Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 92 (25.11.1889)
- Date
- 1889-11-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1595 darmerie gelang es schon drei des Raubansalls verdächtige Bauern in Bely zu eruiren und dingfest zu machen. Der Zustand Friedmann's „und seine Gattin soll ein gefährlicher sein. — Der Verein zur Unterstützung der armen Zöglinge der Volksschule der hiesigen israelitischen Status guo-Muttergemeinde hielt gestern Abends seine Jahresversammlung unter Vorsitz des Präsidenten Dr. jur. Armin Nagy. Der Verein zählt 156 Mitglieder. An Einnahmen sind eingeflossen 463 fl.80 kr., welchem Betrage 358 fl. 21 kr. an Ausgaben gegenüberstehen. Seit dem Bestehen des Vereins wurden für Bekleidung und Schulbücher 4303 fl. 40 kr. verausgabt. Die Wahl ergab folgendes Resultat: Präsident Dr. Arm. Nagy; Vicepräsident Adolf Löwy; Sekretär Dr. Sal. Reichard; Kassier Jak. Wolf; Ausschußmitglieder: Alb. Friedlieber, Ad. Groß, Ludw. Reichhard, Arm. Kormos und Ad. Zimmer. — Unter reger Betheiligung fand in Veranno am 30. v. M. das Leichenbegängniß des im 89. Lebensjahre verstorbenen Nestors des dortigen Kaufmannsstandes Abraham Stern statt. Der Verblichene, der sich erst vor einigen Jahren vom Geschäfte zurückzog, hatte sich die Achtung seiner Mitbürger in hohem Grade erworben. öttvel. I. Während in Deutschland im Jahre 1648 der Westphälische Friede dem schrecklichen dreißigjährigen Kriege ein Ende machte, entstanden in demselben Jahre im Nordoften unseres Erdtheils Unruhen, welche große Trübsal über unsere Glaubensgenossen in Polen und Litthauen brachten. Die Kosaken, welche zu jener Zeit unter der Oberherrschaft des Königs von Polen standen, empörten sich. Ihr Hettmann Chmielnicki (russisch Chmel, von den Juden Chamil genannt) führte sie von Sieg zu Sieg und vergoß das Blut der Polen und Juden in Strömen. Da die Kosaken dem griechischen Ritus angehörten, waren sie auch vom Glaubenshaß gegen die römisch-katholischen Polen und gegen die Juden erfüllt. Man stellte den Juden vielfach die Wahl, sich taufen zu lassen oder unter den entsetzlichsten Qualen zu sterben. Viele Tausende wurden Märtyrer, die ihr Leben für nichts achteten, um den Namen Gottes zu heiligen. Der Krieg, durch mehrere Friedensschlüsse unterbrochen, währte eine Reihe von Jahren. Wohin die Kosaken kamen, richteten sie unter den Juden ein furchtbares Blutbad an, und es sollen während dieser schrecklichen Zeit 400,000 Juden, Männer, Frauen und Kinder ihr Leben verloren haben; denn die Unmenschen verschonten selbst die Säuglinge nicht, tödteten sie und warfen sie ihren Hunden vor. Viele jüdische Männer rüsteten sich zur tapfern Gegenwehr und fanden so den Tod. Wehrlose entflohen und wurden auf der Flucht niedergemetzelt. Vor einer Kretschme (Wirthshaus) hielt ein mit zwei Pferden bespannter Leiterwagen; in demselben befand sich Rabbi Ephrajim Kohen aus Wilna mit seiner erst vor wenigen Wochen verheirateten jungen Tochter Mirel und deren Gatten, dem jungen Talmudgelehrten Rabbi Jacob. Rabbi Ephrajim Kohen, Verfasser der Responsensammlung „Schaar Ephrajim", war einer der bedeutendsten Männer seiner Zeit, und noch heute wird sein Name von allen Kennern der talmudischen Literatur hochgeachtet. Als die Kunde von dem Heranstürmen der Kosaken kam, war er mit den Seinen eiligst entflohen. Der Kutscher hatte vor der an der Landstraße liegenden Kretschme halten müssen, weil Rabbi Jakob für seine junge Frau einen Labetrunk besorgen wollte. Er war eben abgestiegen und hatte sich in das Haus begeben, als der Schreckensruf erscholl: „Die Kosaken kommen!" Sofort hieb der Kutscher auf die Pferde und fuhr eiligst davon. Vergebens schrie Mirel, daß er halten solle, damit ihr Gatte wieder einsteigen könne. Er gehorchte nicht, denn er fürchtete für das eigene Leben. Verzweiflungsvoll rang die junge Frau die Hände; sie wollte zum Wagen hinausspringen, aber ihr Vater hielt sie davon zurück. „Mein Kind," sagte er, „Du würdest Dich nutzlos opfern. Möge Gott meinen Eidam beschützen! Wenn wir jetzt stillehalten und umkehren wollten, so würden wir uns dem sichern Verderben ausliefern, ohne ihn retten zu können. Schon hört man, wie die Hufe der Kosakenrosse die Erde stampfen. Daher lasse ab. Wir Alle stehen in Gottes Hand, und Er bestimmt über Leben und Tod. Wir aber dürfen uns nicht tollkühn in die Gefahr zurückbegeben." Mirel weinte still vor sich hin. Verloren schien das Glück ihres Lebens, verloren das Leben des geliebten Gatten. Von der Zeit der Kindheit an