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Der Israelit · 1889-12-05 · Heft 95 (5.12.1889) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 95 (5.12.1889)
Date
1889-12-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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fuTTIW II TTHTinmT 1638 Norden zum Süden. Die Schelamim (Friedensopfer, Freudenopfer, vollkommenen Opfer) stehen in mehrfacher Beziehung im Gegensätze zum Ganzopfer. Während das Ganzopfer nur vom Feuer verzehrt wurde, hatten an dem Schelamim nicht nur die Priester,' sondern auch die Eigenthümer Theil. Dagegen sind sie nicht D'EHp wip, heiligste Heiligthümer, sondern O’tmp, leichtere Heiligtümer. Sie übettreffen die Ganzopfer einerseits und stechen ihnen andererseits nach. Sie sind ein Bild der Vollendung; ein Theil von ihnen wird vom Feuer auf dem Altäre Gottes verzehrt, ein Theil gehört dem Priester und ein Theil gehört dem Eigenthümer. — Der Gedanke kann ganz und gar geheiligt werden; in Reinheit und Lauterkeit steigt er aus unserem Herzen zu Gott empor. Die Vollendung aber ist nicht der Gedanke, sondern die That. Die That bedarf der Mittel und Wege, um zur Erscheinung zu gelangen. Der heiligste Gedanke kann in Folge dessen nicht ganz unberührt bleiben, die Mittel und Wege der Ausführung bedingen das Jnserscheinentreten desselben; glücklich, wenn unsere Thaten als D^p D’tnp, als leichtere Heiligthümer betrachtet werden dürfen. „Und komme Süden l Das sind die Schelamim, die auch im Süden des Vorhofs geschlachtet werden durften; und warum ruft man dem Süden zu: und komme? Weil es etwas Neues ist." Zu dem durchaus reinen und vollkommenen heiligen Gedanken, dessen Symbol das Ganzopfer ist, muß sich stets etwas Anderes, etwas Neues gesellen, um ihn zur That werden zu lassen, deren Symbol die Schelamim sind. Das liegt in der Natur der Sache. Wir wollen das an einem Beispiele klar zu machen suchen. Durch die Tephillin unterwerfen wir unfern Kopf und unfern Arm, unsere Geistes- und unsere Körperkrast, dem Herrn des Weltalls. Der Zu Grunde liegende Gedanke kann vollkommen rein und heilig sein. Die Ausführung der That des Tephillinlegens und Tragens ist an äußerliche Mittel gebunden, deren vollkommene Neinhaltnng und Heilighaltung von uns nicht abhängt. Wir haben das Unserige gethan, haben die Tephillin von einem vertrauenswürdigen, befähigten und berufenem Mann erworben. Auch dieser hat das Seinige gethan und hat die dazu nothwendigen Utensilien von zuverlässiger Seite angeschafft. Aber Gott allein vermag in die Herzen zu schauen; wir Menschen müssen uns mit dem äußeren Anschein begnügen; und vorausgesetzt, die Tephillin entsprechen den strengsten Anforderungen, wie schwer wird es uns, daß wir uns der Heiligthümer an Haupt und Arm stets so bewußt bleiben, wie wir sollen, und uns demgemäß benehmen! — Aber, wenn auch mäß dem Gedanken an Heiligt wäre ohne sie der Gedanke nur der Moment. Wir haben im vorigen Kai daß der vollkommen Fromme, ligkeit zu Theil werden soll, die danken und der Thaten zu erst! haben hinzugefügt, daß dazu noch hört. Das ist die Freudigkeit des Vollbringung der göttlichen Gebote. Nie soll uns die Erfüllung der göttlichen Gebote als eine Last erscheinen; es soll uns vielmehr stets mit der höchsten Freude erfüllen, unserem Gotte dienen zu dürfen. Ein Symbol der Freude, des geistigen Genusses, ist das Räucherwerk, welches im heiligen Tempel seine köstlichen Düfte emporsteigen ließ, und so lehren unsere Weisen in Wajikrah Rabbah (Paraschath Zaw) anlehnend an unseren Vers voiea □’öDn miop „auf daß fließen seine Würze, das ist das Näucherwerk der Spezereien." — Wir können demnach den Lobgesang des Paradieses folgendermaßen deuten: „Erwache, du reiner Gedanke, und werde zu heiliger That, lasse dich, o Mensch, von gotterfüllter Freude durchhauchen — es wird kommen mein Freund in seinen Garten und verzehren dessen köstliche Früchte." Es erübrigt uns, den Schlußsatz des Verses zu erklären. Wir haben oben gefragt, daß der Ausdruck „der Freund" im hohen Liede sich stets auf den Allheiligen bezieht; so bedarf es der Erläuterung, wieso die Verzehrung der köstlichen Früchte des Gartens aus Gott bezogen werden kann. Unsere Weisen im Midrasch geben uns darüber Aufschluß. Einst, lehren sie, wird Gott den Frommen im Paradiese eine große Mahlzeit bereiten. Aber die Frommen werden sprechen: Wir sollen uns zur Tafel setzen, und der Hausherr soll nicht Antheil daran nehmen? Da spricht der Heilige, gelobt sei Er: Auch Ich werde mit euch speisen. — So heißt es auch: Es wird kommen mein Freund in seinen Garten und genießen dessen köstliche Früchte. Der Sinn dieses Ausspruches unserer Weisen ist, daß die Wonnen des Paradieses nicht den irdischen gleichen, daß sie nicht in Speise und Trank und in andern derartigen Vergnügungen bestehen, sondern daß einzig und allein die Gottesnähe es ist, welche die allerhöchste Wonne bietet. Die Frommen weigern sich gleichsam, an der Tafel Platz zu nehmen, wenn Gott, der Herr, nicht unter ihnen weilt. Und so bemerkt auch Nascht zur Stelle um dv bjn nnt* dn nn „Es möge kommen

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