Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 90 (18.11.1889)
- Date
- 1889-11-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1564 Es ist gebräuchlich, Statuen zu bekränzen, wir wollen dies nun ebenfalls thun. Doch zuvor noch ein Wort über die wunderbare Genesis des Hauptstädtischen Armen-Kinder-Vereins, der sich veranlaßt sah, der seltenen Frau Johana Btfchitz, schon beim Leben die Ehre zu erweisen, die man sonst nur theuern Tobten angedeihen läßt. Vor mehreren Jahren traten einige arme Juden, Haufirer und Arbeiter, deren Weiber ebenfalls Arbeit suchen mußten, zusammen und gründeten unter dem Namen „Jaeobsquelle" einen Kindergarten, welcher den zu Hause sich allein überlassenen kleinen Judenkindern des Tages über ein Asyl bilden sollte. Die Mitglieder zahlten monatlich 20 Kreuzer. Die aufgenommenen Kinder hatten eine Bonne, die sie beaufsichtigte und die sie in jüdischer Weise erzog. Da kam ein gewisser Dr. Alexander Groß in die Bereinsleitung. Dieser famose Director, welcher sein System derart wechselte, daß er zuerst Allopath, dann Homöopath gewesen, bis er es jetzt glücklich dahingebracht, daß er Zahnarzt ist, führte in puncto der Religion dasselbe Manöver durch. Er war eine Hauptstütze des verrückten Szterönyi, unseligen Andenkens, und schaffte sofort in dem jüdischen Vereine die wichtigsten rituellen Einrichtungen ab, dabei bemerkend: er brauche keine Judenschule! Sofort kehrten die besseren Elemente wie Dr. Arnim Reich, Ritter des Franz Josephs Ordens, der damalige Präses, D. H. Spitzer, der damalige Controleur u. A. dem abtrünnigen Vereine, welcher schon lange nicht? mehr „Jakobsquelle", sondern „Israelitischer Armenkindergarten-Berein" hieß, den Rücken, und nun ging der eigentliche Hexensabbat los. Der Doctor und Zahnarzt änderte den „unschön" klingenden Titel des Vereins, er zog ihm den Namen „Israelit" gleich einem bösen Zahn aus. Freilich gtng's diesem Vereine ungleich besser, als früher. Es ist eine alte Geschichte, die ewig neu bleibt, daß es dem Renegatenthume hier auf Erden gutzugehen pflegt und wie bei den einzelnen Menschen, ist dies auch bei den Vereinen der Fall. Frau Johanna Bischitz gab dem getauften Vereine zuerst 5000 fl. und dann weitere 7000 fl., somit zusammen 12.000 fl. vom hochedlen Baron Hirsch. Die Hauptstadt gab sodann einen Hausgrund unentgeltlich her und erst jüngst wieder 350 lDMeter- Grund umsonst, so daß dieser Verein gut sundirt und in vollster Blüthe begriffen ist. Das Allermerkwürdigste dabei bleibt jedoch die Thatsache, daß Frau Julie Schönfeld, die Gattin des Weingroßhändlers Hermann Schönfeld, Ausschußmitglied der Pefther aut. orthodoxen Jsraelitengemeinde sich dafür hergibt, die Vicepräsidentin des abtrünnigen Vereines zu sein .... Wir könnten gar Vieles noch berichten, wüßten gar Manches noch zu rügen, doch wollen wir die Geduld der geschätzten Leser nicht ermüden und glauben auch mit diesen, obgleich nicht gerade anmuthenden Blumen die Marmorbüfte genügend bekränzt zu haben. Dem Judenthume ward das seltene Glück zu Theil einen Wohlthäter wie Baron Hirsch zu besitzen. Was und wieviel Segenbolles könnte in Israels Mitte geschaffen werden, wenn seine Rathgeber ihü besser berathen würden!!! Bartos. Aus Ungarn, 11. Nov. Erlauben Sie, hochgeehrter Herr Redakteur, daß ich dem verehrlichen Wiener Correspondenten in der Beilage zu Nr. 68 einen kleinen Trost zu Theil werden lasse, indem ich nämlich in der Lage bin, ihm die Versicherung geben zn können, daß es um die sür Ungarn bestimmte „monatliche 10000 Gulden-Schenkung" des Baron Hirsch auch nicht um Vieles besser bestellt ist. Die Verwaltung ist hier zwar nicht den Händen eines Missions - Schützlinges anvertraut; auch hat noch kein Verwaltungsmitglied das — gewiß zweifelhafte — Glück gehabt, ein von der Mission subventionirtes Blatt „für Kritik und Reform" herauszugeben; dagegen ist es aber eine bekannte und unbestrittene Thatsache, daß es ein unverzeihlicher Fehler ist, wenn der Bittstellende ein gesetzestreuer Jude ist. Und wenn das Aeußere > eines unglücklichen Juden verrathen sollte, daß er noch nicht alles, auf seine Abstammung und religiöse Richtung Hindeutende bau sich abgeschüttelt Hat. daß ihm die strenge Befolgung des Gesetzes kein leerer Wahn sei, daß er sich endlich der aufgeklärten Reform noch nicht ganz in die Arme geworfen habe: dann kann ihm Jeder im Voraus sagen, daß er die auf Papier und Tinte zu verausgabenden Kreuzer eher auf ein seinen Hunger stillendes Stückchen Vrod verwende. So wird allgemein behauptet, daß, wenn z. B. eine arme mit unmündigen Kindern zurückgebliebene Wittwe es wagen sollte, die barmherzige Verwaltung um eine Unterstützung anznflehen, sie der Gefahr ausgesetzt sei, einzig und allein darum vor die Thüre gestellt zu werden, weil dieselbe ihr Haupthaar bedeckt. Es soll mir zugleich gestattet sein, eines mir zu diesem Behufe von überaus verläßlicher Seite mitgetheilten, zur Aufklärung der Verhältnisse geeigneten Falles zu erwähnen. Es ist nämlich einem eine öff. rmr besuchenden -nna, der jeder Unterstützung seitens der Eltern entbehren mußte, gerathen worden, daß er sich an jenes Wohlthätjgkeits-Jnstitut mit der Bitte