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Der Israelit · 1889-12-02 · Heft 94 (2.12.1889) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 94 (2.12.1889)
Date
1889-12-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1630 an der Wiege der Hiesigen Synagogengemeinde gestanden, als dieselbe, aus nur wenigen Mitgliedern bestehend, im Jahre 1863 ihre Gründung vollzog. Im Jahre 1864 als Lehrer und Cantor der jungen Gemeinde bestellt, ist er ^derselben unentwegt treu geblieben und wallet bereits ein Vierteljahrhundert seines Amtes mit lobenswerthem Fleiße und Eifer. Der durch die rasch angewachsene Mitgliederzahl der Gemeinde vermehrten;Arbeitslast gegenüber hat er sich stets mit voll ausreichender Tüchtigkeit bewährt, was die Gemeinde auch durch mehrmalige, den Zeitverhältnissen entsprechende ansehnliche Gehaltserhöhung dankbar anerkannt hat. Sein friedfertiges Wesen und seine gegen Jedermann stets bereite Dienstfertigkeit haben ihm allgemeine Beliebtheit über den Kreis seiner Gemeinde hinaus verschafft. Von Seiten der israelitischen Gemeinde wurden dem Jubilar durch den Gesammtvorstand Glückwünsche und ein Geschenk überbracht, was auch spater von Seiten vieler Familien geschah. Der hiesige Synagogenchor brachte Mittwoch Abend und die Lauterbach'sche Kapelle Donnerstag Morgen dem geehrten Jubilar ein Ständchen. Möge der wackere Mann seiner Amtes noch lange walten!" Ich füge dem noch hinzu, daß an dem betreffenden Tage der Landrabbiner, Herr Dr. Salzer aus Stadtlengsfeld, so wie auch Herr Lehrer Fackenheim auS Mühlhausen, Letzterer in seiner Eigenschaft als Vorsitzender und Vertreter des „Vereins jüdischer Cultusbeamten Mitteldeutschlands" hier eintrasen, um dem Jubilar ihre Glückwünsche zu überbringen. Aürsteuwalde, 25. Nov. Wir sind heute in der erfreulichen Lage, den Gönnern und Freunden des Vereins „Freunde der Taubstummen Jedide Jlmim" berichten zu können, daß der Verein dem ersehnten Ziele eine Anstalt für die israelitischen Taubstummen in Deutschland zu haben, nun bedeutend näher gerückt ist. In der Generalversammlung vom 26. Mai d. I. wurde der Beschluß gefaßt, eine Taubstnmmen- Anstalt zu erbauen. Bereits im Juli wurde von dem Verein ein 1^/4 Morgen großes Parkgrundstück in Weißensee bei Berlin käuflich erworben und schon den 1. August haben die Bauarbeiten begonnen. Dank dem energischen Vorgehen des Vorstandes ist nunmehr ein, den hygienischen und pädagogischen Ansprüchen unserer Zeit entsprechendes, sehr solides und schönes Gebäude im Rohbau fertiggestellt. Das Gebäude enthält im Kellergeschoß die Wirthschaftsräume, die Anstaltsküche, Badezimmer und die Wohnung für den Schuldiener. Im Erdgeschoß befinden sich die Schulzimmer, die Speisesäle und Arbeitsräume für die Zöglinge. Das erste Stockwerk enthält die Wohnung des Leiters der Anstalt und einen Schlafsaal. Das zweite Stockwerk enthält die Aula, Schlafsaal und Krankenzimmer. Für Park- und Gartenanlagen ist noch ein Flächenraum von 1829 slWeter übrig. In diesem neuerbauten Hause ist Raum für etwa 60 Zöglinge. Es sollen jüdische Kinder aus allen Gauen Deutschlands hier Aufnahme finden, um zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft und zu guten rechten Israeliten erzogen zu werden. Vor Allem sind aber noch große Mittel für dieses echte Liebeswerk nothwendig, und müßten die Vorstände und Rabbiner Her jüdischen Gemeinden in Deutschland dringend befürworten, daß Letztere Beiträge zum Bausond, wie auch feste jährliche Beiträge für diese Anstalt bewilligten. Nach Maßgabe der von den Gemeinden dem Vereine zu gewährenden Mittel, kann derselbe deren im bildungsfähigen Alter stehende taubstummen Kinder in Erziehung, Pflege und Unterricht nehmen. Nicht unerwähnt wollen wir es bei dieser Gelegenheit lassen, daß der unterrichtete Taubstumme in der Regel ein tüchtiger Handwerker wird, der sich sein Brod selbst verdient, während der unausgebildete später den Gemeinden zur Last fällt. Es wird ja so häufig darüber geklagt, daß jüdische Kinder sich dem Handwerk nicht zuwenden wollen; nun, eine bedeutende Anzahl taubstummer Kinder harret daraus, sich als Handwerker ausbilden zu lassen. Sollten da nicht die Rabbiner und Vorstände der jüdischen Gemeinden dieser nicht ganz unbedeutenden sozialen Frage sich freundlich zuwendend Das bevorstehende Chanukafest würde den Rabbinern genügende Gelegenheit dazu bieten, auf ein so humanes Unternehmen hinzuweisen und sie würden den Zuruf "zb'nb 79 nns, „öffne deinen Mund für den Stummen!" in Wahrheit erfüllen. Leipzig. Es ist eine Zahnlücke der jüdischen Gemeinde hierselbst, daß sie, obwohl eine der größten und wohlhabendsten Deutschlands doch nur wenig für eine gediegene Organisation unternommen hat. Es ist die moderne Erziehung, der Einfluß einzelner selbstsüchtiger Herren, die, sofern eine Wahrung jüdischer Angelegenheiten sich nothwendig macht, weder mit der Behörde, noch mit sonst Jemand darüber zu verhandeln gewillt sind. Auf diese Weise hat sich nun leider in Leipzig die Macht dieser Herren, welche im „Geheimen" das Wohl

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