Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 92 (25.11.1889)
- Date
- 1889-11-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1592 Aber vor allen wir, seine Nachkommen, die mit dem ganzen Dasein ein Produkt jener Liebesgröße Gottes sind, deren Kenntniß wir der Geschichte unseres Stammvaters verdanken, wir können noch heute die Lippen nicht zum Gebete öffnen, ohne Abraham's, des ersten Beters zu gedenken. Wenn wir aus dem Gewühl des Lebens uns mit unseren großen und kleinen Anliegen betend zu unserem himmlischen Vater flüchten, und uns das Bewußtsein immer neu beleben wollen, daß, wenn auch einer ganzen Welt unsere Wünsche und ihre Erfüllung lächerlich und unmöglich scheinen möge, wir ihrer Gewährung, aller menschlichen Anschau« ung und Berechnung ungeachtet, mit heiterer Zuversicht entgegenblicken dürfen, so ist es nmaK der Gedanke wie Gott sich im Leben Abrahams bewährt hat, welcher dieses unerschütterliche Gottvertrauen in jeder jüdischen Brust weckt und unverlierbar erhält. Dreimal täglich, bevor der Jude den Kampf mit dem Dasein aufnimmt, ja mitten in diesem Kampfe und wenn mit dem sinkenden Tag auch die kämpfende Hand sinkt, belebt sich der betende Jude die trostvolle, durch tausende von Jahren garantirte Ueberzeugung, er sei gegen alle Geschosse in diesem Kampfe durch den Gottesschutz und -Schirm gefeit und gesichert, den er geradezu den „Schild Abrahams" orrDN po nennt. Und wenn einst die Edlen aller Völker derselbe Geist, dieselbe Gesinnung zusammenführt, wenn sie die Ohnmacht aller irdischen Schutz- und Schirm-Veranstaltungen erkennend, Gott allein „die Schilder der Erde" überlassen und Ihn so endlich in seiner ganzen Erhabenheit erfaßt haben, so werden es die Enkel des ersten Beters sein, um die sie sich sammeln, die dann von allen als „das Volk des Gottes Abraham's" erkannt und anerkannt werden. (Psalm 47, 10.) pN wn 'nV *a omaa 'n ny isdxj v'vp *a»*u .rby: *ind Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 22. November. Wenn wir es nicht schon gewußt hätten, daß die israelitische Gemeinde zu Prag durch die Berufung des Herrn Rabbiner Dr. Ehren selb von Gnesen eine Wahl getroffen, zu der man ihr von Herzen Glück wünschen darf, so hätten wir es jetzt durch die wutschnaubenden Artikel der sogenannten Reformblätter, Neuzeit, Wochenschrift 2c. erfahren. Dieselben schimpfen weidlich auf den neuerwählten Oberrabbiner, auf die Prager Gemeinde-Repräsentanz und lassen es sogar an Verdächtigungen nicht fehlen. Wir sind fest überzeugt, daß der Vorstand der altehrwürdigen Gemeinde zu Prag in derartigen Wuthausbrüchen der Feinde des wahrhaften Judenthums nichts sehen wird als die Bestätigung, durch diese Berufung der Erhaltung unserer heiligen Religion einen unschätzbaren Dienst geleistet zu haben. Würzburg, im November. Am 12. dss. schied plötzlich ein Mann aus unserer Mitte, dessen Religiösität und Wohlthätigkeit es wohl verdienen, öffentlich hervorgehoben und auch in diesen Blättern erwähnt zu werden. Herr Moses Klau, früher in Theilheim wohnhaft, gehörte seit länger als 23 Jahren unsrer Gemeinde an, in der er sich durch seine rege Theilnahme an allen Gemeindeinteressen vielfache Verdienste erworben. Mit Glücksgütern und einem schönen Familienleben gesegnet, suchte er die Zeit seines Privatlebens auf die Uebung der 3 Hauptpflichten nnon ni/W min, mroy zu verwenden, indem er gerne jede Gelegenheit, um mm zu hören, benutzte, auch seine Söhne dazu anhielt und Thorabeflissene ehrte und unterstützte. Er war ein eifriger Besucher des öffentlichen Gebetes und versäumte wissentlich keine ros»; stets war er auch bereit, Wohlthätigkeitszwecke zu fördern, Arme und Hilfsbedürftige zu unterstützen. Dabei konnte man von ihm sagen und uy npn »»ki Bescheidenheit und Einfachheit zeichneten ihn aus. Sein Scheiden wird in unserer Gemeinde tief empfunden und fand dieses Gefühl durch die große Theilnahme bei feinem Leichenbegängnisse sowohl, als durch Worte an seiner Bahre beredten Ausdruck. Da der Verblichene viele Jahre Curatorium's - Mitglied der hies. isr. Lehrerbildungsanstalt war, so betheiligte sich dieselbe bei dessen Leichenbegängnisse durch die Lehrer und Zöglinge der Anstalt. Wird auch sein früher Heimgang sehr bedauert, so finden wir in seinen Söhnen würdige Nachfolger, indem dieselben feinem edlen Beispiele folgen und in gleichem Geiste leben. naiafr p'iu -di. Sein Andenken sei stets zum Segen! Berlitt, 20. November. Die Budgetkommission hielt heute eine interessante Sitzung über den Militäretat. Richter machte darauf aufmerksam, daß seit Jahren jüdische Soldaten kaum mehr befördert, namentlich nicht zu Offizieren der Reserve ernannt werden, daß ferner vielfach der gerechtfertigte Verdacht bestehe, daß Offiziers-Aspiranten von freisinniger politischer Gesinnung zurückgesetzt werden; er fragte an, ob darüber etwa Bestimmungen be-