Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 95 (5.12.1889)
- Date
- 1889-12-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1642 Welchem die Angelegenheit zur „Untersuchung" überwiesen worden war, lautete ablehnend und führte als Grund der Nichtbeförderung an, daß der betreffende Einjährigfreiwillige „sich im Dienst nicht ausgezeichnet" hätte. Es ist bisher nicht bekannt gewesen, daß die Entlassung eines Mediziners nach sechsmonatlichem Dienst mit der Waffe gesetzlich von einer besondere;! Auszeichnung im Dienst abhängig gemacht wäre. (Berl. Tgbl.) Reu-Strelitz. Am 12. v. M. feierte der Lexikograph und Sprachforscher Professor Daniel Sanders seinen siebzigsten Geburtstag. Seit dem Tode der Brüder Grimm hat bisher kein anderer in der Gelehrtenwelt mit solcher Energie und Willenskraft sich in den Dienst der deutschen Sprachforschung gestellt wie der in der Wissenschaft hochgefeierte Jubilar. Die großartigen Erfolge, welche er erzielt und der wissenschaftliche Ruf, den er sich nicht nur in philologischen Fachkreisen, sondern auch außerhalb derselben erworben hat, sichern ihm die Anerkennung der Mitwelt und den Ruhm der Nachkommen. Daniel Sanders, geb. 12. November 1819 zu Altstrelitz, studirte seit 1839 in Berlin und Halle, erhielt 1843 die Direction der isr. Freischule zu Altstrelitz, die in Folge äußerer Verhältnisse 1852 einging, und privatisirte seitdem daselbst, einzig mit literarischen Arbeiten beschäftigt. Angeregt durch das Erscheinen des „Deutschen Wörterbuchs" der Brüder Grimm, dem gegenüber er abweichende Ansichten hegte, welche er in mehreren kleineren Schriften öffentlich aussprach, wandte er sich selbst der Lexikographie zu und arbeitete sein großes „Wörterbuch der deutschen Sprache" (Leipzig 1859 bis 1865 3 Quartbände) aus mit Belegen von Luther bis zur Gegenwart. An dieses sein Handwerk schlossen sich auf lexikographischem und grammatikalischen Gebiet an: „Katechismus der deutschen Orthographie" (4. Aufl., Leipzig 1878); „Handwörterbuch der deutschen Sprache" (4. Aufl. daselbst 1888); „Fremdwörterbuch" (das. 1871,2 Bde.); „Wörterbuch der deutschen Synonymen" (Hamburg 1871, 2. Aufl. 1882); „Kurzgefaßtes Wörterbuch der Hauptschwierigkeiten in der deutschen Sprache" (18. Aufl. Berl. 1888); „Deutscher Sprachschatz geordnet nach Begriffen" (Hamb. 1884—76); „Vorschläge zur Feststellung einer einheitlichen Rechtschreibung für Alldeutschland" (Berl. 1870—74, 2 Hefte); „Orthographisches Wörterbuch" (2. Aufl., Leipz. 1876); „Deutsche Sprachbriefe" (Berl. 1878, 5. Aufl. 1885); „Ergänzungswörterbuch der deutschen Sprache" (Stuttgart 1879—85); ferner: „Lehrbuch der deutschen Sprache für Schulen" (8. Aufl., Berl. 1888); „Geschichte der deutschen Sprache und Literatur" (3. Aufl., das. 1886); „Abriß der deutschen Silbenmeffung und Verskunst" (daselbst 1881); „Neue Beiträge zur deutschen Synonymik" (Halle 1881); „Satzbau und Wortfoige der deutschen Sprache" (das. 1883); „Verdeutschungswörterbuch" (Leipzig 1884); „Deutsches Stilmusterbuch" (Berlin 1886). Außerdem veröffentlichte er: „Das Volksleben der Neugriechen" (Mannh. 1844); „Das Hohelied Salomons" (Leipz. 1865, neue Aufl. Hamb. 1888); „Heitere Kinderwelt" (Neuste. 1868); „Aus den besten Lebensstunden. Eigenes und Angeeignetes," Gedichte (Stuttg. 1878), sowie eine „Neugriechische Grammatik" (Leipz. 1881) und in Gemeinschaft mit A. R. Rangabe eine „Geschichte der neugriechischen Literatur" (daselbst 1884). Klagenfurt I. Kuttnig, Redacteur des antisemitischen Blattes „Bauernzeitung" (Klagenfurt, Herausgeber, Pertschinger), ist, nachdem er 4200 fl. fremden Geldes mitgenommen und ein verführtes Mädchen mit drei bedauernswerthen Kinderchen zurückgelassen, nach Amerika durchgegangen. Oefterr. - Ungar. Monarchie. Wien. In einer Vorlesung, welche der Professor für Psychiatrie Dr. v. Krafft-Ebing im Hörsaale der Wiener Landes-Jrrenanstalt hielt, kam der berühmte Gelehrte auch auf die Motive der Handlungen zu sprechen. Er führte aus, es gebe motivirte und unmotivirte Handlungen oder wenigstens nicht genügend begründete; manche scheinbar motivierte Handlungen seien nicht den Gesetzen der Logik entsprechend, sondern von Zeitftrömungen beeinflußt und verstoßen gegen das geltende Gesetz. Dahin gehöre auch der Antisemitismus. Professor Krafft-Ebing gab seiner entschiedensten Mißbilligung über diese moderne Bewegung unverhohlenen Ausdruck und meinte, man würde über dieselbe in hundert Jahren gerade so lachen, wie man dies heute bezüglich der Hexenprozesse thue. Die Erörterungen über den Antisemitismus brachten den Vortragenden schließlich in solche Erregung, daß er die Vorlesung abbrach. Das zahlreiche Auditorium folgte dem interessanten Vortrage mit großer Spannung. Italien. Rom. Bei den jüngst im ganzen Lande stattgehabten Grafschafts- und Communalwahlen wurden in erstere 16 und in letztere 70 Israeliten gewählt.