Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 92 (25.11.1889)
- Date
- 1889-11-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXX. Jahrgang. jßeilage ju JK92 des „Israelit" L„Iesthurun" Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 20. November. Fortsetzung der Besprechung des Rechenschaftsberichtes der Berliner Gemeinde. „Betreffs der kulturellen Angelegenheiten" wird auf den Jugendgottesdienst verwiesen, der vor einigen Monaten eingeführt wurde, gegenwärtig aber ruht, da nur die Räume der „Neuen sOrgel-jSynagoge" würdig befunden wurden diesem heiligen Zwecke zu dienen. Wenn die Herren glauben, die Kinder eilten nur um der süßen Melodien willen nach dem Gotteshause, so erlauben wir uns auf die Sabbatandacht, die in der großen Adaß-Jisroel-Synagoge stattfindet, zu verweisen, woselbst eine ansehnliche Zahl Schüler und Schülerinnen allwöchentlich erscheint, um zu unserm Gotte zu beten. — DieGemeindeschuleu werden von 1435 Kindern besucht, darunter die Knabenschule von 602, die Mädchenschule von 340, die beiden Religionsschulen von 453 Zöglingen. Aus der Lehrerbildungsanstalt sind seit der ersten Abgangsprüfung (1862) 200 Lehrer hervorgegangen, welche die staatliche Qualification für das Lehramt erhielten und mit der Befugniß für den Religionsunterricht versehen wurden. Im laufenden Semester befinden sich in der Anstalt 24 Seminaristen und 17 Präparanden. — Die Armenkommission, die über eine größere Anzahl Spezialstiftuugen verfügt, hat ca. 345 laufende Unterstützungen in monatlichen resp. periodischen Beträgen v. 6—30 M. und außergewöhnliche Unterstützungen in Beträgen von 6—450 Mk. verabreicht. Außerdem sind aus den Fonds fürversch äm te Armein Beträgen von.6—400 Mk. Unterstützungen gewährt worden. — Aus dem Retchenheim'schen Gemeinde-Waisenhause wurden in den letzten 3 Jahren 36 Zöglinge entlassen, von denen sich 9 dem Handwerker- und 11 dem Kaufmannsstande widmeten. Bon den Mädchen erlernten 10 ein Handwerk, 4 die Buchhall tung und 2 wurden zu Kindergärtnerinnen ausgebildet. Ein wesentliche Förderung erfuhr das Waisenhaus durch eine für dasselbe erbaute Turnhalle und durch einen in der Anstalt eingeführten Handfertigkeitsunterricht (Schnitzerei und Tischlerei). Letztere Institution soll besonders für ältere Knaben ein Antrieb sein zur Selbstthätigkeit und zur Wahl eines Handwerksberufes. Die Leitung der Anstalt ist überhaupt bestrebt, möglichst viele Zöglinge dem Handwerkerstande zuzuführen und unterstützt auch aus diesem Grunde vorzugsweise solche Zöglinge während ihrer Lehrzeit aus den Spezialfonds des Waisenhauses. 173 Waisenkindern, die ins Waisenhaus nicht ausgenommen werden können, widmet die Waisenkommisston ihre Fürsorge, welche in Verpflegung und Beaufsichtigung derselben besteht. — Dem Krankenhause der jüdischen Gemeinde wurde durch Allerhöchsten Erlaß vom 17. Januar 1887 die Rechte einer juristischen Person verliehen, und wurde dasselbe auch als eine milde Stiftung anerkannt, welche im Sinne des Gesetzes vom 30. 3Rai 1873 von der Erbschaftssteuer befreit ist. — Das mit dem Krankenhaus verbundene Siech e n h a u s verpflegt gegenwärtig 34 Personen. Den durch Siechthum erwerbsunfähigen Pfleglingen wird völlig freier Unterhalt und je nach Bedürfniß auch ein monatliches Taschengeld gewährt. — In beiden Häusern der Alterversorgungsanstalt befinden sich zur Zeit 154 Hospitaliten. Biele Wohlthäter bedachten die Wohlthätigkeits-Anftalten der Gemeinde mit Liebesgaben. Diejenigen 34 Gemeindemitglieder, deren Spenden den Betrag von 3000 M. überstiegen, werden namentlich aufgeführt. Die Einnahmen ergaben im Jahre 1888 die Summe von 2,087,922 M., die Ausgaben erreichten nur die Höhe von 1,975,427 M. Ein näheres Eingehen auf einzelne Positionen ergibt ein interessantes Bild von der Tendenz der GemeiOeleitung. N. D. Berlin. Eine silberne Hochzeit ist wohl nur ein Familienereigniß, und hat mit der Oeffentlichkeit wenige Berührungspunkte. Wenn aber eine Familie ihre Freudentage nicht nur mit Wohlthätigkeitsakten einleitet, sondern auch mit Werken, welche die Thora, unser heiligstes Gut, verherrlicht, so ist es Pflicht, ihrer öffentlich zu gedenken. Herr D. Struck, Vorsteher der hiesigen Beth-Hamidrasch-Gesellschaft, der diesen Ehrentag am 24. Marchefchwan beging, stiftete zu Ehren dieser Feier ein kostbares Sefer-Thora mit schönen Kle-kaudesch. Die Rabbinen des Bet-Hamidrasch, die Herren Dr. H. Hildesheimer und Biberfeld, überreichten dem Jubilar das Morenu-Diplom, die altehrwürdigen