Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 91 (21.11.1889)
- Date
- 1889-11-21
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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das(^ -OM UrthodM Muden-thumÄ Alaiter für die israelitische Schule. (Erscheinen in zwanglosen Nummern.) Nr. io., PsUsHS LW Hr., 9§, 4r».Rov. Inhalt: Was heißt Toleranz? — Aus den Lehrer-Vereinen: Aus Oberhessen. Aus Baden. — Briefkasten. — Bücher- Markt. — Was heißt Toleranz? Eine Worterklärung von Geheimrath Dr. Kellner. Mitgetheilt von Religionslehrer Emil Benjamin in Bitburg (Rheinland). Der als hervorragende Gelehrte und Schulmann rühmlichst bekannte Schulrath Dr. Kellner in Trier hat in seiner Vierteljahresschrift: „Der Schulfreund" (Jahrg. 1888, Heft 4) über die Bedeutung dieses Wortes eine Bemerkung geschrieben, die ihrer Wichtigkeit wegen die weitgehendste Beachtung verdient. Diese Bemerkung enthält zugleich das Programm genannter Schulzeitung, wie seiner Schriften überhaupt, und lautet wie folgt: „Mehr als je hat die Schule sich bewußt zu werden, daß sie verpflichtet ist, der Einheit des großen Ganzen durch die Pflege echter Toleranz zu dienen. Wohl zögert meine Feder, dieses Wort zu schreiben, weil mit ihm, wie mit so manchen anderen, an sich edlen Worten, schnöder Mißbrauch getrieben wird. Toleranz predigten die Encyklopädisten und die Revolutionsmänner von 1789 und mordeten daneben ihre Brüder; Toleranz verkünden noch heute alle Umsturzparteien, um nur für sich die Freiheit zu haben; Toleranz empfehlen jene Feinde alles positiven Christenthums, um ungestraft das Heilige verhöhnen zu können, und das Wort dient oft nur als Ausdruck der Gleichgültigkeit und Geringschätzung gegen die positiv christliche Wahrheit. Daß diese Deutung des Wortes nicht die unsere sein kann, braucht wohl kaum gesagt zu werden; aber auch, wenn wir es mit Duldung übersetzen, drückt es die Pflicht nicht aus, welche uns gegen Andersglaubende obliegt, und welche fort und fort durch die Schule gepflegt werden muß. Duldung ist oft nur eine beliebige, schwächliche Nachsicht, ein Ertragen, weil man doch einmal nicht anders kann; sie ist mehr subjective Willkür, als Gesetzmäßigkeit. Wir wollen mehr für unsere andersglaubendeu Brüder, wollen auch für sie die volle Anwendung des Spruches: Was Du nicht willst, das Dir geschehe, das thue auch keinem Andern! Wir müssen vorerst Gerechtigkeit gegen sie üben, treu dem königlichen Wahlspruche: 8uum euiguv, und ihnen daher Alles geben und lassen, was sie mit Recht fordern können. Aber auch dies genügt noch nicht. Wir sind unfern andersglaubenden Brüdern auch Liebe schuldig, jene Liebe, die sich in Wort und That, nicht in schönrednerischen Phrasen äußert. Ja, Gerechtigkeit und Liebe sind unsere Pflicht, und^ wie sie vom Throne herab