Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 95 (5.12.1889)
- Date
- 1889-12-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1640 niß selber gleichgiltigsund geringschätzig'über Bord geworfen, so adoptirte der Judenhaß diese Gleichgiltigkeit und Geringschätzung auch für seine Taktik und nannte sich Antisemitismus. Mit diesem Namens - Wechsel, der uns den Fehdehandschuh nicht mehr wegen unserer Religion, sondern wegen unserer semitischen Abstammung hinwirfLHdie^sich nun einmal nicht verleugnen und selbst nicht mit Taufwasser aus den Gesichtszügen wegwaschen läßt, hat die Rathlosigkeit unserer Abfallspropaganda ihren Höhepunkts erreicht und auch ihren Wortführern die Nothwendigkeit einer rückhaltlosem Rückkehr zu Gott, kurz die alter Wahrheit nahe gelegt: „Wenn es Dir enge wird,Zunders treffen Dich alle diese Dinge am Ende der Zeiten, dann kehre zurück zu Gott deinem Gotte und gehorche seiner Stimme, denn ein erbarmungsvoller Gott ist Gott, dein Gott, er wird dich nicht fahren und dich nicht zu Grunde gehen^lassen und nicht das Bündniß mit deinen?Bätern ^vergessen',- das^ er ihnen zugeschworen hat. (V. B.^M., IV. 30. 31). Und mitten in dem trübsten Ernst unserer Tage hat Gottes uns erziehende Fürsorge sich wieder in ihrer ganzen Wundergröße bewiesen. Aus dem Schlag, den man gegen uns Zührte, hat Gottes Liebe das Heilmittel, für unsere Wunde bereitet. Die antisemitische Verrohung, welche auf der mit Füßen getretenen Humanität ein neues Evangelium, das der Animosität verkündet, die unter dem Vorwände Thiere zu,, schützen, nicht davor zurückschreckt jüdische Mensch Ezu quälen, hat auch den Kurzsichtigsten l'den Zusammenhang zwischen Juden und Judenheit mit einem male klar gemacht. Tausende von jüdischen Gemeinden, hatten mit einem Schlag alle Zwistigkeiten, alle Parteistellung, alles was sie trennt und sondert bei Seite gelegt und haben wie ein Mann sich erhoben, Ifür die Göttlichkeit "und Unantastbarkeit des göttlichen^Gesetzes, das ihnen ein modern zugestutzter Thierkultus verkümmern wollte. Die Führer selbst der radikalsten Richtung wiesen mit Entrüstung die .Verleumdung zurück, als hätten sie je mit einem Worte die Göttlichkeit und Verbindlichkeit des in Rede stehenden Gesetzes in Frage gestellt. Was noch vor Kurzem unglaublich und unmöglich schien, ist bei dieser Gelegenheit in überwältigender Meise zu Tage getreten: Die fortgesetzten feindlichen Angriffe auf unsere bürgerlichen, politischen und sozialen Rechte haben uns nicht zu einigen vermocht. Das erste Attentat aber auf unsere Interna, auf unsere Lebensseele, auf unser Gottesgesetz hat das Bewußtsein unserer Zusammengehörigkeit entflammt, hat die Einzelnen ihre erträumten Prinzipien, Standpunkte, Ansichten und Parteiungen vergessen lassen, und alleunter dem altensolange und schwer verkannten Banner des von den Vätern überlieferten Judenthums brüderlich mit dem festen Vorsatz gesammelt, für dieses Gottesgesetz den uns aufgedrungenen Kampf gemeinsam aufzMehmen und zu Ende zu führen. Vergegenwärtigt man sich nun noch, daß es sich um ein Gesetz handelt, das im biblischen Text zwar ausgesprochen, aber in den Details seiner Ausführung lediglich 'jbb rwD*> robn ist, so ist es sicher nicht zu viel gesagt, daß dieses herzerhebende einmüthige Einstehen für unser Gottesgesetz und seine sinaitische Erläuterung und Uebelieferung eine so troftvolle Errungenschaft bedeutet, daß sie durch alle Schächtverbote der Welt nicht ausgewogen würde. Dieses Bewußtsein zu wecken und zu bestärken, ist das Verdienst eines soeben erschienenen merkwürdigen Buches, auf das deßhalb hier die öffentliche Aufmerksamkeit ganz besonders gelenkt werden möge. Unter den tausenden Gemeinden und ihren Führern, die sich einmüthig für die strikte Unantastbarkeit und Aufrcchterhaltung der Schechita erhoben, fand sich nämlich außerhalb Deutschlands ein einziger, der dem thierfrcuudlichen, judenfeindlichen Ansturm eine Concession eknräumen zu sollen glaubte, welche die Schechita an und für sich zwar nicht berührt, sondern sich darauf beschränkt, sofort nach vollzogener Schechita den Tod des Thieres durch Genickstich oder Kopfschlag herbeizusühren. Der betreffende Rabbiner entwickelte mit dem Thierschutzverein seines Ortes eine rührige Thätigkeit, um diesen Compromiß deutschen Behörden zu unterbreiten. Diese informirtcn sich nun bei verschiedenen Rabbinen über die religiöse Zulässigkeit einer solchen Eoncession, die aber von allen einstimmig als unserem Religionsgesetz widersprechend als unzulässig erklärt wurde. Angesichts dieser Thatsache hat Herr Rabbiner und Seminardirektor Dr. Plato in Köln a. Rh. in einem Buche, welches den Titel Habläath Haddäm führt unter Hinweisung auf die Quellenschriften die Gründe entwickelt, aus welchen es religionsgesetzlich unzulässig ist, den Schlachttljieren selbst nach vollzogenem rituellen Halsschnitte während der Verblutung den Kopfschlag oder Genickftich beizubringen. Dieses geniale Meisterwerk, das seine Entstehung lediglich der Agi-