Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 89 (14.11.1889)
- Date
- 1889-11-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447947-2448011--29024-2476733- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1544 Schmerze der betreffenden Eltern geschlossen werden. — Seitdem haben sich die Verhältnisse in Ungarn geändert. — Heute wird der Abgang der Anstalt selbst in den rigoresesten orth. Kreisen schmerzlich empfunden. Zu desto größerer Genugthuung dürfte es nun den interessirten Kreisen dienen, daß sich Herr Dr. Breuer mit der Idee trägt, die Anstalt von Neuem ins Leben zu rufen. Hoffen wir, daß nicht nur die hiesige Gemeinde, sondern das ganze o th. Judenthum des Landes die selbstlosen Bemühungen unseres Rabbiners nicht nur unterstützen, sondern die Sache zur eigenen machen und aus allen Kräften bestrebt sein werde, ein Werk fördern zu helfen, das heute eine Lebensfrage der ungar. orth. Judenheit bildet und geeignet ist, demselben nach Außen und Innen Ansehen und Geltung zu verschaffen. Herrn Dr. Breuer aber rufen wir zu: pow p:n "j’n^N 'i *py ’D nnn Vxi pyn\ Galantha, 9. November. Am 5. d. wurde das von der aut. orth. Gemeinde Galantha neu erbaute Schulhaus unter großer Betheiligung der Gemeindemitglieder, der christl. Geistlichkeit und zahlreicher Beamten feierlich eingeweiht. Das Gebäude erforderte einen Aufwand von 10,000 st. Der Schulinspektor, Herr königl. Rath Joseph Roth aus Preßburg, dem die Eröffnung der Schule übertragen worden, drückte mit warmen Worten seine Freude über die Errichtung dieses Schulgebäudes aus. Einweihungsreden wurden außerdem von Herrn Oberrabbiner Friedmann, dem Präses der Gemeinde Herrn Feldheim und Herrn Lehrer Grün gehalten. Am gleichen Abende feierte die hiesige trän nw ein DVD über mDzv todd, an welcher beinahe sechs Jahre, aber gründlich D'Bnsön oy gelernt wurde. Bei der Mahlzeit fehlte es nicht an schönen Reden. Italien. Aus Florenz wird geschrieben: Die gegenwärtig in ganz Italien unter lebhafter Erregung sich vollziehenden Wahlen für die Munizipal- und Provinzialräthe haben in unserer Stadt eine beschämende Episode gezeitigt. Am Freitag nämlich erschienen an den Mauern der Häuser Plakate mit der Ueberschrift: „Fuori gliebrei“, der italienischen Uebersetzung des bübischen Schlachtrufes deutscher Antisemiten. Der Inhalt des Plakates enthielt die Aufforderung, keinen Juden in den Gemeinderath zu wählen. Dieses antisemitische Manifest war die Privatarbeit eines Mannes, der sich Marsili unterschrieb und Verwaltungsbeamter beim hiesigen Gericht ist. Trotz dieses privaten Charakters der Kundgebung rief dieselbe in Florenz, wo man solcher Ausbrüche des konfessionellen Hasses ungewohnt ist, großes Aufsehen hervor. Anderen Tages erschienen an den Mauern Plakate, vermittelst deren der Baron Giorgio Enrico Levi Denjenigen, der in dem freien Italien einen solchen Ruf des Fanatismus erhebe, für einen Elenden erklärte. Am nächsten Tage erschien ein neues Plakat des Marsili an den Mauern, des Inhalts, er sei nicht Antisemit, aber .... und es folgte Einiges von den bekannten Stöcker'schen Redensarten in italienischer Bearbeitung. Während nun das zweite Plakat am Tage der Wahlen selbst, am Sonntag, erschien, publizirten einige nicht-israelitische Florentiner auch ihrerseits einen Protest gegen den Versuch einer konfessionellen Hetze. Damit aber war die Angelegenheit nicht abgethan. An demselben Abend veröffentlichten zwei Mitglieder der höchsten Florentiner Aristokratie, der Marchese Wilfried Pareto und der Graf Carla degli Alessandri, daß sie sich als Kartellträger des Baron Levi zu jenem Marsili begeben hätten, der indeß erklärte, er verweigere jede Genugthuung. Die beiden Herren fügten hinzu, die Oeffentlichkeit werde dieses Verhalten zu beurtheilen wissen. Gleichzeitig hatten sich mit einem anologen Aufträge eines angesehenen Arztes, der Israelit ist, des Dr. Arturo Pardo, zwei geachtete nichtisraelitische Kollegen desselben zu jenem Marsili begeben. Sie erhielten den gleichen Bescheid, mit dem Zusatze, der Marsili zöge es vor, durch die Zeitungen zu antworten. Baron Levi hat ferner in dem an seine Kartellträger gerichteten Schreiben erklärt, er stehe jedem zur Verfügung, der sich zu jenen mittelalterlichen Auffassungen bekenne und den Muth habe, solche Gesinnungen mit der Waffe in der Hand zu vertreten. Es sei erwähnt, daß die beiden Herren, welche auf jene Provokation mit einer Forderung antworteten, nicht heißblütige junge Leute, sondern bewährte Persönlichkeiten gesetzten Alters sind. Rumänien. Bukarest. Vor einigen Jahren kam Herr Eiffel, der berühmte Erbauer des nach ihm benannten Thurmes zu Paris, nach Rumänien um die Construktion einer Brücke über die Donau von der rumänischen Regierung zu übernehmen. Er berechnete die Kosten mit 15 Millionen Frcs., während alle übrigen — arischen — Ingenieure 25 Millionen verlangten. Der Jude Eiffel wurde von dem damaligen Minister-