Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 91 (21.11.1889)
- Date
- 1889-11-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1572 legen hinreichend Zeugniß davon ad, welche Erfolge er in diesem Zweige seiner Wirksamkeit zu verzeichnen hatte. Jede nur irgend wie geeignete Gelegenheit benutzte er, um für diesen Zweck zu sammeln und andere gleichgesinnte Männer für diese Sache zu begeistern. Er trat darum auch so vielen Vereinen bei, welche dieses Ziel verfolgten, und entfaltete eine eifrige Propaganda für dieselben. Um sich diesen Bestrebungen voll und ganz widmen zu können, überließ er den Betrieb seines kleinen Geschäfts seiner wackeren Frau und einer braven, tüchtigen Nichte, die ihn viele Jahre hindurch in aufopferndster, uneigennützigster Weise pflegte und ihm stets stützend zur Seite stand. Welche Hochachtung sich der Verklärte ^durch ein solches Wirken erworben hat, das bewies die Menschenmenge, die ihm das letzte Geleite gab, das zeigten die ergreifenden Reden der ehrwürdigen Herren Rabbinen Kohn-Jchenhausen, Witzmann-Schwaboch, Dr. Ansbacher-Fürth. Möge dieses karge Bild sein dem Verstorbenen zum Denkmal, den Lebenden zur Nacheiferuug. Berlin, 14. November. Die Heidereutersyriagoge hat wieder einmal Gelegenheit gehabt, einen altväterlichen Brauch den Gemeindegenossen in Erinnerung zu bringen. Der als Mauhel und Wohlthäter der Bedürftigen weithin bekannte Herr S. Hamburger hat anläßlich seines 70. Geburtstages der genannten Synagoge eine Sefer Thora geschenkt, welche beim Freitagabendgottesdienst feierlich eingeholt und unter den üblichen Simchas-Thora- Gesängen der heiligen Lade übergeben wurde. Mit einer kurzen Ansprache des fungirenden Rabbiners schloß die würdige Feier. — Auch der häuslichen Feier, welche in der Wohnung des frommen und gelehrten Jubilars stattfand, sei hier gedacht. Derselbe wurde von den Honoratioren der Gemeinde beglückwünscht. Beihamidrasch, Mauhalim - Verein u. a. V. überreichten künstlerisch ausgestatteteAdressen, zahlreiche Freunde und Verehrer erschienen, um ihrer freudigen Theilnahme Ausdruck zu geben. Mit einem Feste, bei welchem der Senior und Vors, des Berliner Rabbinates die feierliche Ansprache an den Jubilar hielt, schloß der für die Familie und Freundeskreis denkwürdige Festtag. A. Berlin, 14. November. Der Rechenschaftsbericht der hiesigen jüdischen Gemeinde ist in dieser Woche in die Hände der 11065 Wähler gelangt. Ein flüchtiger Einblick läßt uns die tadellose Musterwirthschaft erkennen, die wir in unserm Artikel „Die Berliner Gemeinde und ihrer Führer" gezeichnet haben. Es wird auf der einen Seite echt haushälterisch gespart und anderseits vornehm gesorgt und reichlich gespendet. Die Steuerzahler werden nicht überbürdet, werden vielmehr nach dem seit ungefähr Jahrzehnten bestehenden Grundbestimmungen mäßig eingeschätzt. Die aus den Steuern fließenden Einnahmen werden nur zur Deckung der laufenden Ausgaben verwendet, während zur Ausführung gröberer Bauten amortisirbare Darlehen ausgenommen werden, wodurch eine Ueberlastung der gegenwärtigen Generation verhütet wird. — Neue Grundstücke wurden erworben um die Zugänge der Hauptsynagoge zu verbessern und die Verwaltungsräume zu erweitern, damit — im Gegensätze zu dem Wunsche zahlreicher Gemeindegenofsen — eine vollständige Centralisirung des gelammten Verwaltungsapparates bewerkstelligt werden könne. — Ein 9tad)bar * törimbftütf der Synagoge mußte wegen der vom Besitzer beabsichtigten „Einschachtelung des monumentalen Baues" angekauft werden, wodurch eine Verdunkelung des Synagogenraumes verhütet wurde. — Das haben allerdings die Manhigim verschuldet, die nicht hingehen und beten, daß Gott uns vor dem Schochen ra behüte. — Der Lehranstalt für „die Wissenschaft des Judenthums" und der Lehrerbildungsanstalt" flössen wieder, wie in voriger Etatsperiode reichliche Unterstützungen zu, welche den Zinsen eines Vermächtnisses entnommen wurden, das zur Unterstützung wissenschaftlicher Institute hinterlaffen wurde. Berlin, 15. November. Ein stattlich Bändchen von 98 Großoktavseiten, das Verzeichniß der 11065 Steuerzahler Berlins liegt vor uns, wir blättern und forschen nach manchen berühmten Namen und finden zu unserer Freude, daß die Gerüchte, welche sie für uns todtsagten, unwahr sind; wie so Viele, die noch mit Herz und Seele treu am Glauben der Väter hängen, die — nach ihren Gesinnungen und ihrem Leben zu schließen — nicht anstehen würden die Makkabäerzeit wieder wachzurufen, wenn Drohungen gleich denen der Syrer ihnen den Besitz der heiligsten Güter versagen würden. Wir beklagen aber auch tief und innig, daß die 8000 Kaufleute, die 285 Banquiers, die 378 Fabrikanten, die 222 Händler, die 60 Börsianer, die 252 Handwerker, die 33 Buchdruckereibesitzer, 55 Buchhändler nicht allesammt am Sabbat und den Feiertagen ihre geschäftliche Thätigkeit ruhen lassen. Wenn sie nur fassen könnten, welcher Kiddusch-- Ha-Schem in ihrer Gewalt ruht, sie würden um eines vergänglichen Gewinnes willen nicht die Wonnen einer ewigen Seligkeit hinopfern. Die