Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 95 (5.12.1889)
- Date
- 1889-12-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1643 Brasilien. Brasilien. Von dem abgesetzten Kaiser von Brasilien, Dom Pedro, ist bekannt, daß er großes Interesse an der hebräischen Sprache zeigt, die er sowie die jüdische Literatur versteht. Als er vor Jahren London besucht, las er aus einer rmn nso in der Central-Synagoge ganz correct vor. Feuilleton. M irel. IV. Das Ansehen des Rabbiners von Trebitsch stieg immer höher. Hatte man ihn Anfangs nur auf die Empfehlung des Landrabbiners Ijhi engagirt, so sah mau erst später ein, welch ein großer Mann für die Gemeinde gewonnen war worden. Die Talmudgelehrten in Trebitsch waren ganz begeistert von seiner unermeßlichen Gelehrsamkeit und seinem großen Scharfsinne. Dazu kam noch, daß von den bedeutendsten Rabbinen, manchmal aus fernen Ländern, Boten nach Trebitsch gesandt wurden, um in religiösen Fragen die Ansicht Rabbi Ephrajim's zu erfragen, sein Urtheil cinzuholeu. Eine große Menge wißbegieriger Jünglinge strömte herbei, um zu den Füßen des großen Lehrers zu sitzen und aus dem unerschöpflichen Quell seines Wissens zu schöpfen. Unter diesen befand sich ein junger Mann ans Leipnik, Namens Feiwel. Er war der Sohn reicher Eltern, von schöner Gestalt und hervorragenden Geistesanlagen. Auf ihn machte die schwermüthige, junge Frau, der cr im Hause seines Lehrers manchmal begegnete, einen tiefen Eindruck. Er schrieb darüber seinen Eltern, und bald nachher kam sein Vater, Ahron Taubener, nach Trebitsch, um für seinen Sohn beim Rabbi um die Hand der jungen Wittwe anzuhalten. „Ich habe," sagte der Rabbi, „weder gegen Euch noch gegen Euren Sohn etwas einzuwcndcn. Feiwel ist mir ein lieber Schüler, und ich würde ihn mit Freuden als meinen Eidam begrüßen. Allein, meine Tochter weigert sich entschieden, einen neuen Ehebund zu schließen. Sie kann den Freund ihrer Kindheit nicht vergessen." „„Rabbi,"" entgegnete Ahron, „„gestattet mir ein freimüthiges Wort zu Euch zu reden, und versprecht mir, daß Ihr mir nicht zürnen werdet."" „Ich habe ein freimüthiges Wort stets gern . gehört, und bin nie darüber böse geworden." „„So hört. Ihr seid Wittwer, Rabbi. Der Drang und die Roth der Zeiten haben Euch noch nicht daran denken lassen, eine zweite Ehe einzugehen. Es ziemt mir nicht, Euch, einen der größten Männer in Israel, an die Vorschriften der Weisen zu erinnern. Ihr habt jetzt Ruhe und Frieden gesunden in Trebitsch und werdet selbst wissen, was Ihr zu thun habt. Wenn Ihr nun daran denket, eine Frau in Euer Haus zu führen, wird es da nicht gut und angemessen sein, die Tochter vorher zu verheirathen „„Ihr sprecht sehr weise, Ahron, allein, kann ich mein Kind, zwingen? Meine Tochter ^zeigt sich unzugänglich allen meinen Bitten und Mahnungen." „„Verzeiht, Rabbi, wenn ich, der Geringsten einer, es wage, einem Weisen Israels einen Rath zu ertheilen. Holt man'doch Euren Rath ein von allen Enden der Erde. Und doch ist es manchmal dem Geringen und Unwissenden gegönnt, etwas zu sehen, was das weitblickende Auge des Weisen übersieht, und daher lehren die Weisen: „Heil dem Zeitalter, in welchem die Großen auf die Kleinen hören."" „Ihr macht Euch selbst zu gering, Ahron. Ick weide Euch für Euern Rath sehr dankbar sein." „„Ihr seid ein weiser und großer Mann, und der allgütige Gott hat Euch die Gabe verliehen, eine Sprache zu reden, die zu Herzen drängt, gerade so, wie der Prophet Jeschajoh von sich rühmen durfte. Allein, zu einem Weibe spricht am Besten ein Weib. Was Eurer Unterredung nicht gelungen ist — vielleicht wird ein Weibermund bessern Erfolg haben, und was e i n Frauenzimmer nicht fertig bringt, das können vielleicht zwei oder drei oder vier. Wenn Ihr damit einverstanden seid, Rabbi, so will ich die Angelegenheit einleiten. Ich habe hier in Trebitsch viele Freunde. Bekannte und Verwandte. Da ist meine Schwester, die Frau des Dajon Rabbi Nochum. Sie ist eine gar kluge Frau. Ich werde, wenn Ihr es erlaubt, sie veranlaffen. Eure Tochter zu besuchen und ihr zu Herzen zu reden. Da ist ferner eine Brudertochter meiner Frau, das Weib des Pferdehändlers Warum, eine junge Person. Sollte die Alte, meine Schwester nämlich, keinen Erfolg haben, so gelingt es vielleicht der Jungen. Und so werde ich mit Eurer Erlaubniß noch einige Frauenzimmer veranlassen, Eure Tochter aufzusuchen und ihr in's Gemüthe zu reden."" „Ihr seid wahrlich ein kluger Mann, Ahron. Gebe Gott, daß Eure Bemühungen von Erfolg gekrönt seien und wir uns bald verschwägern können." Von diesem Tage an fehlte es der jungen Wittwe nie an Gesellschaft. Zuerst kam Pessel,