Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 91 (21.11.1889)
- Date
- 1889-11-21
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1586 gegen alle Konfessionen geübt werden soll, so müssen sie auch von unten hinauf und durch alle Schichten geübt werden. Dahin zu wirken, das ist heute mehr als je auch die Ausgabe der Volksschule, und diese Aufgabe schließt keineswegs aus, daß wir gegen unfern eigenen Glauben, gegen die uns heilige Wahrheit, Liebe und Gerechtigkeit üben und sie als theures Kleinod festhalten. Im Ganzen genommen löst sich diese Aufgabe mehr durch unsere gesammte Handlungsweise, als durch Worte; aber auch die letzteren sind da am rechten Platze und Pflicht, wo ein blinder oder übelwollender Eifer, wo Engherzigkeit und Unwissenheit zu Verleumdungen und schiefen Urtheilen verleiten. In solchen Fällen kann der verständige Lehrer bei den Erwachsenen oft Vieles wirken, noch mehr aber soll er es sich angelegen sein lassen, die Herzen der Aus den Lehrervereinen. Aus Oberhesfen. Am 26. v. M. fand in Gießen, Hotel Rothenberger, die erste diesjährige Konferenz des israelit. Lehrervereins für Oberhessen statt. Die Sitzung wurde von dem Präsidenten, Wertheimer-Heldenbergen, mit einigen begrüßenden Worten eröffnet. Derselbe machte Mittheilung von dem am 4. Januar erfolgten Ableben des Kollegen Harris- Niederwöllstadt und dem kurz darauf erfolgten Tod seiner Frau, sowie von den Seitens des Vorsitzenden gethanen Schritten behufs Unterbringung der Relikten. Er legte ferner Rechenschaft ab über die Thätigkeit des Vorstandes, die definitive Anstellung der Israel. Religionslehrer Hessens herbeizuführen. Hierauf ertheilte er das Wort an Frank-Vilbel zu seinem Vortrag: „Der jüd. Religions-Unterricht im ersten Schuljahr." Referent gab ein anschauliches und getreues Bild, wie die Behandlung des neu eintretenden Kindes und wie der grundlegende Unterricht beschaffen sein solle, betonte, daß sich Letzterer genau dem in der Volksschule anpassen müsse, und daß es im Interesse eines gründlichen Unterrichts cmpfchlenswerth sei, die Elementarklasse allein zu unterrichten. Der hebr. Leseunterricht solle nach der Lautiermethode betrieben werden, daneben seien die Benedictionen fleißig zu üben und auch die biblische Geschichte könne mit richtiger Auswahl des Stoffes schon in den ersten Wochen unterrichtet werden. Referent hatte keine Thesen aufgestellt und wurden seine Ausführungen in fast allen Punkten gutgeheißen; nur über die Frage, ob mit dem He¬ Jugend vor Haß und Verachtung Andersglaubender zu bewahren. Bei aller Entschiedenheit ist es dennoch möglich, selbst die Unterweisung über die Lehrverschiedenheiten schonend, milde und liebevoll zu ertheilen, mit aufrichtiger Wahrheitsliebe und ohne Uebertreibung, mit steter Einschärsung endlich, alle Menschen mit Liebe zu umfassen und den ganzen Reichthum der christlichen Tugenden auch in Bezug auf confessionell von uns Getrennte zu entwickeln. Leider aber gibt es auch eine Hervorhebung der Unterscheidungslehren, und wir begegnen solcher selbst in verbreiteten Lehrbüchern, welche sich in Verleumdungen, Bitterkeiten und Spott gefällt, und diese Art der Hervorhebung ist eine Saat des Hasses und ein Verbrechen gegen die Gesellschaft, welches nur bittere Früchte bringen kann." — bräisch-Lesen sofort begonnen oder ob damit gewartet werden soll, bis das Kind geläufig deutsch lesen könne, fand eine längere Diseussion statt. Es erhielt hierauf das Wort Strauß - Gelnhausen zu seinem Vortrage: „Die Disciplin in der jüd. Religionsschule." Referent führte zunächst aus, daß die Disciplin die Grundlage und Vorbedingung für jeden Unterricht sei. Hierauf gab er die Ursachen an, weßhalb die Disciplin in der israelit. Religionsschule so schwer zu handhaben sei: unregelmäßiger und mangelhafter Schulbesuch, schlechte Beschaffenheit des Schullokals, der Schulutensilien, sowie der Schulbücher und dergl. mehr. Im zweiten Theil seines interessanten, stark humoristischen Referates zählte er die Mittel auf, wie trotz aller Uebelftände ein wenigstens leidlicher Zustand hergestellt Werden könne, betonte aber, daß vor Allem eine Consolidirung der Stellung des jüd. Religtonslehrers von Nöthen sei. In der darauffolgenden, äußerst lebhaften Debatte wurde seitens mehrerer Redner hervorgehoben, daß für manche der geschilderten, die Disciplin äußerst erschwerenden Mißftände den Lehrer denn doch eine größere Schuld treffe, als Referent zuzugeben geneigt war; daß sie existirten, wurde dagegen von keiner Seite bestritten. Man einigte sich schließlich auf folgende Thesen: 1. Der Disciplin, als Vorbedingung für jeden gedeihlichen Unterricht, hat der israel. Religionslehrer seine volle Aufmerksamkeit zu widmen. 2. Durch die precäre Stellung des israel. Religionslehrers und der israel. Religions-