Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 92 (25.11.1889)
- Date
- 1889-11-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1599 . k. k. der >ie Anchischen um die ußland n, zum Druck : neue t zwinausner r und ken zu tvanicki : Leute „Hotel hriften kischer, e zur weitet, lusgerhnbeangen inanzsnatsnBeimann ulden. : dort nnde- und ahren vtroie r der l von emen schon Povom of in Geld Mes kom- ^erze er , die karte Renaupt iten, geam . Bahnhofe zu arg wurde, verbot die Nordbahn denselben das Betreten des Bahnsteigs. Der Schauplatz wurde nun auf den freien Platz zwischen dem Stationsgebäude und dem Hotel de Lator verlegt. Dorthin postirten sich die mit Knitteln versehenen Treiber, welche die Auswanderer beim Verlassen des Bahnhofes sofort umzingelten und ins Hotel de Lator brachten. Solche Hetzjagden leitete Jwanicki persönlich. Ein neuer Ehrenmann trat auf den Schauplatz. Es war dies der Großgrundbesitzer und Mitglied mehrerer autonomen Körperschaften, Vincenz Zwilling. Er eröffnete seine Thätigkeit unter Betonung seiner sozialen Stellung durch eine Forderung an die Behörden, daß dem Treiben ein Ende gemacht werden Nlüsse, wogegen er selbst gewillt sei, eine reelle Agentur ins Leben zu rufen. Die Forderung hatte keinen Erfolg bei den an den anderen Agenturen betheiltgten Beamten. Vorher aber hatte Zwilling von den Löwenberg und Genossen eine Abfindungssumme verlangt. Er gründete nun selbst eine Gesellschaft. Ein gewisser Eikenmayer, der in Bremen wegen Betrugs 21 Monate Zuchthaus verbüßt hatte, wurde Bureauvorsteher, ein Adolf Löw Auswanderungsagent, Starnberger und Deutschberger, dann die der andern Agentur abwendig gemachten Treiber Hodia, Varerek, Vaad und Sekler bildeten den Stock der Organisation des „jungen" menschenfreundlichen Unternehmens. Die junge Agentur machte sich die Erfahrungen der alten zu Nutzen, es wurde nach bewährten Mustern gearbeitet. Ein wüthender Wettkampf entbrannte. Der Kampf wüthete in den entlegenen Dörfern unter den Agenten beider Agenturen, er wüthete auf den Bahnstationen, in den Eisenbahnwagen, wo man sich um jeden Auswanderer förmlich balgte; er wurde endlich ausgetragen in Oswiecim vor dem Stationsgebäude. Rückten früher bloß die bewaffneten Treiber der ersten Agentur vor dem Bahnhofe aus, so rückten jetzt auch die anderen aus, und beide feindliche Heere stellten sich am Ausgange auf, um die Auswanderer in Empfang zu nehmen. Die Scenen, die sich jetzt da abspielten, spotten jeder Beschreibung. Unter den Augen der Staats- und Ortspolizei begann ein blutiger Kampf der Treiber untereinander, jede Partei riß die Auswanderer an sich, die dabei gezerrt, gestoßen und geschlagen wurden. Nach beendetem Kampfe trieb jede Partei ihre Leute in ihre Geschäfte. Hierbei fragte man die Auswanderer gar nicht, ob sie über Hamburg oder Bremen reisen wollten, ob sie bereits Schiffskarten besaßen oder nicht, ob sie überhaupt nach Amerika auswandern wollten; denn die Untersuchung hat ergeben, daß zwei Personen gegen ihren Willen nach Amerika mit Gewalt expedirt wurden. Viele Auswanderer wurden förmlich auf den Händen weggetragen. „Das war ein Zustand der förmlichen Anarchie", sagt die Anklageschrift, „dem Niemand ein Ende machen wollte; das Zollamt als Grenzpolizei nicht, weil der k. k. Polizeikommissar Jwanicki zur Bande der Ausbeuter gehörte; die Oswiecimer Gendarmerie nicht, weil ihr der Bialer Bezirkshauptmann Födrich den Auftrag ertheilte, sich nicht einzumengen, weil dies dem k. k. Polizeikommissar Jwanicki überlassen werden muß; ebenso nicht der Magistrat von Oswiecim und der von Brzezinka, auf dessen Gebiet der Bahnhof stand, weil — weil die Agentur die Leute zu gewinnen wußte. „So bestand innerhalb der Staatsgrenzen ein Territorium, welche rechtlos in vollem Sinne des Wortes war." J. S. W. Italien. Rom. König Humbert hat an General Otto« lenghi ein Schreiben gerichtet, in welchem er sich über die Führung seines Corps bei den letzten Manövern belobend ausdrückte. General Ottolenghi zeigt bei jeder Gelegenheit, daß er stolz darauf ist, Jude zu sein und ist er ein häufiger Besucher der Synagoge; der Turiner Synagoge hat er schon oft große Zuwendungen gewidmet. Rußland. Petersburgs 15. November. Dem Reichsrath liegt ein neues Gesetz über weitere Beschränkungen des Aufenthalts der Juden außerhalb des sogenannten Ansiedelungs-Rayons vor. Feuilleton. M Mischer Philosoph über die jnt&tn. Von Karl Wiesenthal. Vor 150 Jahren wurde Christian Garve, dieser fromme und Helle Geist, in Breslau geboren. Leider verlor er seinen Vater schon in frühester Jugend. Aber eine vortreffliche Mutter war ihm übrig geblieben, und nichts hatte er in der Welt, woran sein Herz mit wärmerer und aufmerksamerer Liebe hing, als diese Mutter. Garve pflegte selbst zu sagen: Kinder, welche eine innige Liebe zu ihren Eltern haben, finden darin eine Stütze für ihre wankende Tugend, und der Gedanke an die Eltern erhält die zarten Jugendseelen auf dem rechten Weg, wenn sie bei dem, was sie thun, hoffen können, daß es den Eltern gefallen werde, Und noch