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Der Israelit · 1889-11-21 · Heft 91 (21.11.1889) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 91 (21.11.1889)
Date
1889-11-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1571 Lauschen wir dem Lobgesang der Erde, mit der wir unauflöslich verbunden sind, zu welcher der Leib zurückkehrt am Ende der irdischen Laufbahn, lauschen wir dem Gesänge unserer Mutter Erde; sie singt uns immerwährend von der Fürsorge des allmächtigen Schöpfers und von der Bedeutung des kleinen Menschen, der auf der Erde nur einen kleinen Raum einntmmt und dennoch zur Stütze ihres Bestandes werden kann. Wie beseligend ist doch dieses herrliche Lied unserer Mutter: Du kleiner Sohn, du kleine Tochter, so gering und unbedeutend ihr auch erscheint, ihr könnt die Stütze eurer Mutter Erde werden durch euren frommen Wandel vor Gott. (Fortsetzung folgt.) Kilferuf aus Jerusalem. Jerusalem, 12. Cheschwan. Gestatten Sie, geehrter Herr Redacteur, daß wir uns hiermit an das Erbarmen und das Mitleid unserer edlen Brüder und Schwestern im Auslande wenden. Eine schreckliche epidemische Krankheit zieht verheerend durch die Straßen der heiligen Stadt. Tausende sind bereits daran erkrankt, und es ist kein Haus, in welcher nicht ein Kranker darniederliegt, ja in vielen Häusern unterliegen ganze Familien der schrecklichen Krankheit. In dieser Roth bedarf es vielfacher Unterstützungen, und unsere Hände sind leer. Deßhalb rufen wir das Erbarmen unserer edlen Brüder und Schwestern in der Ferne an, daß sie vom Tode erretten so manches kostbare Leben. Es ist eine Zeit des Drangsals und der Roth, die in ihrer Schrecklichkeit zu schildern ganz unmöglich ist. Darum, Ihr großmüthigen Brüder und Schwestern in der Ferne, die Ihr Euch schon so oft der Armen im heiligen Lande wirkungsvoll angenommen, zaudert nicht, uns Eure Hilfe schleunigst zu Theil werden zu lassen, und von der Höhe Seines heiligen Berges wird der allgütige Gott Euch segnen, wie es von Herzen wünschen die Oberrabbiner der vereinigten israelitischen Gemeinden in Jerusalem Panisel, Chacham Baschi. Samuel Salant, Oberrabbiner der aschkenasischen Gemeinden. (Die in Jerusalem erscheinenden Zeitungen schildern die traurigen Zustände in der heiligen Stadt in ergreifender Weise. Die Krankheit heißt „Dingha"; sie ergreift die Menschen plötzlich und wirft sie nieder Wir vereinen unsere Bitten mit denen der obengenannten Rabbinen. Eingehende Spenden werden schleunigst weiterbefördert werden. — Die Redaction *des Jsr. und Jesch.) Zeitungsuachrichtett und Correspoudenzen. Deutschland. Aus Bayern. Mit Salomon Ettenheimer y"j aus Kleinerdlingen ist einer der edelsten Menschen, der jedem frommen nvr als leuchtendes Muster dienen kann, aus dem Leben geschieden, und er verdient es, so wenig Anspruch er auch stets auf Anerkennung machte, daß seiner in diesen Blättern gedacht werde; denn es wird damit nur eine gerechte Pflicht der Pietät erfüllt. Der Verstorbene zeichnete sich vor allem durch seine hervorragenden Charaktereigenschaften aus; er besaß eine unbegrenzte Sanftmuth und Güte, gepaart mit der größten Menschenfreundlichkeit und dem Gefühle der Wahrheit und die höchsten Tugenden; er erwarb sich dadurch einen ausgedehnten Kreis von Freunden und Verehrern, die ihm bei jeder Gelegenheit sprechende Beweise der Ehrerbietung entgegenbrachtet; er war darum überall geliebt und hochgeachtet und verschaffte sich ein beneidenswerthes Ansehen bei allen Klaffen der Bevölkerung feines Heimathlandes. Was ihn in unseren Augen noch theuerer erscheinen läßt, das ist seine beispiellose Frömmigkeit; er gehörte zu dem nur noch kleine Häuflein deutscher omrv, die ein in jebem Augenblicke Gott geweihtes, beschauliches Leben führten. Jede Handlung seines wirkungsvollen Daseins, ja jeder Athemzug seines Lebens galt heiligen, edlen Zwecken. Alle freie Muße war für das Studium rwnpn urmn bestimmt, jeder Schritt von einem gottgefälligen Werke begleitet. Noch bis in sein Hobes Alter hielt er mit Aufbietung aller seiner Kräfte jeden Fasttag, und täglich legte der ohnehin von Natur aus schwächliche Greis den Weg nach der Stadt Nördlingen trotz Wind und Wetter beharrlich zurück, um dortselbft mit yio beten zu können. Fassen wir nun sein segensreiches Wirken für die jüdische Gesammtheit ins Auge. Wie viele Tausende von Armen und Bedrückten wandten sich an ihn um Unterstützung; hatte er auch nicht das Glück, ihnen aus eigenen Mitteln helfen zu können, so wußte er doch begüterte Glaubensgenoffen dafür zu gewinnen, den bedrängten Bittstellern zu Hilfe zu eilen, und wenige gingen leer aus. Die Hauptthätigkeit des Verblichenen war den Nothletdenden im hl. Lande gewidmet. Die Spendenverzeichniffe

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