Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1889-11-21 · Heft 91 (21.11.1889) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 91 (21.11.1889)
Date
1889-11-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447947-2448013--29056-2476767
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1578 und nicht „orthodoxes Rabbiner-Seminar." In Gollantsch ist nicht Auerbach, sondern Broh Rab- Obiner, der Briesener Rabbiner heißt Eppenstein, Rabbiner Höxter privatisirt augenblicklich in Berlin, Dr. Lewin an der Reform ist nicht Rabbiner und will es gar nicht sein, in Könitz amtirt Dr. O Grabowski. Der hebräische Druck ist nicht sorgfältig genug corrigirt. Die Zeittafel der Sabbatausgange für alle Gegenden Deutschlands ist von Herrn Prof. Schur, Direktor der König!. Sternwarte zu Göttingen, ausgearbeitet. Die aufwärts strebende Verlagsbuchhandlung hat den in schmuckem Einbände erscheinenden Kalender vortrefflich ausgestattet. *) M. Zeiturrgsuachrichte« und Correspondenzen Deutschland. Berlin. Auf welche Hindernisse ein deutscher Reichsangehöriger jüdischer Konfession bei einer Reise nach Rußland stößt, lehrt uns die Zuschrift eines Großkaufmanns, der seit Jahrzehnten ein bedeutendes und angesehenes Waarengeschäft in der Provinz Posen besitzt und weder mit deutschen noch mit den russischen Behörden jemals in Konflikt gerathcn ist. Dieser hatte vor, mit seiner Frau nach Russisch-Polen zu reisen, um dort das Grab ihres VaterS an dessen Sterbetage zu besuchen. Er ließ sich vom jLandrathsamte einen Auslandspaß zur Reise nach Rußland auszustellen, den er nach Danzig sandte, um ihn dort durch Vermittlung eines Geschäftsfreundes auf dem russischen Generalkonsulat visiren zu lassen. „Nicht wenig erstaunt war ich aber," schreibt dieser Gewährsmann, „als ich postwendend von meinem Danziger Freunde die Nachricht erhielt, daß er das Visum von dem Generalkonsulat in Danzig nicht erlangen könnte, es sei denn, er verbürge sich mit seinem Ehrenwort dafür, daß ich christlicher Konfession wäre. Da ersuche er mich, mir vom Standesamt die Bescheinung ausstellen zu lassen, daß ich Christ sei. Nun wurde durch unsere Polizeibehörde ermittelt, daß zwar nach einer russischen Paßbestimmung von 1876 Juden Pässe nicht visirt werden sollen, daß je- *) Wir haben noch hervorzuheben, daß eine ganze Reihe orthodoxer Rabbiner im Verzeichnisse der Rabbiner fehlen, wie Dr. Kahn-Wieöbaden, Dr. Schiffer-CarlSruhe, Dr. Buttenwieser-Straßburg i. E. In Bingen ist der Reformrabbincr, brr erst seit einigen Monaten dort ist, genannt, während Herr Rabbiner Dr. Sänger, der seit säst 2 Jahrzehnten daselbst segensreich wirkt, mit Stillschweigen übergangen ist. — Red. doch nach einer Deklaration von 1883 (Punkt 2) größeren Geschäftsfirmen und Bankiers Pässe ohne weitere Formalität zu gewähren sind. Unsere Polizeibehörde schrieb daher auf meinen Wunsch nach Danzig, daß ich allerdings Inhaber eines bedeutenden Handlungshauses sei, daß also die erleichternden Bestimmungen für mich Platz greisen würden, und daß die Reise lediglich den Zweck habe, das Grab des Schwiegervaters zu besuchen, und bat alsdann noch darum, daß mein Paß visirt werde. Gleichzeitig schrieb ich an meinen Danziger Freund, der meinen Paß noch dort behalten hatte, daß er sich betreffs meiner Konfession irre, daß er aber nochmals zum Generalkonsulat behufs Visirnng gehen möchte, da inzwischen -meine hiesige Behörde Aufklärung gegeben habe. Umgehend erhielt ich von meinem Danziger Freunde die Nachricht, daß er auf dem Generalkonsulat war, daß der Herr Generalkonsul jedoch wieder und ungeachtet der Zuschrift hiesiger Behörde das Visum ablehnen müsse, da er den Besuch des Grabes nicht ^als ein Bedürfniß für meine Reise nach Polen gelten lassen könne; er stelle mir anheim, mich nach St. Petersburg, eventuell durch Vermittelung unseres auswärtigen Amtes, zu wenden. Einige weitere schleunige Versuche, das Visum ans konsularischem Wege zu erlangen, blieben erfolglos. Mich nach Petersburg zu wenden oder an das Auswärtige Amt in Berlin, um durch dessen Vermittelung in Petersburg meinen Zweck zu erreichen, war nicht mehr ^möglich, da inzwischen der Sterbetag herangekommen war, und ich bei derartigen Hindernissen schon auf die Reise verzichten mußte." Wir bedauern, daß unser Gewährsmann sich nicht wenigstens nachträglich an das Auswärtige Amt gewandt und sich über das Verfahren des russischen Generalkonsulats beschwert hat, das sich nicht einmal innerhalb der ohnehin schon so engen Grenzen der russischen Paßvorschriften gehalten zu haben scheint; den letzteren zufolge (hätte dem Betreffenden, als Inhaber einer größeren Geschäftsfirma, doch wohl ohne Weiteres das Visum gewährt werden müssen. Darf das deutsche Reich dulden, daß seine Bürger jenseits der Grenze als Menschen zweiter Klasse behandelt werdend (Bl. Tgbl.) Hamburg, 16. November. Der Antisemit Liebermann v. Sonnenberg beabsichtigte hier öffentlich einen agitatorischen Vortrag über die Reichsverhandlungen zu halten. Die Polizei versagte die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.