Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 93 (28.11.1889)
- Date
- 1889-11-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1608 Anhängern verschiedener Richtungen innerhalb des Judenthums hat der Staat nicht veranlaßt. Daß er es nicht that war nicht seine Schuld; er hat es einfach nicht können, weil die innere Nothwendigkeit für eine solche Sonderung innerhalb des Judenthums nicht vorhanden war, weil nicht tiefliegende Differenzen in der Auffassung religiöser Grundwahrheiten, sondern nur verschiedene, nach der mehr oder minder eingetretenen Veränderung des Geschmacks durch den Einfluß einer rationellen Zerstörung sich bildende, kaum unter ein gemeinsam esPrincip zu bringende Wünsche in Betreff des äußern Kults gewisse Spaltungen innerhalb des Judenthums veranlaßten, und weil darum die Möglichkeit für den Staat Theile, die facti sch als solche nicht.erkennbar waren und sich unseres Erachtens auch nicht werden erkennbar machen lassen, rechtlich als solche anzuerkennen, nicht obwaltet." Und der „Deutsch-Israelitische Gemeindebund" muß es doch wohl wissen, wofür trüge er sonst seinen Namen! Er hat es gesagt, und so ist es auch über jeden Zweifel erhaben: eigentlich tiefliegende Differenzen in der Auffassung der religiösen Grundwahrheiten sind in der Judenheit der Gegenwart nicht vorhanden, es handelt sich bei den hier und dort zu Tage tretenden Gegensätzen nur um gewisse Geschmacksverschiedenheiten, de gustibus ist non disputandam, die verdienen kaum erwähnt zu werden. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund hat es gesagt und — Brutus ist ein ehrenwerther Mann! — wer wagt es dessen Wahrheitsliebe und Urtheilsfähigkeit anzuzweifeln? Darum ist es eine ganze Kleinigkeit, ein einziges patentirtes Judenthum herzustellen; ein klein wenig Nachgiebigkeit von den Orthodoxen, ein klein wenig Entgegenkommen von Seiten der Liberalen, es handelt sich ja nur um untergeordnete Geschmackssachen! — die Staatskirche ist fix und fertig, eine allgewaltige Centralbehörde schwingt die Fuchtel, Schismenbildungen sind unmöglich, wer nicht auf die patentirte Staatskirche schwört, zählt nicht mit, die Antisemiten wagen nicht mehr zu Hetzen, in den Gemeinden verstummt die Stimme der Zwietracht, das goldene Zeitalter des Heils und Friedens hält seinen feierlichen Einzug. Ihr glaubt es nicht, ihr könnt es nicht fassen, daß solch Wunderbares durch die Verwirklichung des Ideals einer privilegirten Staatskirche mir einem Konsistorium geschaffen werde? Dr. Auerbach hat einen unumstößlichen Beweis dafür zur Hand. Seht, da haben die bösen Orthodoxen es im Jahre 1876 zu Wege gebracht, daß auch den Juden da volle Gewissensfreiheit und Glaubensfreiheit gewährleistet worden ist, daß nämlich einem jeden Juden das Recht eingeräumt wurde, wegen religiöser Bedenken aus der Synagogengemeinde seines Wohnsitzes auszutreten, ohne damit zugleich seinen Austritt aus dem Judenthum überhaupt auszusprechen. Ja es ist den solchergestalt Ausgetretenen sogar gestattet, sich zu einer eigenen Synagogengemeinde neben der altern bereits bestehenden und von ihnen verlassenen zu vereinigen. Und wißt ihr, was damit geschaffen worden ist? Es ist ganz schrecklich! „Und gerade hierdurch wurden die Schismen unter denJuden inPreussen wesentlich gefördert!" Seht, das kommt davon, daß man nicht auf den Ausspruch des weisen, wohlerfahrenen und wohlbedächtigen Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes gehört hat, sondern den Orthodoxen gefolgt ist. So rächt sich die Unvernunft. Nur schade, daß an diesem Allen auch nicht das Allermindeste der Wirklichkeit entspricht und alles zur Empfehlung einer jüdischen Staatskirche Vorgebrachte, sowie die Behauptungen des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes — mit Verlaub — unwahr sind. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzen. Deutschland. Mainz, 25. November. Wir erhalten folgende Zuschrift: Berlin, 24. November. In Nr. 91 Ihres gesch. Blattes brachten Sie eine Besprechung des in meinem Verlage erschienenen Jsr. Amtskalcnders. Darauf bezugnehmend erlaube ich mir, Sie um gef. Aufnahme folgender Zeilen höfl. zu ersuchen: Der Preis des Kalenders ist M. 1.50, nicht 2 M. wie irrthümltch angegeben. Wie mir Herr Dr. Loevy öfters schon mitgetheilt, ist derselbe sehr gern bereit, jedmögliche Verbesserung aufzunehmen. Daß einige Namen im Rabbinerverzeichniß weggelassen sind, liegt nur daran, daß Herr Dr. Loevy das Statistische Jahrbuch des D.-J. G.-B. zu Hilfe nahm, in welchem diese Namen sich nicht befinden. Selbstverständlich werden alle diese Mängel in den nächsten Jahren n"'N berichtigt werden. Ich brauche nicht erst zu betonen, daß auch alles vermieden werden wird, was irgend einen parteiischen Standpunkt annimmt. H. Engel.