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Der Israelit · 1889-12-02 · Heft 94 (2.12.1889) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 94 (2.12.1889)
Date
1889-12-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1625 könne. Der unvergeßliche Distrikts-Rabbiner S. B. Bamberg er ergriff die Gelegenheit mit Freuden und machte in Gemeinschaft mit einigen Gesinnungsgenossen eine Eingabe an die Regierung, worin der Vorschlag zur Gründung der in Rede stehenden Anstalt gemacht wurde. Der Vorschlag fand die Allerhöchste Genehmigung, und im April 1862 wurde Herr Rabbiner B. ermächtigt, die nöthigen Schritte zu thun. Jetzt machte es sich der Verewigte zur Aufgabe, die nöthigen Mittel herbeizuschaffen, daß allen unbemittelten Zöglingen Unterricht, Beköstigung und Wohnung unentgeltich zu Theil werde. Am 7. November 1864 konnte die Anstalt eröffnet werden. In den verflossenen 25 Jahren wurden 210 Zöglinge als befähigt aus der Anstalt entlassen. Viele von ihnen wirken in den größten Städten des In- und Auslandes zur größten Zufriedenheit ihrer Vorgesetzten. Die Anstalt war bei ihrer Gründung und Eröffnung in einem gemietheten Lokale außerhalb der Stadt untergebracht. Kurze Zeit darnach gelang es dem unermüdlichen Gründer der Anstalt, ein eigenes Haus mit Garten für dieselbe zu erwerben. Als dieses zu klein wurde, erwarb der jetzige Vorstand ein zweckentsprechendes, schönes Gebäude, welches am 20. October 1884 seiner Bestimmung übergeben wurde. Die jährlichen Ausgaben belaufen sich auf ungefähr 18,000 Mark, welche zum größten Thcile durch freiwillige Beiträge Seitens der Glaubensgenossen bestritten werden. Am 12. und 13. August dieses Jahres feierte die Anstalt ihr Jubiläum zugleich mit dem seit der Gründung derselben an ihr wirkenden Lehrer Herrn I. Schlenker, worüber wir zur Zeit ausführlich berichtet haben. Der Bericht schließt mit den folgenden Worten: „Wenn wir aus Veranlassung des 25jährigen Bestehens unserer Anstalt den verehrlichen Gönnern und Freunden derselben eine etwas umfangreichere Darstellung ihrer Entstehung und Entwickelung zu geben bemüht waren, so gingen wir von der Voraussetzung aus, daß das Interesse für diese Anstalt ein so reges ist, daß man mit gleichem Interesse der geschichtlichen Daten derselben folgen und von den Hauptmomenteil ihrer Leistungen gerne- Kenntniß nehmen wird. Für Diejenigen, welche der Anstalt während dieses langen Zeitraums beigestanden und durch ihre Unterstützung ein Werk fördern halfen, das den heiligsten Interessen unserer Religion dient, muß es ein erhebendes Bewußtsein sein, die ausgedehnte und vielverzweigte Frucht ihrer guten That durchschauen zu können. Diejenigen, welche erst später unserem Unternehmen beitraten, sie werden sich bei diesem Ueberblicke ihres Entschlusses freuen und die Befriedigung haben, sich nach langem oder kurzem Schwanken dem Guten angeschlossen und an dessen Förderung mitgewirkt zu haben. Aber auch Diejenigen, welche noch immer unsrer heiligen Sache fern geblieben, sie haben Gelegenheit, sich von der Wichtigkeit derselbeit zu überzeugen, der segensreiche Fortbestand während eines Vierteljahrhunderts wird sie veranlassen, das Bedürfniß, die Existenzberechtigung der Anstalt anzuerkennen, und aller etwa noch obwaltenden Zweifeln über deren wohlthätize Wirksamkeit sich zu rntschlagen. An Sie Alle, verehrte Glaubensgenossen, richte ich die innige Bitte, bei der Unterstützung unserer Anstalt mitzuwirken, beziehungsweise ssolche noch weiter auszudehnen. Setzen Sie uns in den Stand, die Grenzen unserer Anstalt zu erweitern, um der Zukunst sorgenlos und hoffnungsvoll entgegengehen ju können. Bedenken Sie, daß durch Einführung des Musikunterrichts, durch die Erweiterung der Anstalt durch einen dritten Seminarkurs, durch die auf unserem Gebäude lastende Hypothek, die Ausgaben sich ganz wesentlich gegen früher gesteigert haben, so daß wir um so mehr auf reichere Zufließung von Unterstützung angewiesen sind. Nebstdem aber wäre es sehr erwünscht, wenn es uns ermöglicht würde, einen Tribut der Anerkennung dadurch zu zollen, daß wir den an ihr schon eine lange Reihe von Jahren gewissenhaft wirkenden Herren Lehrern ihre materielle Stellung entsprechend zu verbessern suchen. Möchtet: daher Alle, denen es möglich in diesem Sinne für unsere Anstalt zu wirken, insbesondere die ehrw. Herrn Rabbinen, Vorstände und Lehrer, es nicht unterlassen, uns in diesem unserem Streben für Gott und die Menschheit zu unterstützen, besonders bei freudigen Gclegenheiteit oder auch bei andern Anlässen die Anregung zu Spenden, Schenkungen und Stiftungen für unsere Anstalt zu geben. Die Zusicherung des schönsten Lohnes hierfür ist in unseren heiligen Büchern verzeichnet. (Spr. Sal. 21, 21). „Wer nach Wohlthätigkeit und Liebe strebt, findet Leben, Heil und Ehre" (Jesajas 32, 17). „Und der Erfolg der Gerechtigkeit, der Wohlthätigkeit wird Friede, Ruhe und Sicherheit ans ewig sein." Aus Wiesbaden wird in Bezug auf die verflossenen hohen jüdischen Feiertage von einem Soldaten dem „Jsr. Volksbl." das Nachfolgende geschrieben: „Und so wären sie denn vorüber — die Tage, die manchen so furchtbar dünken und von denen er spricht: sie gefallen mir nicht. So ganz haben sic diesmal auch Ihrem Korrespondenten nicht gefallen, denn während die Gläubigen durch Gebet und Kasteiung sich auf die hohen Festtage vorbereiteten, stolzirte er in dem bekannten zwiefarbigen Tuche, in den bekannten zwiefachen Schrittmaßen auf den anmuthigen Exerzierplätzen und sonstigen Gefilden Wiesbadens einher. — Soldatenthum und hohe Festtagsftimmung wollen sich nicht recht vertragen. Während der Prophet den Reuigen darstcllt unter dem Bilde des Rohres, welches das Haupt sinken läßt, muß der Soldat auch an diesen Tagen den Kopf hoch tragen, als ob ihm — nach einer Kraftprobe unteroffizierlichen Gcdankenschwunges geredet — ein ganzer Thaler die Tasche beschwerte. Indessen fühlt auch der rauhe Kriegsmann an diesem Tage das Bedülfniß, Frieden mit scincm Gotte und seinem Bekenntnisse an geweihter Stätte zu schließen. Daß dies Ihrem Correspondenten und seinen „Mitkämpfern" ermöglicht wurde, ist lediglich dem Rabbiner der orthodoxen Gemeinde zu Wiesbaden, Herrn Dr. K a h.'n zu danken. Mit wärmstem Eifer 1 und regster Energie trat der ehrwürdige Herr zu

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