Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 95 (5.12.1889)
- Date
- 1889-12-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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lg. M 9 9^, raelit««»Zeschurun. FördrrllllS W. Geiltes M D. Dm in AM«, toiniie iitiö KH«le. at-Hrgan für das ortkodore Iuderrthum. Herausgegeben von Dr. Lehma«» in Mainz. Donnerstag, de« 5. Dezember 5650 (1889). Leitende Artikel. WereK Schirah. Mainz, 2. Dezember. VIII. (Der Lobgesang des Gan Eden.) II. mb '-IN md» ,vdbq tv »m rren ,p’n »moi ps» ’iiy _ .v-jjd ne 53N’i „Erwache, Nordwind, und komme, Südwind, durchwehe meinen Garten, daß seine Würze fließen; es wird kommen mein Freund in seinen Garten, und wird essen dessen köstliche Früchte." Unsere Weisen deuten im Midrasch Rabbah zur Stelle (vergleiche auch Sebachim 116) diesen Vers folgendermaßen: ,peso noruM» nhyn n pö» ny .p*n »mdi pss mj? um .p’n .mynji pp» Mirup im ,my n^> pip nmN m? no^i (cma icib) ont D»unw^ avbv .am»n w im ,»mdi „Erwache, Norden, und komme, Süden. Erwache, Norden, das ist das Ganzopfer, welches im Norden (des Vorhofes am heiligen Tempel) geschlachtet wurde; und warum ruft man ihm zu: erwache? Etwas, das geschlafen hat und nun erwachen soll. Und komme, Süden; Das sind die Frtedensopfer (d»ö^b>), die im Süden des Vorhoss geschlachtet werden durften; und warum ruft man dem Süden zu: und komme? Weil es etwas Neues ist." Diese Deutung der Weisen erscheint sehr dunkel; allein, das Dunkel wird sich aufhellen, wenn wir auf das Wesen der hier erwähnten Opfer näher eingehen. Das heiligste unter den von Gott vorgeschriebenen Opfern, die im heiligen Tempel dargebracht wurden, ist das Ganzopser. Niemand, selbst der darbringende Priester nicht, durfte davon genießen; es mußte ganz in Rauch aufgehen auf dem Altäre Gottes. Es ist, wie unsere Weisen lehren, ein Symbol der Heiligung der Gedanken. Wie das heilige Feuer auf dem Altäre die Bestandtheile des Ganzopfers verzehrte und den Duft emporsteigen ließ zu unserem Vater im Himmel, so sollen unsere Gedanken ganz und gar geheiligt werden, daß sie kein anderes Ziel und keinen anderen Zweck haben als die Verherrlichung unseres Vaters im Himmel, pex heißt nicht nur Norden, es heißt auch „verborgen". Wir Israeliten sind Gottes besonderes Eigenthum. Wir sind gleichsam aus der Menschheit herausgeschält, um dem erhabenen Berufe zu leben, den Namen Gottes auf Erden zu heiligen. Wir find die Nachkommen der frommen Gottesdiener Abraham, Jizchak und Jakob. Unsere Voreltern haben am Berge Sinai gestanden und sind der göttlichen Offenbarung gewürdigt worden, unsere Voreltern haben für sich und all ihre Nachkommen das Gelöbniß abgelegt yvsn rnpy: „wir wollen thun und gehorchen." Seit jenem großen Augenblicke ist in die Herzen der Kinder unseres Volkes der Trieb gelegt, Gott zu dienen und Seine heiligen Gebote zu beobachten. Doch nur zu oft liegt dieser Trieb in tiefstem Schlafe. Stark sind die Leidenschaften, die des Menschen Herz bestürmen, groß sind die Versuchungen, denen das menschliche Herz ausgesetzt ist, mächtig sind die Verhältnisse, die es abziehen von dem eigentlichen Endzwecke des Lebens. Da ruft uns das Ganzopfer zu: Erwache, du im Verborgenen ruhender Gedanke und heilige dich deinem Gotte, auf daß du emporsteigest gleich dem Dufte des Wohlgefallens zum Vater im Himmel. Vom Gedanken bis zur That ist oftmals ein weiter und beschwerlicher Weg, soweit wie vom