Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 94 (2.12.1889)
- Date
- 1889-12-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1628 der des Beth Din blieben zurück, um die Angelegenheit müeimmder zu besprechen. Nach kurzer BeraLhung beschlossen sie, zu bezeugen, daß der Tod des Schwiegersohnes des Rabbi Ephrajim erwiesen sei und daß daher der Wiederverheirathung der Wittwe keinerlei Hindernisse entgegenstehen. Als Rabbi Ephrajim nach Trebltsch zurückkehrte und seiner Tochter erzählte, was sich ereignet hatte, waren Mirel's Trauer und Schmerz grenzenlos. Bisher hatte sie sich mit der Hoffnung geschmeichelt, daß ihr geliebter Gatte dem Mordschwerte der Kosaken entgangen sei. Jetzt hatte sich diese Hoffnung als eine trügerische erwiesen. Zwei unbescholtene Zeugen hatten ausgesagt, daß sie zugesehen, wie das scharfe Schwert des Kosaken den Kopf des geliebten Mannes vom Rumpfe getrennt hatte. Was sollte sie noch vom Leben zu erwarten haben? Ihre ganze Zukunft erschien ihr wie eine einzige dunkle Nacht. „£)," rief sie, „wäre ich damals aus dem Wagen gesprungen und mit meinem Gatten gestorben!" „„Thörin,"" sprach der Vater, „Dich hätten sie nicht getödtet, Dich hätten sie mit sich geschleppt und entehrt. Dein Loos wäre ein viel schlimmeres geworden als das Deines unglücklichen Mannes. Preise Gott für Seine Gnade, daß Er Dich vor solch einem entsetzlichen Geschicke behütet hat. Preisen wir Gott für Seine Gnade, daß Er uns hat gelingen lassen, den Tod des Bedauernswerthen festzustellen. Ihm ist wohl. Er braucht den tiefen Jammer dieser traurigen Zeit nicht mehr zu empfiuden. Er hat sein Leben hingegeben für die Heiligung des göttlichen Namens und seine Seele genießt jetzt die Freuden des Paradieses."" „O, wäre ich bei ihm im Gan Eden." „„Gottes Wille ist es, daß Du hienieden lebst. So wollen wir Gott dafür danken, daß Du nicht uöthig hast als Agunah Dein junges Leben zu vertrauern. Ich werde unter Gottes Beistand dafür sorgen, daß Du einen andern Gatten findest, der Deinem ersten Manne, über ihm sei der Friede, in keiner Weise nachsteht."" „Ich bitte Dich, mein Vater, sprich nicht so zu mir! Wie könnte ich jemals das Weib eines Andern werden! Ich habe Jakob geliebt von meiner srübesten Kindheit an, und werde nicht aufhören ihn zu lieben, so lange ich lebe. Ihn zu vergessen und mich einem andern Mann zu vermählen, das würde mir als ein schrecklicher Verrath, als ein großes Verbrechen erscheinen." „„Was Du sprichst, ist thöricht. Was Goit verboten hat zu thun, ist ein Verbrechen, wenn man es dennoch thut. Was aber Gott erlaubt hat zu thun, das kann kein Verbrechen fein. Ich bin ein alter Mann — was soll aus Dir werden, wenn Gott mich aus diesem Leben abruft? Du mußt einen Ernährer und noch mehr einen Beschützer haben. Wer kann den Schleier der dunklen Zukunft lüften? Froh und glücklich und zufrieden lebten unsere Glaubensgenossen in Polen und Litthauen, frei von dem schweren Drucke, der auf unserem Volke in Deutschland, in Oesterreich und in den andern Ländern lastet. Da sollten wir plötzlich erfahren, wie schwer die Hand Gottes auf Seinem Volke ruht. Wir haben büßen und bluten müssen wie in keinem andern Lande der Erde. Wer weiß, welche schwere Zeiten uns hier bevorstehen, und wie könnte ich ruhig sterben, wenn ich mein Kind einsam und verlassen und unversorgt wüßte?"" Thränen entstürzten den Augen des ehrwürdigen Greises, und auch Mirel weinte still vor sich hin. (Fortsetzung folgt.) „Israelit* und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Motttags und TontterftagS, sedesmal in mindestens 2 Boge- Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 13 Reichs-Mark, fiir's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganz jährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch Len Buchhandel z« bestehen bei E. F. Klein acker, Leipzig, Rastplatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozuscndung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., fur'8 Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt iHanptblatt): Leitende Artikel: Zur Schweizer Schächtsrage. — Die Schaffung eines preußischen Staatsjudenthums. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Mainz. Aus Wiesbaden. Oberhausen. — Feuilleton: Mirel. Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Aus Thüringen. Fürstenwalde. Leipzig. — Oest.-Ung. Monarchie: Prag. PLpa. — Serbien: Belgrad. — Türkei: Konstantinopel. — Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann in Mainz. — Expedition deS „JSraettt* und „Jeschurun" Schottstraße Nr. 2, Main;. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei (Oscar Lehmann) in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.