges für die gewährte Gehaltserhöhung bei den 19 Personen, welche dieselbe bewilligt, bedanke. Der Herr Rabbiner, welcher bisher 5000 Mclrk Fixum erhielt, wünschte 2500 Mark mehr! Sein Wille ist geschehen! Alsdann ward ein Schreiben verlesen, worin Herr Bodek aus Gesundheitsrücksichten sein Amt als Schätzungsverwalter aufzugeben gezwungen sei. An seine Stelle wurde Herr Elischer mit Stimmenmehrheit gewählt. ' Schließlich geruhten die 19 Herren, welche die Gemeindesitzung bildeten, eine Stiftung des Herrn Adolf Frankel anzunehmen. Bei den Debatten betheiligten sich die Herren: Werthauer, Sanitätsrath Dr. Fürst, Dr. Adler, Dr. Bernstein, Herr Wittwer und Herr Lotteriekollekteur Meier! Nach 8 Uhr schloß Herr Werthauer die Sitzung. Referent kann nur sein lebhaftes Bedauern darüber aussprechen, daß die Gemeindesitzungen so schwach besucht werden und sich hieran nur vornehmlich Männer betheiligen, die im geschäftlichen Leben es zu Reichthum und Ansehen gebracht haben. Was Referent Jahre lang nicht fasten konnte, erklärt sich nur dadurch, daß die 19 Herren, worunter sich zumeist die reichsten hiesigen Juden befinden, — nach der Herrschaft streben und die Gemeinde bis zur Stunde unbekümmert *) Die Gemeinde zählt über 1000 Steuerzahler! Man mache sich ein Bild.