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Der Israelit · 1889-12-09 · Heft 96 (9.12.1889) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 96 (9.12.1889)
Date
1889-12-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXX. Jahrgang. M 06. Israelit «* Zeschurun. Zkttstzrlfl M FSrderW D. GelKes md D. ftbW in Mss. (Stmtinöt und D Emirat-Hrgan für das orthodore Iudenthu Herausgegeben von Dp. Lehmann in Mainz. Montag, den 9. D ez emb er 5650 <1880). Leitender Artikel. Synagogake Weformen. Von Jsaac Hirsch. Man sollte zu der Annahme sich berechtigt glauben, daß die Aera der gottesdienstlichen Reformen längst vorüber sei, d. h. jener Reformen, die sich angeblich noch auf dem Boden des Religionsgesetzes zu halten den Anspruch erheben. Denn es bedarf doch nur eines Einblicks in die Gestaltung des jüdischen Gemeinde- und Privatlebens, um zu der Erkenntniß zu gelangen, daß alle die pomphaften Verheißungen und sanguinischen Erwartungen, unter deren Aegide in vergangenen Dezennien reformsüchtige Rabbiner die Gemeinden, oder neologe Gemeindeverwaltungen die Rabbiner zu gesetzwidrigen Veränderungen der Gebetordnung gedrängt haben, an der Wirklichkeit zu Schanden geworden sind. Was hat man sich nicht von der Einführung einer neuen Gebetordnung versprochen! Hebung der religiösen Gesinnung, Betätigung echtjüdischen Lebens, Gewinnung der bereits dem Judenthume Entfremdeten, Erhaltung der Jugend für die Erfüllung der jüdischen Lebensaufgabe, Achtung Seitens der nichtjüdischen Mitbürger, Ueberwindung des sich gegen das Judenthum und die Juden richtenden Vorurtheils, vollständige Durchführung der Emanzipation, kurz alles Heil und aller Segen sollte in ungeahnter Fülle sich über Israel ergießen, wenn es sich zu der erhaben großen That aufzuraffen vermöchte, keinen Jekum-Purkan, keinen Bame-Madlikin , keine Jozerot und Piutim fernerhin zu beten, einige deutsche Lieder und Gebete der Liturgie einzuverleiben und Chorgesang und Homilie einzuführen. Run haben viele Gemeinden dieses große Werk bereits vollbracht; aber wahrlich, das religiöse Leben in Gemeinde und Haus hat dadurch keine Förderung erlangt, und auch die Bessergestaltung der äußeren Verhältnisse ist wahrlich nicht dadurch herbeigeführt worden. Freilich ist die möglichst würde- und weihevolle Form der Erfüllung religiöser Gebote religiöse Pflicht, und es ist keineswegs eine erst der Gegenwart zu verdankende Erkenntniß, daß dem ästhetischen Sinne bei der Ausübung der göttlichen Gebote gebührend Rechnung zu tragen sei. nw 3^61 hnj hdid rjsb iraoa neö r*unn vna a airoi nw min idd nw rm nw -ow PW PNTBQ '31131 ]01N 1^3 HM O1v>1p3 DNJ *) ist eine alte Lehre, die als mao im in allen Beziehungen des religiösen Lebens von jeher ihre Verwirklichung gefunden hat. Unsere Weisen knüpten dieselbe mit Vorbedacht an den Satz inuw ro, welcher ja das Gelöbniß ausspricht: sich selbst, das ganze menschliche Wesen in allen seinen Lebensäußerungen, zu einem Tempel der Gottesverherrlichung auf Erden zu gestalten, zu einem Heiligthum der Gottesoffenbarung. Der Gottesdienst, wie er in dem Gebete und den symbolischen Uebungen zum Ausdruck gebracht wird, hat nur dann Werth und Bedeutung, wenn ihm das ganze thätige und genießende Leben zur Unterlage dient, wenn in ihm sich nicht der wahrhaftige und wirkliche Dienst Gottes, d. i. die treue Erfüllung des Gottesgesetzes, erschöpft. Der Gottesdienst wird vielmehr zu eitel Trug und Tand, wenn er an Stelle dieser wirklichen Gottesverehrung treten und ein Gott entfremdetes und in Ungehorsam gegen Gottes Gebot sich vollziehendes Leben decken soll. Einem solchen Gottesdienst, der zur Herabwürdigung Gottes geworden ist, gilt das *) x"bp rat?

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