Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 94 (2.12.1889)
- Date
- 1889-12-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1624 welches dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde vindizirt wird. Wir haben allerdings von der Umsicht der Leiter dieses Instituts eine viel zu hohe Meinung, als daß wir nicht von der Ueberzeugung durchdrungen wären, daß dem Verfasser seitens dieser Leitung schwerlich für diese Auseinandersetzung gedankt werden wird. Er ist zu offen und zu früh damit an die Oeffeutlichkeit getreten. Wir meinen aber auch, daß er zu spät damit gekommen ist. Denn mit dem Jnslebentreten der freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums ist dem D.-J. G.-B die Möglichkeit benommen, sich als Vertreter der Judenheit zu geriren. Es bedürfte nur des Hinweises auf die Existenz dieser Vereinigung, um einer solchen Prätension auch jeden Schein einer Berechtigung zu entziehen. Wir können es uns nicht versagen als Gegensatz zu diesen Bestrebungen für die Schaffung eines Staatsjudenthums, welches nur durch Verleugnung der Wahrheit und Permanenzerklärung des Gewissens- und Glaubensdruckes nach dem angegebenen Programm ins Leben treten kann, die Ausführungen hier zum Schluffe wiederzugeben, die von dem Begründer der freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums in seiner gegen die Verkümmerung der Gewissensfreiheit gerichteten Schrift: „Das Prinzip der Gewissensfreiheit und die Schrift des Herrn Rechtsanwaltes und Notars Mako wer über die Gemeindeverhältnisse der Juden in Preußen" niedergelegt sind. Samson Raphael Hirsch sagt: Wie anders stände es um das Judenthum in der heutigen Judenheit, hätten die Staaten das jüdisch-religiöse Gemeindeleben, wie von je, so auch da sich selbst überlassen, als der Jude mit Anfang des Jahrhunderts in den Kreis des europäischen Cultuslebens einzutreten begann, und damit die gegensätzlichen Richtungen innerhalb des Judenthums sich zu entfalten anfingen! Sich selbst überlassen, und nicht zu aussichtsloser feindlicher Umarmung zusammengezwungen, hätten sich die Gegensätze gar bald geklärt, hätten in der Freiheit sich nebeneinander entfaltet, hätten nur einen geistigen, sittlichen Wettkampf siegreicher Betheiligung des einem jeden innewohnenden Kernes der Ueberzeugungen bestanden, und hätten eben in solcher Bctheiligung um die Palmen der Wahrheit gerungen. Es hätte das alte Judenthum, wie cs von je ein treuer Hüter und Pfleger der geistigen Schätze seiner nationalen Wissenschaft und Literatur und gleichzeitig keineswegs den geistigen Strömungen seiner Umgebung perschlossen war, so lange cs nicht Ghetti-Einkerkerungen gewaltsam ifolirten, es hätte dieses alte Judenthum gar rasch sich mit allem Wahren und Edlen der europäischen Bildung befreundet und, indem es fortgefahren hätte, seine Institutionen der Erkenntniß und des Lebens, die unterm Drucke seine geistigen Hebel und sittlichen Erhalter gewesen, so wäre gar bald dem Bewustsein der Staaten die Erkenntniß aufgegangen, welche Schätze der Erleuchtung und Gesittung dann doch dieses alte Judenthum bei seinem Eintritte in das europäische Culturleben als Angebinde den Völkern mitzubringen habe. Und neben diesem lebensfrischen, unverkümmerten, heiterernsten alten Judenthum hätte dessen jüngste Tochter die Reform, offener Boden der Entfaltung gehabt, wäre auf sich selbst gewiesen, gezwungen gewesen, statt in bloßen Negationen in positiven Schöpfungen sich zu üben, und statt ihre Gebilde den Institutionen des alten Judenthums gewaltsam einzuimpfen und nur diese zu verkümmern ohne selbst zu eigener Blüthe zu kommen, wären sie genöthigt gewesen, in Schöpfung eigener Institutionen ihre Lebenskraft und Lebensfähigkeit zu erproben. Eine Klärung, bei welcher die Wahrheit eines religiösen Gemeindelebens wahrlich nicht zu kurz gekommen wäre. Alles dieses hat der vielgepriesene Zwang vereitelt. — — — Indem der Staat confessionelle Gegensätze von solcher Contrarketät, wie die jüdische Reform und die jüdische Orthodoxie, zu Einer Religionsgemeinschaft gewaltsam zusammenzwängte, sprach — ohne es zu wollen — e r es aus, daß im religiösen Gebiete Alles einerlei, somit Nichts Etwas sei, ward er ganz eigentlich der Vater und Erzeuger jenes Nihilismus, den er gewiß nicht als heilvollen Factor für die Völker- und Staatenbildung begrüßt. — Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. Mainz, 28. November. Vor uns liegt die Jubiläums-Ausgabe des Rechenschafts- Berichts über die israelitische Lehrerbildungs-Anstalt in Würz bürg für das sünfundzwanzigste Jahr ihres Bestehens von Nathan Bamberger, Distrikts-Rabbiner und Vorstand derselben. Ueber die Veranlassung zur Gründung der Anstalt wird mitgetheilt, daß am 7. Juli 1859 die Regierung die Radbinen aufgefordert habe, die Mittel anzugeben, durch welche dem Mangel an geeigneten jüdischen Lehrern abgeholfen werden