Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 90 (18.11.1889)
- Date
- 1889-11-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2447947-2448012--29034-2476744- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1557 Rees a. Rh., 12. November. Im Feuilleton o»j£pn n® stimmt das Monatsdatunl 22. Tebeth 383 (1623 Chr. Zeitrechnung) nicht zu dem Wochentage „Dienstag". Im Jahre mit der Kalendersorm fiel rwv n"i, also auch der 22. mb nicht auf Dienstag, sondern aus Sonntag. Dieses Datum ist allein zutreffend und das Datum im Texte sowie in der Unterschrift hiernach zu berichtigen. Auch Donnerstag, 17. Tebeth 383 stimmt nicht, denn der 17. Tebeth fiel auf Dienstag. Ich glaube daher, daß es statt 383 heißen muß 382; in diesem Jahre fiel der 22. Tebeth auf Dienstag (nijmp waren t"dh). Das chr. Datum für 3*30 war der 4. Januar 1622 (nicht 1623, wie die Anmerkung sagt). L. Cohen, Lehrer. Linz a. R., 6. Nov. Heute wurde die Leiche des Plötzlich verstorbenen Lehrers und Cantors der hiesigen Shnagogen-Gcmeinde, Herrn Leop. Mandel, zu Grabe geleitet. Seine Gemeinde, die in ihm einen edlen, hochgeschätzten Lehrer, einen geliebten, hochgeachteten Cultusbeamten verloren, folgte seiner Bahre. Die Gymnasiasten unter Führung ihrer Lehrer (der Verewigte hatte den Religionsunterricht am Gymnasium zu ertheilen) und seine Schüler zogen voran. Viele College» und Freunde von nah und fern waren gekommen, um dem geliebten Tobten die letzte Ehre zu erweisen. Herr Rabbiner Dr. Cohn aus Bonn hielt auf dem Friedhofe die ergreifende Trauerrede. Da blieb kein Auge thräneuleer. Herr Lehrer Friedberg aus Coblenz sprach trauernde Abschiedsworte namens der College». — 12 Jahre hat der Verblichene in seinem Amte hier gewirkt und weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus sich Liebe, Vertrauen und Achtung zu verschaffen gewußt. Ein edler, lauterer Charakter, ein treuer Freund und Berather, ein liebevoller, munterer Gesellschafter, ein erfahrener Schulmann, ein hochgelehrter jüdischer Theologe, — so lebte er, von Vielen geliebt, von Allen geachtet, von Niemanden geringgeschätzt. Nicht Sonnenschein nur fiel auf seinen Lebensweg, sondern auch düstere Schatten. Nicht Blumen nur hat das Geschick ihm gespendet, auch Dornen, viele Dornen hat er gefunden. Aber er hatte sich den Frieden und die Heiterkeit seines Gemüthes bewahrt, die im Verkehre mit ihm so wohlthuend wirkten. Er war ein Greis mit einem Jünglingsherzen. — Wenn der Werth eines Menschen nach der Summe der Achtung bemessen werden soll, die ihm entgegengebracht wird, so muß man vom sel. Lehrer Mandel sagen: Er war ein Mann, ein ganzer Mann an Herz und Geist. Friede seiner Asche! Sein Andenken fei zum Segen. (Neuwieder Ztg.) Kempen. (Prov. Posen), 4. Nov. Einen schweren, unersetzlichen Verlust hat unsere Gemeinde durch den Tod einer ihrer edelsten und frömmsten Männer erlitten. Am Freitag Abends, als die Ruhe und Weihe des Sabbats in sein Haus einzog, ging Herr Moses Freund in das ewige Leben ein. Plötzlich und unerwartet erfolgte der Tod dieses frommen Mannes, dessen ganzes Leben dem Studium der Thora und der Verbreitung des Gotteswortes gewidmet war. Herr Moses Freund wurde schon frühzeitig von seinem gelehrten Vater, der ntnin mra in Groß-Strelitz war, in das tiefere Studinm der rabbinischen Literatur eingeführt; später saß er zu den Füßen des berühmten Gaon, Rabbi Salomon Quetsch, des gefeierten Rabbiners in Leipnik, und eignete sich durch ununterbrochenes Studium einen so großen und gründlichen Schatz von rabbinischen Kenntnissen an, daß ihm von anerkannten talmudischen Autoritäten die Rabbinerautorisatkon ntnin mnn ertheilt wurde. Seit einer Reihe von Jahren wirkte Herr Freund als Lehrer in der hiesigen hebräischen Schule. Mit hingebender Liebe und innigem Verständniß widmete er sich diesem heiligen Amte und streute in die Herzen der Jugend die Saat der Gottesfurcht und der religiösen Erkenntuiß. Wie viele Kinder hat er für die großen Wahrheiten des Judenthums begeistert und zur Frömmigkeit und Gottesfurcht erzogen! Herr Freund war aber nicht nur mit den Kenntnissen, sondern auch mit den Tugenden eines Gottesgelehrten geschmückt. Er war ein dw nt im wahren Sinne des Wortes und gehörte zu jenen edlen Menschen, die der Prophet mit den Worten bezeichnet, iDn nnj/i wb, die mit Freude und Lust die Gelegenheit ergreifen, Werke der Menschenliebe und der Mildthätigkeit zu üben. Gottesfurcht und Menschenliebe waren die Grundzüge seines Charakters. Es waren in diesem frommen Manne die schönsten Tugenden des Herzens und des Geistes harmonisch vereinigt. — Die allgemeine Theilnahme und Trauer bei der Beerdigung, die heute Vormittags stattsand, legte von der hohen Beliebtheit und Verehrung des Dahingeschiedenen beredtes Zeugniß ab. An der Bahre hielt der hiesige Rabbiner, Herr Dr. L. Münz, eine tiefergreifende Rede. Er schilderte den Verblichenen unter Anderem auch durch die geistreiche Erläuterung eines sinnigen Spruches unserer Weisen. Zu den Schriftworten (Daniel 12, 3). „Die, welche Viele zur Tugend leiten, glänzen wie Sterne für die Ewigkeit" fügen unsere Weisen hinzu, rvpirn „darunter sind die Jugendlehrer zu verstehen;" diese sind den Sternen