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Der Israelit · 1889-11-14 · Heft 89 (14.11.1889) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 89 (14.11.1889)
Date
1889-11-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1543 fernstehe; im Gegentheil, als bei einer Gelegenheit Jemand, um eine Stelle zu erlangen, seinen Glauben wechselte, habe er den Betreffenden eben de sitz alb nicht angestellt. Diese Aeußerung des loyalen ung. Kultusministers ist "geeignet, bei den im Glauben „Schwankenden" und bei denen, die da glauben, daß unsere heilige Religion ihnen in ihrem Vorwärtskommen ein Stein des Anstoßes sei, ein wenig Achtung für das ererbte, theuere Gut zu verschaffen, und sie zu überzeugen, daß sie bisher in einem gewaltigen Jrrthume waren. L. G—g. Aus Ungarn, im October. (Unlieb verspätet.) Eine große Säule des orth. Judenthums ist umgeftürzt, eine Stütze, mit dem Lichte der min und unerschrockensten Wahrheitsliebe voranleuchtend. Herr Moses Nathan Jungreis, Oberrabbiner zu Tisza-Füred ist am 24. Elul in Folge eines langen hartnäckigen Leidens in den noch blühenden Alter von 57 Jahren von uns geschieden, uns alle in Trauer versetzend. Der Verschiedene war der Sohn des weltberühmten Rabbi Anschel Jungreis n"nbnw, Oberrabbiner in Tsenger. Was an ihm seine Familie, seine Gemeinde, die Ungar. Judenheit, ja das gesammte Judenthum verloren, das zu schildern überlasse ich einer kundigeren Feder. Bei dem Verblichenen waren große Frömmigkeit, umfassende Gelehrsamkeit, seltene Geistesschärfe brüderlich vereint. dwi rom ro: rwo ist mit Recht auf ihn anzuwenden; wer seine nntm und id)d. >-p*r anhörte, weiß es zu bezeugen, wie ein Geist seliger Freude die Gemüther seiner Zuhörer durchwehte. Er war lange Zeit der geistige Führer einer zahlreich besuchten nyvn, welches Amt er bis zu seinem Heimgang mit bewunderungswerther Selbstaufopferung leitete und tränkte er aus der Quelle der Thora die seinen geistreichen Worten lauschenden Bachurim. Das Leichenbegängniß gestaltete sich zu einem außerordentlich imposanten; trotz dem dieses nur einige Tage vor n"n war und daher seine Freunde von der Ferne abgehalten waren zu kommen, gaben ihm dennoch zahlreiche Freunde und Verehrer das Geleite, welche ergreifende Dnson hielten. nVd wyi. Pefth. Die Nagytötönyer israelitische Gemeinde hat auf der Frauenqallerie des Tempels ganz vorne eine neue Bankreihe mit Betsitzen Herrichten lassen. Jene Gemeindemitglieder, welche sich früher mit bedeutenden Geldopfern Betsitze in der ersten Bank erworben hatten, sahen sich dadurch, daß ihre Sitze nunmehr in die zweite Reihe kamen, in ihren Rechten verkürzt und verlangten im Prozeßwege die Zuweisung von Betsitzen in der ersten Bank. Das Bezirksgericht für den Pesther Landbezirk fand die Klage der betreffenden Gemeindemitglieder berechtigt und wies den Gemeindevorstand an, bei sonstiger Exekution den Klägern die von ihnen beanspruchten Betsitze einzuräumen. Die kön. Tafel indeß hat — wie „UgyvMek lanya“ mittheilt — dieses Urtheil abgeändert und die Kläger mit ihrem Verlangen abgewiesrn, weil der Erwerber des Betsitzes nur das Recht erworben hat, während des Gottesdienst einen ihm gehörenden Sitz zu benützen, was aber — Mangels einer anderen Vereinbarung — die Gemeinde als BethauSbesttzerin nicht hindern kann, nach Maßstab der sich immer vergrößernden Zahl der Gemeindemitglieder im Betsitzstand Aenderungen vorzunehmen. Die kön. Kurie hat das zweitinstanzliche Urtheil bestätigt. Päpa. Trotz der zu erwartenden großen Schwierigkeiten hatte unser Oberrabbiner, Herr Dr. Salomon Breuer, kurz nach seinem Amtsantritte das große Unternehmen gewagt, eine jüdische orth. Realschule zu creiren, die nach dem Muster der gleichnamigen Anstalt der Frankfurter israel. Religionsgesellschaft der Devise oy „min ne’ p» *m" Rechnung tragend berufen wäre, den glaubenstreuen jüd. Eltern in Ungarn eine Lehrstätte zu bieten, in der ihre Kinder neben einer strengen jüdisch religiösen Erziehung und Ausbildung , auch ihre weltliche Ausbildung erhielten. Wer die vi len Mühen und die aufreibende Thätigkeit mitangesehen hatte, die nöthig waren, die Angelegenheit im Schoße der eigenen Gemeinde spruchreif und dem Minister die Idee einer jüd. orth. Realschule begreiflich zu machen, konnte darüber keinen Augenblick im Unklaren sein, daß es sich hier in der That um eine der Institutionen, um ein Werk unberechenbarer Tragweite für das ungarische orth. Judenthum handle. Infolge minister. Erlasses konnte denn auch der 1. Jahrgang mitBeginn des Schuljahres 1878/79 mit 50 Schülern, die sich aus allen Theilen des Landes recrutirten, eröffnet werden. Wer unbefangen genug war, die Sache vorurtheilsfrei zu beurtheilen, konnte der Anstalt das günstigste Prognostikon stellen, um so mehr, als sie neben ihren eminenten Leistungen in den jüdischen Lehrfächern auch in den profanen Wiffenschaften ein n ungeahnten Erfolg erzielte. Allein die Zeit war dem Unternehmen nicht hold. Die Institution war von der eigenen Partei in ihrem Streben verkannt und angeseindet und mu te nach einjährigem Bestehen zum Leidwesen ihrer Freunde und zum

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