Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 90 (18.11.1889)
- Date
- 1889-11-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1563 Ernste der Thematen, die er behandelt, anzuwenden weiß, das Feld der Halacha, welches der Verfasser mit seinem gewaltigen Geistespfluge so tief durchfurcht, ist bei ihm mit einem herrlichen Geist und Herz erquickenden Blumenrasen anmuthiger Sprache umsäumt, der uns die schwere Geistesarbeit um Vieles leichter und geringer erscheinen läßt. Daß die einschlägigen mathematischen und astronomischen Abhandlungen in diesem Werke den Verfasser auch auf diesen Gebieten als gewiegten Meister erkennen lassen, der es verstanden, durch klare, faßliche Darstellung, selbst jene, die in diesen Fächern nicht sehr heimisch, in denselben, mit seiner geschickten Führung auf leichte Art, einzuführen, ist auch kein geringer Vorzug dieses gediegenen Werkes. Wenn wir noch hervorheben, daß auch der Culturhistoriker manch Anregendes in diesen nar,vn finden dürfte, und schließlich auf die vom verewigten Sohne des Verfassers im schönen Hebräisch geschriebene ranpn und nrp und auf die Einleitung und einige eigene Arbeiten des erwähnten gelehrten Herausgebers Hinweisen, glauben wir genug gesagt zu haben, um die Fachgenossen zum Studium dieses Werkes anzuregen, das geeignet, einen wahrhaften Geistesgenuß darzubieten. Da diese Schrift nur den ersten Theil eines größer angelegten Werkes bildet und der Herausgeber nur durch den Erlös für diesen Theil in die angenehme Lage versetzt werden kann, auch die ferneren, gleichbedeutenden Theile durch den Druck zu veröffentlichen, so wäre cs sehr erwünscht, daß Diejenigen, die einen solchen Schatz nicht unbehoben sehen wollen, durch Ankauf des besprochenen 1. Theiles, der vom Rabbiner A. Kaßvan in Rimmk- Sarat, Rumänien, zu beziehen, die baldigste Drucklegung der folgenden Theile beschleunigen helfen würden min Vhj» Radautz, im Eheschwan. I. K un st ad t, Oberrabbiner. Zeitungsnachrichten und Correspondenze«. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Budapest, 4. November. Wer kennt nicht den klangvollen Namen der hochedlen Frau Johanna Bischitz? Wo gäbe, oder gibt es eine israelitische Gemeinde in Ungarn, in welcher dieser Name nicht mit den größten Segnungen überschüttet würde? Und doch kann das echt jüdische Herz nicht vollkommen froh werden, wenn es bedenkt, daß diese Frau, welche in unserem Lande am Himmel der Wohlthätigkeit die hellstrahlende Sonne ist, auch wie diese ihre Flecken hat. ES ist sehr beklagenSwerth, daß die wirklich gute und edeldenkende Frau sich nicht damit begnügt, von ihren Stammes- und Glaubensgenossen verehrt zu werden, sondern daß sie das wahre Heil und die größte Anerkennung in nichtjüdischer Weise sucht und — zu finden hofft. Der Hauptstädtische Armen- und Kindergarten- Verein wird in dankbarer Anerkennung der seltenen Verdienste, die sich Frau Johanna Bischitz durch eine lange Reihe von Jahren auf dem Gebiete der Humanität erworben, am 10. November 1889 in dem parkirten Hofe seines Anstaltsgebäudes, die aus Stein ausgeführte Büste der Frau Johanna Bischitz feierlichst enthüllen. Zu dem Behufe haben sämmtliche Humanitätsvereine der ungarischen Hauptstadt Circulare erhalten, sie mögen am Festorte mit ihren Fahnen erscheinen, was sie auch sicherlich thun dürsten. Der Festplatz wird daher einen überwältigenden Anblick gewähren, und die Feier wird voraussichtlich eine grandiose, wie sie in unserer Stadt noch nie gesehen wurde. Nach der Feier findet das Festbankett statt, (das Couvert nur zu drei Gulden). Es ist daher für Leib und Seele gesorgt. Freilich wird dabei, sowie überhaupt im ganzen Vereine, nichts koscher sein, als die 12,000 fl., welche Frau Johanna Btschitz von dem Gelbe des Herrn Baron Moritz v. H i r s ch diesem Vereine gespendet hat. DaS ausgegebene Festprogramm enthält 7. Nummern u. z.: 1. Gesang. 2. Präsidial-Eröffnung des Herrn Johann Radoeza. 3. Festrede des hochgeborenen und hochwürdigen Herrn Bischof Carl v. SzLsz. 4. Rede des hochgeborenen Herrn Oberbürgermeister Carl v. Rath. 5. Rede des hochwürdigen Herrn Dr. Samuel Kohn. 6. Schlußwort des Präsidenten. 7. Gesang. — Zur Steuer der Wahrheit wollen wir gleich jetzt bemerken, daß Dr. Kohn wohl ersucht wurde, bei dieser Feier zu sprechen, daß er aber mit aller Bestimmtheit und in aller Entschiedenheit erklärte, nicht sprechen zu können, trotz alledem haben die Veranstalter des Festes sich nicht gescheut, mit dem Namen des Dr. Kohn Mißbrauch zu treiben. Das Monument kann und wird auch ohne Mitwirkung des ganz korrekt handelnden Dr. Kohn enthüllt werden und wird seine geistliche Weihe durch den hschwürdigen Bischof erhalten! Budapest hat von nun an ein jüdisches Statuenpaar: im Nationalmuseum befindet sich die Marmorbüste des Aron Chor in, gewesenen Oberrabüiners von Arad, und in der Akaziengasse, im Hofe des Jnstitutsgebäudes, umgeben von einem Haine, die Marmorbüste der jüdischen Frau Johanna Bischitz! -