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Der Israelit · 1889-12-09 · Heft 96 (9.12.1889) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 96 (9.12.1889)
Date
1889-12-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1663 ländischen Bodens das gesammte Vaterland verteidigen. Das jüdische Heiligthum ist nicht minderer Aufopferung Werth. Es ist nicht minder heilige Pflicht, für dasselbe in edler, opferbereiter Begeisterung eiuzutrcten und jeden Angriff kräftig zurückzuweisen. Der Sieg aber heftete sich nur selten an die Fersen der gesetzestreuen Minderheit. Die Reform feierte Triumphe und zog unter lautem Jubel in die Gemeinde ein, den Besitzstand des gesetzestreuen Judenthums occupireud. Was aber hat sic, die Siegreiche geschaffen? Verheerende Zerstörung ist ihr Werk. Das unter ihrer Herrschaft herangewachsene Geschlecht ist dem Judenthum ganz entfremde: und in religiöser Unwissenheit groß geworden. Ein neues Religionssystem hat sie nicht zu erzeugen vermocht. Für die absolute Negation aber ist kein religiöses Gemeinwesen zu begründen. Die Synagogen der Reform harren in ihrer die Sinne schmeichelnden Herrlichkeit und mit ihrem modernen Kultus allsabbatlich der Schaar der Andächtigen vergeblich. Selbst an den ausgezeichneten Tagen des Rosch-Haschana und Jom-Kippur ist selbst in noch nicht einmal der ausschweifendsten Reform huldigenden Gemeinden der Tempel nur für einige kurze Stunden gefüllt. Man höre doch nur die lauten Klagen der Rabbiner und Prediger sogenannter „mittelparteilicher" Gemeinden über die Religionslosigkeit des Gros ihrer Gemeindemitgliedcr, und man wird sich über das gänzliche Fiasko der synagogalen Reformen wahrlich keiner Illusion mehr hingeben können. Wir waren deßhalb überrascht, aus der uns zugesandten „Synagogen- und Gebet-Ordnung für die Synagogen-Gemeinde Be uthen O. S." zu ersehen, daß noch ein Vorstand vorhanden ist, welcher mit dem Rabbiner und den Repräsentanten im Vereine, so naiv ist, eine Veränderung des Gottesdienstes in einer Weise vorzunehmen, welche das Religionsgesetz in flagranter Art verletzt, ohne der Reform Wesentliches zu bieten, so daß wir uns in der Annahme nicht zu täuschen glauben, dieselbe entspringe der Eingangs gekennzeichneten längst durch die Thatsachen widerlegten irrigen konservativ-reformatorischen Anschauung. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzen. Deutschland. I Karlsruhe i. Baden. Wem es am derj stoffenen Dienstag Abend vergönnt war, Zeuge - einer w»o-Feier im Hause unseres hochverehrten Rabb. des Herrn Dr. Schiffer '"j zu sein, der wird ganz bestimmt unwillkürlich sich die beruhigenden Worte zugerufen haben: Karlsruhe bewährt doch immer noch, oder, besser gesagt, immer mehr und mehr seinen alten Ruf einer „Mutterstadt in Israel", einer Stätte, wo n"n gepflegt und n"a auch nach den gewonnenen Lehren gelebt wird. Die vor ca. 8 bis 9 Jahren von Dr. G oi tei n y"j ins Leben gerufene 'nun vollendete heute den Traktat crnos. An 3 Wochenabenden versammelt sich in der Behausung des Herrn Dr. Schiffer ein großer Theil der Mitglieder des isr. Religionsgesellschaft, großentheils Banquiers und Kaufleute, um dem Talmud-Vortrage unseres geliebten Rabbiners anzuwohnen, der es sich, trotz überhäufter Berufsarbeiten, sehr angelegen sein läßt und weder Mühe noch Opfer scheut, die Aufmerksamkeit für, und die Liebe zum Gesetzstudium anzuregen und wach zu erhalten. Vor dem Beginne des von Frau Dr. Schiffer glänzend hergerichteten viD- Mahles wurden, wie üblich, die letzte rwo und die dazu gehörende vorgetragen und die vorgeschriebenen Gebete verrichtet. Alsdann machte Herr Dr. Schiffer mit Hinweis auf den Y'\ der am Ende eines jeden Traktats gebetet wird und im Anschluß auf unsere alltägliche Gebetstelle in i)wb “jd^i nm pdtw ganz besonders darauf aufmerksam, daß rwyon -ip’yn man „nicht das Philosophiren über das Religions gesetz, nein die Ausübung desselben, die herzensw arme und ge fühlvo ll eThat, ist und bleibt die Hauptsache. Während des Mahles überboten sich einzelne Mitglieder des Vereins in geistessprudelnden, von wahrer, religiöser Begeisterung eingegebenen Worten der min, zu deren getreuen Wiedergabe hier der Raum und mir die Zeit gebricht. Jedoch kann ich es nicht über mich gewinnen, Einiges hier unerwähnt zu lassen.—Herr Dr. D.Mannheimer, der leider nur eine zu kurze Zeit unserm Vereine angehört, indem er nächste Woche K. verläßt, um die Rabbinerstelle in Lauen bürg anzutreten, aber es wohl verstanden, selbst in den wenigen Monaten seines Hierseins sich die Herzen der Schuljugend und die unserer Gemeinde zu gewinnen, wies auf unfern Wochenabschnitt hin, der uns durch den Stein, auf welchen unser Stammvater Jakob sein müdes Haupt legte, die Andeutung gibt, daß derselbe der rrn«? p» und d. d>d der Sinai sei. Denn □to ist an Zahlenwerth dem mt> gleich und erinnert uns dankerfüllt an unfern verehrten Rabbiner und Gastgeber, Herr Dr. Sinai Schiffer.

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