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Der Israelit · 1889-11-18 · Heft 90 (18.11.1889) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 90 (18.11.1889)
Date
1889-11-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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145s zu vergleichen. Die Sterne leuchten nur mit einem schwachen Schimmer nnd sind scheinbar klein und unbedeutend; und doch sind es Sonnen, unermeßliche Welten, und doch ist ihr Licht unverlöschlich, strahlend in Ewigkeit. Die Thätigkeit der Jugendlehrer ist aus den ersten Blick unscheinbar, unansehnlich; und doch ist sie die einflußreichste, die durchgreifendste und wirksamste, die sich überhaupt denken läßt. Sie bildet ja die heranwachsendeMeneration heran, sie wirkt ja auf die künftigen Geschlechter, wirkt auf die Ewigkeit. Die Jugendlehrer gleichen darum den schimmernden Sternen. Ja, der Verblichene war ein schimmernder, leuchtender Stern. Möge sein Licht fortstrahlen und nie verlöschen. Möge .der Geist der Tugend und der Gottesfurcht, den er seinen Zöglingen eingehaucht, sich erhalten, sich vererben und verpflanzen auf die späteren Geschlechter, daß sich an ihm bewähre und erfülle jene dem gottesfürchtigen Manne gegebene Verheißung moiy irpiL; „sein Tugendwerk hat einen Bestand für die Ewigkeit." Leipzig, 12. Nov. In der letzten Versammlung des antisemitischen Reform-Vereins äußerte Liebermann von Sonnenberg: die gesummte Leipziger Studentenschaft stehe inmitten seiner Partei. Diese Unwahrheit berichtigte das Tageblatt dahin, daß von den 4000 Leipziger Studenten kaum 800 Mitglieder des Vereins deutscher Studenten seien. Wie sich ferner die Prahlerei Liebermann von Sonnenbergs entpuppt, geht aus der Thatsache hervor, daß bei Beginn des Winterhalbjahres die Korporationen eine ganze Reihe von Israeliten aufnahmen und auch die alten Herrn bei Gelegenheit stattfindender Festlichkeiten stets mit Einladungen versahen. Herr von Liebermann scheint gar nicht zu bemerken, daß viele seiner Anhänger um des Vergnügens willen in die antisemitischen Versammlungen kommen, um des Humors willen, der daselbst herrscht, sonst aber um nichts! K. Wiesenthal. Oefterr. - Ungar. Monarchie. Wien. In den Appartements des Barons Hirsch im Grand Hotel fand gestern Vormittags eine Versammlung der Mitglieder jenes Wiener Comitss statt, welches zur Ueberwachung und Verwaltung der bekannten, von Baron Hirsch ins Leben gerufenen Millionen-Stiftung für Galizien und die Bukowina eingesetzt wurde. An der Besprechung nahmen die Baron Opper, Reichsraths- Abgeordneter Dr. Rapoport, Hofrath Pfeiffer, Sigmund Trebitsch, Fürth R. v. Thorsch, Armino Cohn, Prediger Dr. Jellinek u. A. Theil. Baron Hirsch gab zunächst der Hoffnung Ausdruck, daß seine Stiftung möglichst bald aktivirt werden möge. Die Statuten derselben dürften bald in günstigem Sinne erledigt werden. Nach seinen Berichten könne ein großer Theil der jüdischen Kinder in Galizien nur deßhalb keinen Schulunterricht genießen, weil in den bestehenden öffentlichen Schulen nicht genügender Raum für die Aufnahme dieser Kinder vorhanden sei. Es wäre daher vor Allem geboten, diese bereits bestehenden Schulen zu erweitern. Im Weitern sei darauf zu achten, daß die jüdische Jugend Galiziens und der Bukowina für die Ausübung von Handwerken und besonders des Ackerbaues herangebildet werde. Baron Hirsch sprach schließlich den Wunsch aus, das Wiener Comitö möge den gewesenen Reichsraths-Abgeordneten Herrn Fürth zu seinem Obmanne wählen. Das Comitö erklärte sich mit den Intentionen des Stifters vollkommen einverstanden. Schließlich.sprach Reichsraths-Abgeordneter Dr. Rapoport dem Stifter „als Galizianer und Reichsraths-Abgeordneter den Dank der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung Galiziens" aus. Baron Hirsch Habe mit seiner munifizenten und hochherzigen Stiftung nicht nur eine rechte That, sondern diese rechte That auch zur rechten Zeit ansgeführt. Prag. In der Nacht vom 8. auf den 9. d. M. wurde im israelitischen (Reform)-Tempel in Strakonitz ein großer Einbruchsdiebstahl verübt. Die Diebe waren durch ein Fenster eingedrungen, raubten aus dem aufgesprengten Opserstock alles Geld und trugen alle werthvollen Silbergeräthe davon. Sie begnügten sich jedoch nicht mit dem Raube, sondern rissen sämmtliche Thorarollen aus der Lade, zerrissen und zerstampften sie, beschmutzten die Gewänder, zerschlugen die Orgel, warfen die Candelaber um und verwüsteten überhaupt mit vandalischer Rohheit das ganze Innere des Tempels. Die Aufregung über die Schändung der Heiligthümer ist noch größer als über den vollführten Raub. Die Nachforschungen nach den Einbrechern werden zwar energisch betrieben, allein bisher ist es nicht gelungen, eine Spur derselben zu entdecken. Frankreich. Paris. Monatsbericht September der „All. Jsr. Univ." (Weltausstellung.) Das Central-EomttL hatte, um keine zu große Störung in den Elementarschulen hervorzurufen, keine besondere Arbeiten für die Weltausstellung in Angriff nehmen lassen, und hat demnach nicht direct ausgestellt; jedoch haben die

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