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Der Israelit · 1889-12-05 · Heft 95 (5.12.1889) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 95 (5.12.1889)
Date
1889-12-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1689 mein Freund in seinen Garten, denn die höchste Wonne ist der Genuß der Gottesnähe."; Es gestaltet sich demnach der Lobgesang des j Paradieses zu einer Mahnung an den Menschen, ( die da lautet: „Lasse in dir erwachen, o Mensch,! den reinen Gedanken und vollende ihn zu heiliger! That in freudigster Hingebung au deinen Gott; j dann wirst du einst schauen dürfen des Allherrn Majestät, wie Er thront inmitten Seiner verklärten \ Frommen." (Fortsetzung folgt.) z Zur Schweizer Schächtfrage. (Schluß.) Die Bedeutsamkeit dieser glänzenden Rechtfertigung und Anerkennung unseres die Tödtungsweise der Schlachtthiere regelnden göttlichen Gesetzes durch das Zeuguiß der berufensten, fachwissenschaftlichen Koryphäen, macht sich nach zwei Seiten hin geltend; j auf die öffentliche Meinung außer- und innerhalb! der Judenheit. Nach beiden Seiten hin läßt sich j die ganze Tragweite heute noch gar nicht feststellen.! Daß die außerjüdische Welt uns auf Grund eines nun von ihr erkannten und gewürdigten göttlichen Gesetzes, diesem selbst, sowie dem Gesetzgeber und den Gesetzersüllern dte Anerkennung entgegen bringen wird, die uns unsere heutige Urkunde schon seit Jahrtausenden als unmittelbare Folge gewissenhafter Pflichterfüllung in Aussicht stellen*), dieser Erfolg wird vielleicht noch von Bedeutsamkeit übertroffen durch den Eindruck in unserem nächsten, eigenen Kreise. Wenn Gottes Wort die Achtung und Anerkennung des Judenthums und der Judenheit von unserer gewissenhaften Beobachtung und Erfüllung seiner.Gesetze abhängig macht, so begreift es sich leider nur allzusehr, wie sehr diese Achtung und j Anerkennung in diesen Jahren gesunken ist und immer mehr zu sinken droht. Hier ist der Punkt, wo jeder einsetzen müßte und einsetzen könnte, dem das Weh unserer Zeit zu Herzen geht. Nicht mit Flugschriften, nicht mit Vereinigungen, nicht mit Petitionen, nicht mit allen diesen und ähnlichen äußeren Mitteln, werden wir uns die Achtung und Menschenliebe auch unserer nichtjndischen Brüdern sichern und erhalten; sie alle treffen den Kern des *) V. B. M>, Cap. IV. 6. ff. „Wachet über diese Gesetze und bringt sie zur Erfüllung; denn das ist eure Weisheit und Einsicht vor den Augen der Völker, die dann auch alle diese Gesetze erfahren und sagen werden, nur dieses große Volk ist weise und vernünftig. Denn wo gibt es ein großes Volk N. s. w. Uebels nicht, da wo gefehlt wurde, muß die Besserung beginnen. Hat doch vielleicht iu keiner Zeit der jüdischen Diaspora, sich ein solcher Abfall ganzer Gemeinden und unzähliger Einzelner von der rückhaltlosen Anerkennung und Erfüllung unseres Gesetzes so vor aller Welt, so ohne alle äußere Nothwendigkeit vollzogen, als gerade in unserem Jahrhundert. Und da könnten wir uns über den nun eingetretenen Rückschlag, können uns darüber Wundern, daß uns Gott preisgibt, nachdem wir ihn und sein Gesetz Preis gaben? Wahrlich an uns erfüllt sich die ganze Schwere der göttlichen Verheißung: „Du wirst am Hellen Mittag umhertasteu, wie der Blinde in der Finsternlß umhertaftet und es wird dir nicht gelingen, die Wege, die zu deinem Glücke führen, zu finden." (5. B. M. 28, 29). Wie der Blinde in seiner Unbeholfenheit nach dem Gegenstände seiner Wünsche in der Ferne zu suchen pflegt, während er, ihm selber unbewußt, in nächster Nähe vor ihm steht, so suchen wir auf allen Wegen die Bedingungen für die Verbesserung unserer Lage und übersehen das, was uns schon seit Jahrtausenden so überaus nahe gelegt ist, die Wahreit, welche jedes Blatt unserer Geschichte predigt, und die das Psalmlied (81. 14. 15) in die Worte zusammenfaßt: „O möchte mein Volk aus mich hören, Israel in meinen Wegen wandeln, wie bald würde ich ihre Feinde demüthigen, und meine zürnende Hand gegen ihre Dränger wenden, die Hasser Gottes würden ihm ihre Feindschaft leugnen", u. s. w. Diesen Wandel in den von Gott vorgeschriebenen Wegen haben nun gerade unsere Volksbeglücker und Judenthumsretter, unsere Religionsverschlechterer, die sich Religionsverbefserer und Reformatoren nannten, in Schrift und Wort von der Kanzel und dem Katheder als das Hinderniß eines wirklichen sozialen Lebens bezeichnet, haben sich und die Massen beredet, man müsse das Judenthum stückweise preisgeben, um die Judenheit zu retten, und sic fanden leider nur allzuviel Gläubige für diese Propaganda des Unglaubens. Da vollzog sich nun die Nemesis, wie sie zn allen Zeiten des Abfalls in der jüdischen Geschichte sich vollzogen hat, auch in unseren Tagen. Sie zeigte uns, daß wir auf diesen Wegen unser Glück niemals erreichen. Bei allem Abstreisen jeder spezifisch jüdischen Eigenthümlichkeit bis fast auf den letzten Rest einerseits , bei allen Errungenschaften der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit andererseits, vergaß und verzieh mans uns nicht, daß wir Juden sind. Haben wir unser religiöses Bekennt-

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