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Der Israelit · 1889-11-21 · Heft 91 (21.11.1889) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 91 (21.11.1889)
Date
1889-11-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1570 ausschlteßt, was durch philosophisches Denken erreicht werden kann, der Offenbarung also nicht bedurft hatte. Diese sind: 1. Die Schöpfung der Welt durch Gott. Wenn auch die Philosophie, wie wir bereits dargelegt haben, zur Erkenntniß des einzigen Gottes zu gelangen vermag und in der Thal gelangt ist, so bleibt ihr doch der Begriff der Schöpfung verhohlen; sie betrachtet das Weltall als ein Ursprüngliches, Ewiges. Es bedurfte also der Offenbarung, um uns diese Wahrheit zu verkünden. Das Zeugniß der Schöpfung der Welt durch Gott ist uns der Sabbat. 2. Die Allmacht Gottes. Wir haben bereits dargelegt, daß die Philosophen den freien, persönlichen Gott nicht zu erkennen vermögen. Das Judenthum aber lehrt einen freien, persönlichen Gott, der nach Seinem Ermessen stets verfährt, der allmächtig ist. Das Zeugniß für die Allmacht Gottes ist das Peßachfeft, das uns verkündet, daß der allmächtige Gott ein Volk aus der Mitte des andern Volkes befreit hat. 3. Der göttliche Ursprung der Thora, die Offenbarung. Zur Erinnerung daran feiern wir das Schabuothfest. 4. Die göttliche Weltlenkung. Auch sie ist den Philosophen verhohlen, nach deren Meinung die Welt lediglich der Notbwendigkeit gehorcht. Das Neujahrsfest, der Tag des Gerichts, erinnert uns daran, daß Gott es ist, welcher die Welt lenkt und leitet, welcher des Richteramtes waltet. 5. Daß die reuigen Sünder Verzeihung erlangen und die Rückkehrenden in Gnaden wieder ausgenommen werden. Auch das ist eine Grundlehre unserer heiligen Religion, welchen ohne Offenbarung das menschliche Denken niemals hätte auffinden können. Daß das Böse durch Reue und Buße gleichsam ungeschehen gemacht werden kann, ist ein Grundsatz, ohne welchen die Menschheit dem Perderben geweiht wäre. Das menschliche Denken kann nur feststellen, daß der Verbrecher die Folgen der bösen That zu tragen hat; zu dem Begriffe der Sühne kann e8 aus sich nicht emporfteigen; dazu bedurfte eS der Offenbarung. Wir brauchen wohl kaum hinzuzufügen, daß der Versöhnungstag das lebendige Wahrzeichen dieser Grnndlehre ist. 6. Belohnung und Bestrafung. Das philosophische Denken kennt dergleichen nicht. Wenn alles der Nothwendigkeit gehorcht, wenn Jeder das thun muß, was er thut, so kann der Verbrecher nicht bestraft und der Tugendhafte nicht belohnt werden. Daß es eine Belohnung und Bestrafung gibt, das bezeugt uns, nach der Darlegung unserer Weisen im Anfänge des Traktates Aboda Sarah, das Hüttenfest. 7. Die Fortdauer der menschlichen Seele nach dem Tode. Wohl hat die Philosophie sich vielfach bemüht, dieses zu erweisen; allein ihre Beweise sind unzulänglich. Gewißheit schöpfen wir nur aus der Offenbarung. Das Beschlußfest mxy vdw deutet uns, nach Arama, die Fortdauer der menschlichen Seele nach dem irdischen Tode an. Die Fülle der Opfer an den sieben ersten Festtagen weist auf das mannigfach gestaltete Irdische hin, während am Beschlußfeste nur ein Stier, ein Widder dargebracht wurden, ein Hinweis auf die einheitlich gestaltete Seele. Es ist also nach der Lehre dieser Weisen die Offenbarung die Grundlage, auf welcher die göttliche Weisheit die Welt auferbaut hat. Anders faßt Rabbi Elasar ben Schamua die Sache auf, und wir glauben das Richtige zu treffen, wenn wir seine Lehrmeinung mit der des Perek Schirah für übereinstimmend halten. Da der allgütige Gott dem Menschen die Freiheit des Willens verliehen hat und da der Trieb des menschlichen Herzens böse ist von Jugend auf, so würde die Welt gar zu leicht in's Schwanken gerathen, wenn die Zahl der Säulen so groß wäre, wie die verschiedenen Weisen lehren. Namentlich in unserer Zeit, da Abfall und Sünde in wahrhaft erschreckender Weise überhandnehmen, müßten wir schier verzweifeln. Da lehrt uns nun Rabbi Elasar ben Schamua, daß es bereits Zeiten gegeben, in welchen nur ein Frommer den Zwecken der göttlichen Weltordnung entsprochen hat, und dieser ward zur Grundfeste der Welt. So Abraham, der einzig vollkommene Mann seiner Zeit, so Moscheh, da die große Menge des Volkes der Sünde verfiel. Rabbi Elasar ben Schamua lehrt.: Auf einer Säule steht die Welt, und diese heißt Zaddik, wie die heilige Schrift lehrt: Und der Fromme ist der Grundpfeiler der Welt. Und wenn alle Menschen der Sünde und dem Abfalle huldigen sollten, und nur Einer verharret treu und fest bei seinem Gotte und dessen heiligen Geboten, so ist er es, welcher der Erde ihre Sicherheit verleiht. Daher lauten die Schlußworte des Lobgesanges der Erde: Vom Ende der Erde Lobgesänge wir haben vernommen; Herrlichkeit dem Gerechten (dem Zaddik, welcher der Erde Stütze ist). Das ist der Lobgesang der Erde. Diese Erde, welche wir bewohnen, welche uns ernährt, die wir mit Füßen treten, sie singt uns von der ewigen Fürsorge Gottes und von der großen Bedeutung des in Gottes Wegen wandelnden Menschen.

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