Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 95 (5.12.1889)
- Date
- 1889-12-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1644 die Krau des Dajan Rabbi Nochum. In mütterlicher Weise erkundigte sie sich nach dem Leben und Treiben der Rabbinertochter und machte ihr liebevolle Vorwürfe, daß sie sich so ganz der Trauer und der Schwermuth htngebe. „Ich will es ja nicht bezweifeln," sagte sie, „daß Du einen Gatten besessen, wie es wenige gibt, und daß sein schrecklicher Tod Dich mit tiefer Trauer erfüllen mußte. Allein, was Gott thut, das ist wohlgethan. Und es gibt noch mehr fromme, edle und gelehrte Jünglinge in Israel. Da ist zum Beispiel mein Bruderssohn Feiwel, ein Schüler Deines Vaters. Mein Bruder war. gestern hier, um sich nach dem Wohlbefinden seines Sohnes umzusehen und sich von seinen Fortschritten zu überzeugen. Der Rabbi hat den jungen Mann gar sehr gelobt, hat nicht wenig seine Frömmigkeit, seinen Fleiß und seinen Scharfsinn gerühmt. Ja, er hat sich geäußert, daß, wenn meines Bruders Sohn so fortfährt, er einst ein Großer in Israel werden wird. Hast Du den jungen Mann schon gesehen, Mirel?" „„Ja"", antwortete diese. „Nicht wahr, ein schöner junger Mann! Es kömmt nun alles darauf an, ihn beim Lernen zu erhalten, damit er die schönen Hoffnungen verwirkliche, welche die ganze Familie auf ihn setzt. Das beste Mittel dazu ist, ihm ein Weib zu geben, welches ihn zum fortgesetzten und bleibenden Studium anhält. Gebe Gott, daß mein Bruder die richtige Frau für ihn findet!" Frau Pessel gebot ihrer redefertigen Zunge Einhalt, in der Erwartung, daß Mirel etwas sagen werde. Mirel aber schwieg. „Ich will Dir ein Geheimniß anvertrauen", fuhr Frau Pessel nach einer kurzen Pause zu reden fort. „Feiwel hat seinem Vater mitgetheilt, daß er sich gern verheirathen möchte und daß er bereits feine Wahl getroffen." Frau Peffel sah mit Spannung in Mirel's Gesicht; aber kein Zug desselben verrieth, daß die junge Frau begierig sei zu erfahren, auf wen die Wahl Feiwel's gefallen sei. „Jedes Frauenzimmer," fuhr Frau Pessel'zu reden fort, „könnte sich glücklich fchätzen, einen solchen Mann zu bekommen. Unsere Familie ist eine der vornehmsten und angesehensten. In ganz Böhmen, Mähren und Ungarn spricht man von uns mit der größten Hochachtung. Unter unseren Vorfahren befanden sich viele bedeutende Rabbinen, welche die Welt mit dem Lichte ihres Geistes erhellt haben. Mein Bruder Ahron ist ein sehr reicher Mann. Sein Sohn braucht kein Geschäft zu treiben. Mein Bruder wird schon das Nöthige hergeben, um ihn und seine Familie zu ernähren. Keiwel kann beim Thoralernen bleiben; vor Nahrungssorgen ist er geschützt. Im Laufe der Zeit wird er als Rabbiner die Zierde und die Krone einer großen Gemeinde werden. Glücklich die Frau, welche Antheil haben wird an seiner glänzenden Zukunft!" Mirel fing an zu weinen. „„So dachte auch ich einst", sprach sie unter Thränen. „„Mein Rabbi Jakob wäre sicherlich eine Leuchte in Israel geworden. Alle meine Hoffnungen hat das Schwert des Kosaken vernichtet."" „Weine nicht. Du bist jung und frei und hast unter göttlichem Beistände ein langes und glückliches Leben zu erwarten. Vergiß' den Todten, und wende Deine Gedanken einem Lebenden zu." „„Ich kann nicht, ich kann nicht,"" rief Mirel, laut weinend, „„unvergeßlich bleibt mir mein geliebter Gatte. Trauernd werde ich zu ihm in die Gruft hinabfahren.""(Fortsetzung folgt.) „JSraelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstag-, jedesmal in mindestens 2 Boge- Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 ReichS-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganz jährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch üru Suchhrm-rl zu beziehe» brt (£. $. Strinarker. Leipzig, Koßpiatz 18. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Di recte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., fürs Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitende Artikel: Perek Schirah. — Zur Schweizer Schächtfrage. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Neu-Strelitz. Klagenfurt. — Oest.-Ung. Monarchie: Wien. — Jtalieu: Rom. — Brasilien. — Feuilleton: Mirel. — Inhalt der ersten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Ratibrr. Ballenstedt. Metz. — Oest. - Ung. Monarchie: Wien. Aus Oesterreich. Preßburg. — Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Leipzig. — England.' London. — Rußland: Petersburg. Makrokaligorka. — Ostrumelien: Philippopel. — Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Berzeichnisse. BerantworUtche Redaction: Ihr. Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" und „Jeschurun" Schottstratze Ätr. 2, Mainz. Dnrck und Verlag der Joh. Wirlh'schen Hofbuchdruckerei (Oscar Lehmann) in Mainz. Hierzu drei Beilage». Beitage zu Nr. 95 (S. 1657 - 1660) folgt nach Extra-Beilage Nr. 100