Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 96 (9.12.1889)
- Date
- 1889-12-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1662 verfällende Wort des Propheten Samuel: 'ih penn Tts^pn^ mo mio j/cw ron 'n ^npn j/dbo crnai'i ni^ya ^dd, welches dem Opfer des ersten israelitischen Königs entgegengeschleudert wurde, „erschöpft M denn der Wille Gottes in Empor- und Mal- W^ern wie im Gehorsam gegen das Wort Gottes? ^Wrlich, Gehorsam ist besser als Opfer, sorgsam ^Wverken besser als der Widder Fett!" ^^Möahrlich, wenn unsere Synagogen der Raum ^^Mluf welchen sich unser Judenthum beschränken ^^Mwenn der Syuagogendienst uns den Freibrief Wamsen soll für die Lostrennung unserer That und Wseres Genusses von der jüdischen Pflicht, dann W die Synagoge nicht eine Stätte der Heiligkeit, dann ist der dort geübte Dienst eine Lästerung Gottes. Wahrlich, wenn wir dem unjüdischen Wahn Raum geben, daß wir unser Leben und unsere Pflicht auf zwei Gebiete theilen können, das weltliche und religiöse, das irdische und heilige, Tempel und Geschäft und Genuß, daß wir unsere einheitliche Lebensaufgabe in zwei Theile Zerfällen und dem einen durch die Andachtsübung im Tempel Genüge leisten, außerhalb des Tempels aber an die Stelle des Gottesgebots unser eigenes Belieben zur einzigen Richtschnur nehmen können, dann gilt uns das strafende Wort des Propheten Jecheskel: »:*a Tpni ’nniD bax onnrai ’cd hn ded nnro wy “)t£w Droyina ’KHp nw ns inddv „ihre Schwelle setzten sie neben Meine Schwellen und ihre Pfosten neben die Meinigen, sie errichten eine Mauer zwischen Mir und sich und entheiligen Meinen heiligen Namen durch die Gräuel, die sie üben," — dann gilt auch uns das zürnende Gotteswort des Propheten Jeschaja: „Was soll Mir eurer Opfer Fülle? — — Bringet nicht mehr trügerische Huldigunsgabe, verabscheute Räucherung ist sie Mir, Neumond und Sabbat äußere Kundgebungen sind sie, Ich ertrage nicht den Trotz der Sünde und Festesfeier. Meine Seele hasset eure Neumonds- und Festesfeier, sie sind Mir zur Last, Ich bin müde sie zu ertragen. Und wenn ihr eure Hände ausbreitet, so berge Ich vor euch mein Angesicht, wenn ihr auch viel betet, so höre Ich nicht!" Es ist leider eine nicht zu leugnende Thatsache, daß in vielen Gemeinden eine vermeintliche Verbesserung des Gottesdienstes entweder gerade aus der Initiative desjenigen Theils der Gemeindemitglteder hervorgegangen ist, welche im Sinne dieser durch das Gotteswort verurtheilten Anschauung den Schwerpunkt der Erfüllung des jüdischen Reltgionsgesetzes von dem Leben in den Tempel verlegt haben, nachdem die wirkliche Befolgung des Jndenthums von ihnen als ein längst überwundener Standpunkt erklärt worden ist. Sabbat-, Speife- und Ehegesetze sind von ihnen mit dem meisten der anderen specifisch jüdischen Religionspflichten längst als überflüssiger lästiger Zwang außer Kurs erklärt worden, und sie suchten durch eine nach ihrer Willkür umgestaltete neue Form der Gottesverehrung in der Synagoge eine gewisse Befriedigung für das noch nicht ganz erstorbene religiöse Gefühl. So wie ihr Leben sich nicht mehr nach den alten geheiligten Normen ihrer Vorfahren vollzog, so sollte auch die Form ihrer gottesdienstlichen Uebungen dokumentiren, daß das alte Judenthum seine Verpflichtungskrast für die neue Zeit eingebüßt habe und für die neue religiöse Anschauung auch ein neuer Gottesdienst nothwendig geworden sei. Oder es waren mit sich selbst zerfallene Rabbiner und Lehrer, die in dem Gefühle der Unfähigkeit, einen Ausgleich zwischen ihrem Zweifel und ihrem Amte herbeizuführen, in der Umgestaltung des Gottesdienstes eine Befriedigung suchten, um sich und Andere bereden zu können, etwas Neues, Großes für das Judenthmn geschaffen zu haben. Darum ward hier die Reform des Gottesdienstes zu einem Schiboleth für die Reform überhaupt. Sie verließ sofort den Boden des Religionsgesetzes und drückte der Gemeinde je nachdem sie mehr oder minder sich flagrante Eingriffe in die religionsgcsetzliche Zulässigkeit gestaltete, den Stempel der ganzen, halben oder gemäßigten Neologie auf. Diejenigen Elemente in der Gemeinde, welche sich und ihre Kinder dem Judenthume erhalten wollten, sahen sich deßhalb zur Abwehr gegen diese reformistische Bestrebungen gezwungen. Sie mußten den Kampf aufnehmen, wo er ihnen angeboten wurde. Wenn von mancher Seite derselbe als ein Kampf um Kleinlichkeiten erklärt wurde, welcher nur dem Eigensinne oder der Beschränktheit der orthodoxen Minorität zu danken wäre, da es ja doch kaum der Mühe werth sei, um einiger liturgischer Aenderungen, um einiger Piutim, eines Kol-Nidre,Jekum-Purkon u. dgl. Halberden inneren Gemeindefrieden in die Schanze zu schlagen, so muß darauf hingewiesen werden, daß es sich in Wirklichkeit um die Integrität des Judenthums in diesem der Orthodoxie aufgenöthigten Kampfe handelte. Wenn der Feind das Vaterland bedroht, so sammeln sich die kampfesmuthigen von Vaterlandsliebe begeisterten Schaaren an den Grenzmarken, um der feindlichen Invasion dort zu begegnen, um nicht zu dulden, daß auch ein Fußbreit vaterländischen Bodens dem Feinde in die Hände falle. Sie wissen es, daß sie mit der Behauptung der Spanne Vater-