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Der Israelit · 1889-11-18 · Heft 90 (18.11.1889) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 90 (18.11.1889)
Date
1889-11-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXX. Jahrgang. Beilage 90 des„Isrllelit^L„Ieschuruil" Leitend^ Artik-I. Z>ie 70jährige Iuöekfeier des Israelitischen Wohlthätigkeits-Bereins Chewra Gemilluth Chassodim am Dienstag, den 12. November 1889 in Köln. Man muß es freudig begrüßen, wenn ein Verein seinen 70jährigen Stiftungstag festlich begeht, der ausschließlich „Liebeswerke, Wohlthätigkeit und Humanität" auf seine Fahne geschrieben. Am 12. d. M. beging der in Köln im Jahre 1819 gegründete Israelitische Wohlthätigkeits-Verein „Chewra Gemilluth Chassodim" sein 70jähriges Jilbiläum. Der inhaltreichen Festschrift, verfaßt von dem Ehrenmitgliede des Vereins, Rabbiner Dr. Frank, die in schön ausgestatteter Form aus der lithographischen Kunst-Anstalt und Druckerei von Hugo Simons u. Co. hervorgegangen, entnehmen wir folgendes: Nach einer fast 400jährigen Verbannung der Juden aus Köln, der Stadt, die sie anderthalb Jahrtausend bewohnt hatten, wurden ihnen durch die großen Ideen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. die gegen Ende des vorigen Jahrhunderts auch durch Kölns Burgthore ihren Einzug hielten, diese Thore geöffnet und gestatteten auch den vertriebenen Juden wieder Einlaß. Am 17. April 1798 ist das erste jüdische Ehepaar aus Mülheim a. Rh. nach Köln gezogen. In den nächsten Jahren folgten noch 18 Familien, die im Jahre 1802 zur Bildung einer Gemeinde zusammentraten und ein Gemeindestatut entwarfen, das von den Betheiligten angenommen und unterschrieben wurde. Die Gemeinde entwickelte sich immer mehr, sodaß sie im Jahre 1819 am 12. November (18. Cheschwan 5580) dazu überging, den ersten Verein zu gründen, dessen 70jährigem Bestehen die Festschrift gewidmet ist. Ein zur Begehung einer würdigen Feier 'von der Generalversammlung des Vereins eingesetzter Festesausschuß unter Vorsitz des Herrn Eduard Jöhlinger war schon Hör einigen Monaten gewählt, um die entsprechenden Vorbereitungen zu treffen. Obgleich die Feier der Freude über das vieljährige Zusamvlenwirken so vieler gleichgesinnter Männer lebhaften Ausdruck geben mußte, so lag doch das Hauptgewicht, dem hervorragend religiösen und sittlichen Charakter des die Jubelfeier begehenden Vereins entsprechend, auf dem ernsten Gebiete. Demgemäß fand zunächst um 5 Uhr in der zur Weihe des Tages überaus prächtig geschmückten Hauptsynagoge ein Festgottesdienst statt. Bis auf den letzten Platz war das Gotteshaus besetzt, und inbrünstig sandten die andächtig Versammelten ihre Gebete zum Himmel, lauschten dem eigens hierzu von dem Cantor der Gemeinde, Herrn Blumenthal, arrangirten Chorgesängen. Ein Haupttheil des Gottesdienstes bestand in der weihevollen Festpredigt des Rabbiners Dr. Frank. Aufmerksam folgten ihr die sichtlich tief ergriffenen Versammelten: „Nicht wie der 70jährige Menschengreis, oft krank und altersschwach, sich nach der Ruhe des Grabes sehnt", so schloß der geistreiche Redner seine Predigt, „nicht als Greisin, sondern mit dem starken Geiste der Unsterblichkeit umgürtet, ohne jegliches Gepränge, wird auch fernerhin der Jubilar-Verein seine edle Zwecke verfolgen als Pfleger und Förderer der Wohlthätigkeit und in der Ausübung von Liebeswerken und Liebesdiensten in des Wortes eigenster Bedeutung, Wohlthätigkeit üben durch Unterstützung der Armen, Bedrängten und Leidenden; Liebeswerke üben an Armen und Reichen, Liebesdienste erweisen den Lebenden und den Tobten." Nach Beendigung des erhebenden feierlichen Gottesdienstes wurde der Freude Ausdruck verliehen. An dem im Louisensaale bereiteten Festmahle nahmen 300 Personen theil, und hierbei, wie bei dem Gottesdienste waren die verschiedenen Wohlthätigkeitsvereine Kölns und solche von auswärts, aus der Nähe und der Ferne sehr zahlreich vertreten. Namens des Festausschusses begrüßte der Vorsitzende desselben, Herr Ed. Jöhlinger, die Festversammlung in herzlicher Weise und ertheilte zum Toast auf unfern Kaiser Wilhelm II. Herrn Rabbiner Dr. Frank das Wort. Schon häufiger hatten wir den Genuß, die immer trefflichen Reden des Herrn zu hören, jedoch zündender dürften seine Worte wohl noch nie gewirkt haben, wie bei dieser Gelegenheit. Er betonte es besonders, daß der Gehorsam und das Beugen vor den Gottesgesetze dem Judenvolke angeboren sei, es beherrschen seit seinem Ursprünge und bei seinem Fortleben bis auf den heutigen Tag, in seinem

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