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Der Israelit · 1889-11-21 · Heft 91 (21.11.1889) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 91 (21.11.1889)
Date
1889-11-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1574 linge, welche bei ihrer Aufnahme nachzuweisen hatten, daß sie einen unbescholtenen Lebenswandel führten, daß sie arm und erwerbsunfähig sind, daß sie das 60. Lebensjahr bereits erreicht haben und weder bettlägrig krank noch mit Uebel behaftet sind, welches unausgesetzte Pflege erheischt. Die Kosten des Siechenhauses bestreitet der Pesther „heilige Verein" (Chewra Kadischa), welcher durch zahlreiche Spenden und Stiftungen in seinem humanen Wirken unterstützt wird. Ein eigenes Stechenhaus-Comitö verwaltet dieses Institut, dessen Präsident Sigmund Schoßberger de Tornya ist, Vizepräsident Mar- Ritter von Brüll, Oekonom Moritz Heidelberg jun. In jüngster Zeit ist die Wohlthätigkeits-Anstalt durch eine großartige Spende in die Lage versetzt worden, ihren Wirkungskreis auszubreiten. Herr- Hermann Kann hat nämlich 134.000 Gulden zu Gunsten des Siechenhauses gespendet und dadurch ist es ermöglicht, daß außer den Stiftlingen des Instituts auch noch andere würdige Greise und Greisinnen eine lebenslängliche Versorgung erhalten. Letztere erhalten einen monatlichen Beitrag von 30 fl. und können sich dafür nach Belieben verköstigen und einquartieren. Durch diese Stiftung ist es auch ermöglicht, das Siechenhaus selbst zu erweitern, was entweder durch einen Zubau oder durch Errichtung eines neuenGebäudes bewerkstelligt werden soll. Jedenfalls ist eine derartige Institution die humanste, welche nebst der Pflege der Kranken, die menschliche Barmherzigkeit zu schaffen vermag. Ein armer, verlassener Greis, eine hilflose Greisin sind mit ihren Schwächen Jedem zur Last und hoffnungslos verbringen sie ihre müden Tage ohne Aussicht auf ein friedliches Lebensende. Im Siechenhaus ist diesen Verlassenen eine freundliche Zufluchtsstätte geboten. Hier richten sich ihre sorgenfreie Gedanken von der Erde dem Himmel zu, und dankerfüllt erflehen ihre Lipven den Segen auf das Haupt ihrer Wohlthäter. Es gab auch einige bekannte Gestalten des Budapester Lebens unter den Stiftlingen des Siechenhauses. So den ehemaligen Musikprofeffor Salomon Sachsel, welcher sich selbst im Greisenalter nicht von seinem Clavier trennen konnte. Ferner den früher vielgenanten Professor der Handelswiffenschaften Ludwig Porges, sowie den alten Dux. den Vater des bekannten Schriftstellers Adolf Dux. Gegenwärtig befinden sich unter den Stiftlingen ein verdienstvoller Lehrer Namens Löwentritt und der Gelehrte Aron Pollak. Die Institution des Siechenhauses ist nur ein Zweig jener ausgebrciteten Wohlthätigkeit, welchen der Pesther „Heilige Verein" entfaltet. Diese altehrwürdige Corporation, welche nun schon seithundertJahren im Dienste der Humanität wirkt, verschmäht es, wie jedes wahre echte Verdienst, von sich reden zu machen und ihre Wohlthätigkeitsakte ausposaunen zu lassen. Im Stillen hat dieser Verein viel Thränen getrocknet, viel verzagte Herzen aufgerichtet. Unter dem hochverdienten Präsidenten Herrn Karl Reuß hat dieser im besten Sinne des Wortes niustergiltige Verein, dessen Devise zwei ineinander verschlungene Hände sind, einen großen Aufschwung genommen. Man.braucht nur den jüngsten Verwaltungsausweis durchzulesen, um den Eindruck zu gewinnen, daß man es hier mit einem Vereine zu thun habe, welcher die Nächstenliebe mit wahrer Begeisterung ausübt. Zum Baue des neuen Jsraeliten-Spitales hat der „Heilige Verein" 50,000 Gulden beigesteuert. Zugleich trägt der Verein 80 Percent des unbedeckten Spitalsbedarfs, während die Gemeinde nur 20 Percent auf sich genommen hat. Die Kosten des Siechenhauses beliefen sich auf 10,554 fl. 09 kr. Der Armen- und Kranken- Unterstützung sind im Vorjahre folgende Beträge zugeführt wvrden: An Stipendien in monatlichen und vierteljährigen Beträgen von 25 fl. bis 100 fl. ... fl. 4251.96; Unterstützungen an hier wohnende Kranke nebst Beistellung der Krankenwärter, sowie an sonstige dürftige Personen . . . 13.200 fl., an arme hierortige Familien. . . 3665 fl., an fremde Arme 2509.03 fl. Ueberdies versieht der Verein die Leichenbestattung, bei armen unentgeltlich, veranstaltet Gedächtnisfeier, hält die israel. Friedhöfe in Ordnung und gab für Wohlthätigkettszwecke allein im Vorjahre eine Summe von 60.327 fl. 32 kr. ausDer schönste Lohn krönt diese humane Vereinsthätigkeit: das Bewußtsein der erfüllten Pflicht gegenüber der leidenden Menschheit. „B. T.“ C£> (yft> 0N Anfang und Knde. Skizze au8 dem polnischen Aufstande im Jahre 1863. Von S. Horowitz. (Schluß.) Am Ende des Corridors befand sich ein anderes, aber ziemlich geräumiges Gemach, welches als Betzimmer diente. An den Feiertagen versammelten sich hier David's Glaubensgenossen, um die gemein-

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