Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 90 (18.11.1889)
- Date
- 1889-11-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1554 lend, wir hätten das Futurum erwarten sollen. Dieselbe abnormeForm findet sich Cap. 23.13 rpa »nro woselbst sie Raschi mit ->22 »nru pto erklärt. In diesem Sinne ist nach Hirsch's Pentateuch-Uebersetzung, der obige Uebertragung entnommen ist, auch unsere Stelle aufzufaffen. Gerade diese Form des Abdrucks enthält den Schlüffel zum vollen Verständniß dieser Verheißung: Gott spricht zu Abraham: Gleich Dir habe ich auch sie gesegnet und habe Dir auch von ihr den verheißenen Sohn bestimmt, d. h. nach Raschis Erläuterung des wu: seine Gewährung steht jeden Augenblick bereit, ich möchte ihn Dir bchs geben als Du ihn zu besitzen wünschest. Stilleigen d ist damit gesagt, was ausdrücklich gesagt werden konnte: Du brauchst es nur zu verlangen.' Nun wußte Abraham, daß ein Mensch von Gott eine Gnade erbitten kann, aber daß er sie deßhalb auch erbitten darf, davon war Abrahams feinfühlige Charaktergröße noch immer wett entfernt. Wir müssen diesen Adel der Gesinnung, wie ihn hier Abraham Gott gegenüber bekundet, wenn er uns voll und ganz klar werden soll, erst an einem aus dem täglichen Verkehr mit Menschen abstrahirtem Beispiele zu veranschaulichen suchen. Wenn ein hoher, fürstlicher Gönner feinem Freunde einen Diamanten mit der Bemerkung schenken würde, es sei dies der größte, reinste Edelstein, der sich überhaupt in Europa befindet, es gäbe aber in Indien noch einen herrlicheren, der Freund brauche es nur zur verlangen, dann solle er auch diesen haben und der Fürst fei selber bereit, sofort die Anstalten zu einer Reise nach Indien zu diesem Zwecke zu treffen, so ffühlen wir ohne vielen Zartstnn heraus, wie wenig würdig derjenige handeln würde, der nun den Gönner beim Wort nehmen und die Erfüllung dieses Versprechens auch wirklich verlangen wollte. Je sicherer der so Ausgezeichnete weiß, wie ernst dieses Versprechen gemeint ist, um so taktloser würde er zu handeln glauben, wenn er nun auf seinem Schein bestehen, und sich nicht mit dem bereits Gewährten und der hohen Huld freudig begnügen wollte, für die ein solches Anerbieten zeugt. So drückt Abraham, das Bewußtsein der von Gott ihm zugedachten Gnadenfülle freudig zu Boden. „Abraham fällt auf..sein Antlitz und lacht freudig auf, indem er im Herzen spricht, einem Hundertjährigen soll noch geboren werden, die neunzigjährige Sara sollte ein Kind habend" Abraham weiß', daß nach den Gesetzen der Natur und dem gewöhnlichen Lauf der Dinge, ihm der heißeste Wunsch seines Lebens für alle Zeit versagt bleiben muß. Abraham weiß auch, daß Gott als mmyo twd nrv % mit seiner Allmacht alle Gesetze natürlicher Nothwendigkeit weit überragt, sie jederzeit aufheben und so seinen Willen zur Geltung bringen kann, daß er somit auch die ein ganzes, langes Leben versagte Elternfreude noch dem hochbetagten Greisenalter gewähren kann. Aber, daß Gott einem menschlichen Wunsche zu Liebe, den natürlichen Laus aller Dinge unterbrechen, daß gar sein eigener Wunsch eine solche Umgestalung aller dieser natürlichen Schranken und Gesetze zur Folge haben solle, diese Anerkennung der eigenen Würdigkeit läßt Abraham in laute Freude ausbrechen, läßt ihn aber nicht wagen eine solche Bitte an die Allmacht Gottes nun auch zu stellen. Handelte es sich nicht um einen Wunsch, dessen Erfüllung einen solchen Umsturz aller menschlichen Berechnungen und natürlichen Voraussetzungen erforderte, so hätte ihn wohl Abraham wagen dürfen. Wären die beiden Steine unseres Gleichnisses bereit da gelegen, so wäre es gewiß weniger unstatthaft zu dem ersten auch den offerirten zweiten anzunehmen. Aber, daß zur Möglichkeit dieses Geschenks noch erst solche Veranstaltung getroffen werden müsse, in diesem Umstand liegt in erster Reihe das Unstatthafte auf ein solches. Anerbieten einzugehen. Abraham begnügt sich daher mit dem ersten Edelsteine und bittet, wenn nur Jschmael ein Leben vor Gott führen möge! „Da sprach Gott: Aber Sara Dein Weib soll Dir einen Sohn zeugen und Du sollst seinen Namen Jizchak nennen. Mit ihm werde ich einBündniß errichten-was aber Jschmael betrifft, so habe ich Dich erhört, siehe ich habe ihn gesegnet — — aber mein Bündniß werde ich mit Jizchak errichten, den Dir Sara zeugen wird zu dieser Zeit im nächsten Jahre." Nach allem bisherigen spricht sich der Sinn dieses Gotteswortes an Abraham, von selbst dahin aus: Du weigerst Dich von mir eine Umgestaltung der natürlichen Gesetze zur Erfüllung Deines Wunsches zu verlangen, Dein Wunsch wird aber doch erfüllt werden. Gott wird eine letzte Veranstaltung treffen, die nunmehr endlich so sicher zum Ziele führen wird, Abraham beten zu lehren, daß schon in Jahresfrist Dein Wunsch erfüllt sein wird, ohne deßhalb den Besitz und die segensreiche Entwickelung Deines bisherigen Sohnes zu beeinträchtigen. In dem Namen dieses Sohnes — pnsr — soll der laute Ausbruch der Freude für alle Zeit verewigt bleiben, die seine Verheißung veranlaßt und unwillkürlich einen so tiefen Blick in die Seelengröße des Vaters gestaltet hat.