Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 92 (25.11.1889)
- Date
- 1889-11-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1594 Rothschild, zwei Institutionen ins Leben gerufen worden, die zum größten Theil Armen von auswärts zu gute kommen. Wir meinen die beiden auf einem der schönsten Punkte der Außenstadt errichteten Spitäler, die als Musteranstalten gelten dürfen. Mitten in einem großen Garten erhebt sich auf dem Röderberge, von wo man eine herrliche Fernsicht über die Mainebene genießt, das vor ungefähr zwölf Jahren errichtete im edlen Style erbaute Spital für Erwachsene, das durchreisenden armen Kranken Aufnahme und Pflege gewährt. Hier ist nichts gespart worden, um alle Errungenschaften und Fortschritte der Neuzeit auf dem Gebiet der Krankenpflege und Spital - Einrichtungen, für dieses Institut zum Heile der Pflegebefohlenen zu verwerthen. Man stand aber hier nicht still; Freifrau v. Rothschild ließ neben diesem Spital ein solches für Kinder errichten, in der richtigen Voraussetzung, daß gerade die kleinen noch widerstandsunfähigen Kinder oft weniger an der Krankheit als an der durch Armuth bedingte mangelhaften Pflege und Wartung zu Grunde gehen, und daß in ärmlichen Verhältnissen durch die unzulänglichen Räumlichkeiten nicht selten die Krankheit eines Kindes Ursache zur Krankheit der übrigen, die mit dem kranken Kinde dasselbe Zimmer theilen müssen, wird. Diese Anstalt beschränkt aber ihre Wohlthätigkeit nicht nur auf die Armen hiesiger Stadt, sondern nimmt kranke Kinder aus der ganzen Umgegend auf. Möchte in vielen großen Gemeinden Deutschlands das hier gegebene Beispiel Nachahmung finden. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Aus Wien telegraphirt man uns: Zwei Vorstands-Mitglieder der Preßburger israel. Kultusgemeinde überreichten heute in der kaiserl. Kammer der Hofburg die üblichen, mit Bändern und Maschen in den österreichischen und ungarischen Landesfarben reich geputzten vier Martini-Gänse für den Hof. Eine derselben wanderte nach Laxenburg, die anderen, wahre Prachtexemplare, zurück in ihreHeimath Ungarn, nach Gödöllö. Pesth. Der griechisch orientalische Pope der Gemeinde Petrilla Johann Preda hetzte am Sonntag Nachmittags, einen Dolch schwingend, die zahlreich versammelten Bauern gegen die Juden, wobei er auch gegen den König und die Regierung beleidigende Ausdrücke gebrauchte, weil das Schankrecht des Ortes den Juden übertragen wurde. Preda forderte die Leute auf, am nächsten Morgen alle Juden der Gemeinde umzubringen. Als ein angesehener jüdischer Bürger ihn schweigen hieß, stürzte der Geistliche mit chem Dolche auf ihn los und drohte, ihn niederzustechen. Der Berichterstatter hält in Anbetracht der erregten Stimmung die Entsendung von Militär für nothwendig. Das genannte Blatt bemerkt richtig, daß der hochwürdige Herr betrunkener gewesen sein mochte, als seine Zuhörer, umso mehr sei es aber erforderlich, ihn unschädlich zu machen. S. A. Uhjeli. Vorige Woche wurde gegen Mitternacht an dem Fenster des Kis-Dobraer Wirthes Friedmann heftig geklopft. Durch das Geräusch erwachte der in der Wirthsstube schlafende Reisende, der mit seinen vier Kindern Abends ins Wirthshaus eingekehrt war. Der erschrockene Fremde eilte sofort ins Schlafgemach des Wirthes, das von der Schänke nur durch die Küche getrennt ist. Als Friedmann vor dem Fenster erschien, erblickte er vier Bauern, die um Einlaß baten; da er aber ihrem Verlangen nicht willfahren wollte, sagten sie ihm, daß er ihnen durch's Fenster einen Liter Branntwein reiche, was Friedmann auch that und nachdem ihm die Bauern den Preis des Branntweins übergeben hatten, schloß er das Fenster und ging wieder zu Bette. Kaum hatte er sich aber niedergelegt, ertönten nach einander drei Schüsse. Nachdem die Bauern nämlich durch's Fenster in Wirthshaus geschossen hatten, drangen zwei derselben durch das Fenster in die Schankstube, aus welcher der Fremde mit den Kindern flüchtete. Unterdessen bedrohten die Räuber den Wirth und forderten von ihm die Herausgabe der 1000 fl., die er fürW eizen angeblich erhalten habe und dieser übergab den Räubern seine ganze Baarschaft von 50 fl. Diese Beute hielten sie aber für zu gering und überfielen den Wirth und seine Gattin mit ihren Handbeilen und versetzten ihnen am Kopfe mehrere Hiebe, ja selbst mit dem Kinde der Wirthsleute hatten die Bösewichter kein Erbarmen, denn sie erdrosselten es fast. Da sie aber trotzdem nicht mehr Geld erhielten, durchstöberten sie das ganze Haus und steckten alles Werthvolle zu sich. Schließlich drohten sie dem Wirthe, ihm uud seiner Frau augenblicklich den Garaus zu machen, wenn er ihnen die in seinem Besitze geglaubten 1000 fl. nicht ausfolge. In diesem Augenblick kam das Dienstmädchen Friedmann's nach Haufe, und als sie die zwei vor dem Wirthshause spähend herumfchleichenden Bauern und das eingebrochene Feufter erblickte, schlug sie in der Nachbarschaft Lärm. Als aber die herbeigeeilten Nachbarn im Wirthshause erschienen, hatten die Räuber bereits die Flucht ergriffen. Der Gen-