Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 92 (25.11.1889)
- Date
- 1889-11-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1598 Vereine gratulirten durch schön ausgestattete Adressen und ein solennes Festmahl in den Räumen der „Gesellschaft: der Freunde" beschloß die Feier. Möge es dem Jubelpaare gegönnt sein bis in's höchste Alter für die Erhaltung der drei Pfeiler, auf denen unsere Erdenwelt beruhet, wie bisher mit Freudigkeit wirksam zu sein. A. Berlin. Der Vorstand des „Centralvereins zur Vorbereitung der jüdischen Gemeindewahlen" hat am 18. November eine Sitzung abgehalten, zu welcher auch die Repräsentanten der jüdischen Gemeinde, Herr Justizrath Makower, Herr Commerzienrath Friedländer, Herr Stadtverordneter Heilmann, Herr Maurermeister Fränkel und Herr Gustav Löwenberg eine Einladung erhielten. Die Sitzung gestaltete sich — ganz besonders durch die Reden des Herrn Juftizrathes Makower und des Referenten, Herrn Conrad Scheyer, zu einer äußerst interessanten. Es wird für die Rabbiner Deutschlands von Belang sein, zu erfahren, wie der zweiteinflußreichste Mann der Berliner Gemeinde über die Qualifikation derselben denkt. Wir werden, wiewohl Rabbiner unserer Richtung ganz ausgeschlossen sind, über diese Angelegenheit eingehend referiren und auch unseren Standpunkt klar darlegen. A. Breslau. Wir haben von Herrn Rabbiner Dr. Rosenthal die Mittheilung empfangen, daß er nicht die Absicht habe dem Rufe nach Wien Folge zu leisten. St. Hamburg, 18. November. Die hiesigen Antisemiten hatten an den Reichstagsabgeordneten Wörmann ein Schreiben gerichtet, worin sie diesem ihre Hilfe für die nächste Reichstagswahl anbieten; die Antwort Wörmanns lautete, er würde es für eine Schmach halten, durch die Unterstützung der Antisemiten in den Reichstag zu gelangen. Liebermann v. Sonnenberg erklärte darauf in einer Hamburger Antisemitenversammlung, man würde Wörmann die Quittung für [i>tefen Brief bei der bevorstehenden Wahl zustellen. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Aus Galizien, 17. November. In der sonst wenig bekannten galizischen Stadt W a d o w i c e begann am 15. November die Durchführung eines Strafprozesses, dessen Bedeutung weit über die Grenzen nicht nur Galiziens, sondern der österreichischungarischen Monarchie reicht. Der Schauplatz der Vorgänge ist die [österreichisch-galizische Grenzstadt Oswiecim (Aufschwiz). Die 64 Angeklagten haben über ein Jahr in Untersuchungshaft verbracht. Der Hauptschuldige ist Marcell Jmanicki, k. k. Zollamtskontroleur und Leiter der Fr e m d eu-Polizei in Oswiecim, welchen die Anklageschrift als „ein Schandmal des österreichischen Beamtenthums" bezeichnet. Es handelt sich um die Uebervortheilung und Beraubung der aus Rußland und Rumänieu nach Amerika Auswandernden, zum großen Theil arme Israeliten, welche der Druck in ihrer Heimath veranlaßt hatte, sich eine neue Heimath zu suchen. Um die Auswanderer zu zwingen in Oswiecim bei der von Löwenberg, Klausner und Herz geleiteten Agentur der Hamburger und Bremer Schiffs-Expedienten die Schiffskarten zu kaufen, leistete der k. k. Polizei.Commissär Jwanicki nahezu Unglaubliches. Mit Knitteln versehene Leute trieben die eingetroffenen Auswanderer ins „Hotel de Lator", Eigenthum des Agenten Herz. Schriften in polnischer, deutscher, ruthenischer, slowakischer, ungarischer und hebräischer Sprache, welche zur Auswanderung aufmunterten, wurden verbreitet, ferner angebliche Dankesbriefe von bereits Ausgewanderten an die Oswieeimer Agentur. Bahnbeamte, vom Wagenschieber und Portier angefangen bis zu den Kontroleuren, Gendarmerie- und Finanz- Organen, wurden von der Agentur gegen Monatsgehälter zur Duldung und selbst zum thätigen Beistände gewonnen, und der k. k. Bezirkshauptmann Födrich bezog ein Jahresgehalt von 1000 Gulden. Der Bahnportier Gorski in Stroie nahm den dort eintreffenden galizischen und ungarischen Auswanderern die Fahrkarten nach Krakau einfach weg und zwang sie, über Neusandec nach Oswiecim zu fahren u. s. w. Kein Answanderer, der in Sillein, Stroie oder Sucha die Eisenbahan bestieg, konnte mehr der Oswiecimer Agentur entgehen, sie Alle waren von da ab ihrer Freiheit buchstäblich beraubt. Gegen solche Auswanderer, die über Bremen und nicht über Hamburg reisen wollten oder schon Schiffskarten besaßen, trat Jwanicki als k. k. Polizeikommissar in Action. Dieser führte solche, vom Agenten ihm bezeichnete Reisende .vom Bahnhof in sein Bureau, forderte ihnen ihre Papiere, ihr Geld uud die Karten ab und trug ihnen auf — Alles natürlich in der Eigenschaft eines k. k. Polizeikommissars — sich in der „k. k. Agenti" des Herz- Löwenberg Schiffskarten zu kaufen, sonst müsse er sie verhaften und abschieben lassen. Diejenigen, die kein Geld hatten, um sich eine zweite Schiffskarte zu lösen, übergab Jwanicki in der That der Gendarmerie zur Abschiebung. Jwanicki ist überhaupt der Typus eines geriebenen, schurkischen Beamten, wie ihn Gogol so trefflich in seinem „Revisor" geschildert hat. Als das Treiben der Agenten am