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Der Israelit · 1889-12-09 · Heft 96 (9.12.1889) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 96 (9.12.1889)
Date
1889-12-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1664 Gegen 11 Uhr schloß die Feier, die jedes Mitglied geistig gehoben und in den Vorsatz bestärkte, die Vorträge immer pünktlicher und fleißiger zu besuchen. Karlsruhe. Am verflossenen ro» hielt Herr Rabbiner Dr. Mannheimer im onyj “ppn* Verein einen Vortrag über „Religionsphilosophie". Herr Dr. Mannheimer, der in wenigen Tagen unsere Stadt verläßt, um sein Amt als Rabbiner in Lauenburg anzutreten, hat sich in der kurzen Zeit seiner Wirksamkeit an hiesigem Orte sehr große Verdienste um die Hebung des religiösen Sinnes bei der Jugend und auch allgemeine Sympathien erworben. So führte er denn auch in seinem Vortrage vor emer zahlreichen Zuhörerschaft die Bedeutung der jüdischen Religionsphilosophie und ihre Entstehung in höchst populärer, verständlicher Weise aus und wies im letzteren Punkte besonders daraufhin, daß es eine irrige Auffassung sei, wenn man die beiden großen Epochen der jüdischen Religionsphilosophie als ineinandergreifend, die jüdisch-arabische Periode als eine Fortsetzung oder Wiederaufnahme der jüdisch - alexandrinischen Periode betrachten wollte. Hier sei es die Liebe zur Philosophie, dort die Furcht vor der Philosophie gewesen, die zum philosophischen Streben entfachte, darum seien beide Perioden völlig zu trennen. Wir zweifeln nicht daran, daß es einem solch gewandten Redner wie Herrn Rabb. Dr. Mannheimer gelingen wird, auch auf dem Felde seiner neuen Thätigkeit fruchtbar und erfolgreich zu wirken; mögen aber dort so allgemeine Sympathien ihm erblühen, wie in unserer Stadt und besonders in den Herzen der Jugend er sie erworben. L. Berlin, 6. Dez. Die Berliner Wähler haben gesprochen, in einer verständlichen und leicht faßlichen Mundart haben sie ihren Willen kundgegeben. Allerdings ist in der entscheidenden Stunde keine Rede gehalten worden, dennoch werden die Gemeindehüter den Wink verstehen und werden sich, wie es einer taktvollen Executive geziemt, willig fügen. — Die Gemeinde hat am 28. November gewählt und die 2801 gültige Stimmzettel gelten als das entscheidende Uriheil der Gemeinde. Diese hat gegen die bisherige Majorität Stellung genommen. Es standen sich zwei Parteien gegenüber, die sog. liberale Partei und der „Wahlverein." Die „Liberalen" waren für Wiederwahl der bisherigen Repräsentanten, der „Wahlverein" wollte von Denjenigen, welche mit dem Judenthume in einem äußerst losen Zusammenhänge stehen, absolut nichts wissen. Die freundlichen Verhandlungen, welche von den Leitern bis Sonnabend den 23. November geführt wurden, mußten an diesem Tage abgebrochen werden, da das Haupt der „Liberalen" die bisherige 8/3 Majorität in Anspruch nahm. Das wäre für den „Wahlverein" eine Niederlage ohne Schwertstreich gewesen, ja, ein Aufgeben seiner Grundsätze, ein Verleugnen sämmtlicher Beschlüffe, die in den Gemeindeversammlungen und den Vorstandssitzungen gefaßt wurden. Die Folge lehrte, daß der Wahlverein nicht umsonst mit der Gemeinde Fühlung genommen hat, er vertrat die Stimme des Volkes. — Aus der Wahlurne ging als Erstgewählter mit 2673 Stimmen Herr Maurermeister Fränkel hervor. Derselbe hatte dem Programme des „Wahlvereins" seine volle Zustimmung gegeben und steht den gerechten Bestrebungen der „Strenggläubigen" nicht unfreundlich gegenüber. Er gehört nicht zu den Heißspornen, welche in der Verunglimpfung der Conservativen und in dem Verdrängen unserer alten Institutionen ihre Befriedigung finden; er gehört zu den Besonnenen, mit denen man ruhig verhandeln kann. Als Zweiter wurde der Justizrath Makower mit 2672 Stimmen erkoren. Derselbe ist Vorsitzender der Repräsentanten, gehört unstreitig zu den Zierden unserer Gemeinde, ein Mann, der keineswegs, um den Ehrgeiz zu befriedigen, nach Aemtern hascht, wohlgeachtet und hochgeschätzt in höchsten juristischen Kreisen, streng gerecht und peinlich gewissenhaft in seinem Berufe, entgegenkommend und wohlwollend gegen Jedermann, der seinen juristischen Beistand in Anspruch nimmt, ein Mann, der durch sein selbstbewußtes und dennoch schlichtes und grades Auftreten imponirt, mit einem Wort ein Mann, auf welchen die g esammte Großgemeinde Berlin stolz sein könnte, wenn er nicht in einem Punkte an einer bedauerlichen Befangenheit leiden würde. Den strenggläubigen Juden spricht er jede Existenzberechtigung ab, ihnen muß jede Lebensbedingung entzogen, ihnen darf keine einzige Concession gewährt werden. Diese Partei wird von ihm schonungslos aus allen Aemtern und Ehren verdrängt. In diesem einen Punkte ist sein Urtheil so sehr getrübt, daß an ein Paktiren mit ihm gar nicht zu denken ist. Der „Wahlverein" hat ihn um seiner Verdienste willen, die er sich um die musterhafte Ordnung in dem Gemeindedienste erworben, seine Stimmen nicht versagen können. — Die Herren Stadtverordneter Heilmann (2617) und Commerzienrath Friedländer (2612) haben dem Programm des „Wahlvereins" in aufrichtiger Weise und sehr

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